Interview mit Alicia von Rittberg In ein anderes Zeitalter geschnürt

Alicia von Rittberg am Set von "Charité": Es ist ein Spaß, wenn die mir hier am Set Smokey Eyes machen wollen. Eigentlich heißt das: Lidschatten, hier jedoch Augenränder schminken

(Foto: ARD/Nik Konietzny)

Deutschlands neue Hollywood-Hoffnung Alicia von Rittberg dreht eine Serie über die Berliner Charité. Ein Gespräch über Medizin, erotische Bilder und was eine Korsage mit ihr macht.

Von Lars Langenau

SZ: Haben Sie schon einmal so ein langes Projekt wie die ARD-Serie "Charité" gemacht?

Alicia von Rittberg: Es ist vielleicht nicht das längste, aber intensivste Projekt was ich bislang gemacht habe. Noch nie war ich mit einem Team so verbunden und in fast alles eingebunden.

Wie kamen Sie zu der Hauptrolle?

Sie suchten für die Rolle der Ida Lenze nach einem Mädchen in meinem Alter. Ich hatte bereits in ein paar Filmen schon mitgespielt und habe eine sehr aktive Agentin. Irgendwann kam Sönke auf mich zu und schaute sich an, wie ich die tragende Rolle interpretiere. Er hatte wohl schon eine ziemlich genaue Vorstellung davon, wie das Mädchen sein sollte und da passte ich eben ganz gut hinein. Jetzt bin ich an sehr vielen Drehtagen überall ein bisschen mit dabei.

Was sieht bei Ihnen ein ganz normaler Drehtag in Prag aus?

Das kommt immer auf die Szene an. Für eine Minute Film brauchen wir etwa eineinhalb bis zwei Stunden. An einem ganzen Produktionstag werden vier bis sechs Minuten Material gedreht. Sönke Wortmann ist ein sehr angenehmer, genügsamer Regisseur, der einen die Aufnahmen nicht ewig wiederholen lässt. Natürlich wird nicht chronologisch gedreht, sondern immer das, was zu einem Set passt. Da kann die Schlussszene schon mal ganz am Anfang gedreht werden. Natürlich gibt es Drehtage an denen ich nur in einer Sequenz spiele, dann ist es etwas lockerer. Aber an anderen Tagen geht der Tag um fünf Uhr los. Um halb sechs Uhr werde ich abgeholt und es geht direkt in die Maske.

Wie wichtig ist die Maske bei einem historischen Film?

Maske stimmt zumindest bei mir bei diesem historischen Stoff nicht ganz. Denn da passt Wimperntusche nicht rein. Normalerweise werden Augenränder und Rötungen weggeschminkt, die finden das hier aber ganz super, weil es Lebendigkeit ins Spiel bringt. Selbst Puder wird nur eingesetzt, wenn man unnatürlich glänzt. Es ist schon ein Spaß, wenn die mir hier am Set Smokey Eyes machen wollen. Eigentlich heißt das: Lidschatten, hier jedoch Augenränder schminken. Am besten wäre wohl, wenn ich bis vier Uhr nachts durchfeiere und um 5 zum Dreh gehen würde. Das wäre zwar für die Konzentration hinderlich, hätte aber vom Make Up den gleichen Effekt. Immerhin werden einem die Haare schön gemacht. Dann geht es zum Kostüm, dann Probe und dann kommt schon der Dreh.

Ohne Umwege nach Hollywood

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Wie lange drehen Sie in Prag?

Normalerweise braucht man für einen 90-minütigen Film ein, eineinhalb Monate für Dreharbeiten. Hier sind es aber sechs Teile á 45 Minuten. Also dauert das auch länger. Wir haben Mitte Oktober angefangen, drehen bis Mitte Dezember und dann nochmal von Januar bis Anfang Februar.

Wie sehen die Abende aus?

Dann lerne ich. Ich studiere Wirtschaftswissenschaften an der Zeppelin Universität in Friedrichshafen. Glücklicherweise hat die eine Partneruni in Prag. Da kann ich im Dezember meine Prüfungen ablegen. Bei den Dreharbeiten zu "Fury" musste immer extra ein Notar kommen, der mich beaufsichtigte.

Das Studium wollen Sie trotz Ihres Erfolges als Schauspielerin nicht beenden?

Auf jeden Fall! Ende 2017 bin ich mit dem Studium fertig und habe dann einen Bachelor. Allerdings würde ich auch gern noch ein Auslandssemester einschieben. Sehr gern in Israel, denn da war ich noch nicht und ich empfinde es als spannendes Land. Wenn ich allerdings ein tolles Rollenangebot bekommen sollte, dann weiß ich schon jetzt, dass ich hin und her gerissen sein werde. Aber das lasse ich jetzt mal auf mich zukommen.