Interview mit Doc Baumann "Man muss wissen, was man von einem Bild will"

Doc Baumann ist der Guru in der Bildbearbeitungsszene. Ihm gehorchen die Pixel auf jeden Klick. Den Lesern von sueddeutsche.de erklärt er, worauf es ankommt und wie sie selber zu erstaunlichen Ergebnissen mit ihren eigenen Fotos kommen können.

Interview von Bernd Graff

sueddeutsche.de: "Doc Baumann", Sie sind ein Experte in der Bildbearbeitungsszene. Ach, was sage ich: Sie gelten als Guru, als Erleuchteter in Sachen Bild-Optimierung. Jemand, der in die tiefsten Tiefen der Software geschaut hat und sie virtuos einzusetzen vermag. Also: Der Klinsmann unter den Pixel-Trimmern. Muss denn der Normalsterbliche, der Sonntagsknipser auch so ein Experte, noch schlimmer: auch so ein Begnadeter sein, um mehr aus seinen selbstgeschossenen Bildern heraus zu holen?

Doc Baumann: Rocker und Meister der Bildbearbeitung. Auf dem rechten Bild hat er sich selbst älter gemacht.

(Foto: Foto: Privat)

Doc Baumann: (lacht) Nein, selbstverständlich nicht. Zuerst einmal gilt es, ein ordentliches Foto zu machen, also seine Kamera zu beherrschen, Bildausschnitt und - Aufbau, Licht, Blende etc. vor dem Drücken des Auslösers zu kontrollieren. Sich also schon Gedanken beim "Schuss" zu machen. Vielleicht dabei sogar schon mit dem Hintergedanken, wie dieses Bild nach der Bearbeitung am Computer einmal aussehen soll. Das sind schon immer die klassischen Themen des Fotografierens, daran hat sich auch durch die neue Technik wenig geändert. Ein gutes Ausgangsbild bietet viele Möglichkeiten für die anschließende Bearbeitung. Natürlich ein total verwackeltes Porträt, auf dem der Kopf nicht drauf ist, eben nicht. Und wenn es total über- oder unterbelichtet ist, kann auch die tollste Software keine Details mehr rekonstruieren, wo keine sind. Das kann auch ein Einsteiger nachvollziehen.

sueddeutsche.de: Kann er sicherlich. Aber dann: Ich habe also im Rahmen meiner Möglichkeiten so gewissenhaft wie möglich fotografiert. Was geschieht jetzt? Das Bild ist auf dem Speicherchip. Ich habe es sogar geschafft, es auf meinen Computer zu bekommen. Und jetzt?

Doc: Wenn sich jemand die Dunkelkammer an den Monitor des Computers holt, ist der erste Schritt die Optimierung von Digitalfotos. Das geht sehr viel einfacher und bequemer als früher im roten Dämmerlicht mit stinkenden Entwickler- und Fixierflüssigkeiten, und die Zwischenergebnisse sind am Bildschirm direkt überprüfbar. Nichts ist endgültig, man kann experimentieren, bis man mit dem Ergebnis voll zufrieden ist. Den meisten Kameras liegen darum auch Bildbearbeitungsprogramme mit rudimentären Funktionen bei. Die kauft man also mit. Solche Software, wie sie auch Scannern beigepackt wird, ist für Einsteiger sicherlich zunächst einmal ausreichend. Wie lange dieses "zunächst" dauert, hängt von den Ansprüchen ab. Damit kann man zumeist etwa "rote Augen" entfernen, Bilder drehen, in geringem Umfang nachbelichten, vielleicht auch noch zuschneiden. Gut. Um einzuschätzen, ob diese Grundfunktionen tatsächlich immer ausreichen, bin ich aber sicherlich der Falsche. Denn wenn ich solche Programme teste, vermisse ich spätestens beim dritten Schritt irgendeine Funktion, ohne die ich nicht weiterkomme - jedenfalls nicht mit dem Effekt und vom Arbeitsprozess her so elegant und vielseitig, wie ich es gewohnt bin. Wer professionelle Ansprüche an seine Bildbearbeitungsergebnisse stellt, braucht dann auch eine professionelle Software. Es gibt Programme, die hier aus guten Gründen als Standard für die digitale Bildbearbeitung bezeichnet werden.

sueddeutsche.de: Was benötigt man denn außerdem noch, um mehr aus seinen Bildern zu machen? Etwa aus den Urlaubsfotos?

Fotobearbeitung mit Photoshop

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