Interview:"Ich glaube an Geister"

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Oscar-Preisträgerin Jennifer Connelly über Horror und Überflutung, Drogen und Prostitution und eine phänomenale Pasta bei Dario Argento.

Tobias Kniebe

Immer wieder sind ihr die Phantome begegnet in ihrer Kinokarriere, von einer frühen Rolle bei Dario Argento bis zum neuen Film "Dark Water" - selbst in ihrer Oscar-Rolle in "A Beautiful Mind" gab es Exkurse in imaginäre Welten.

Interview: Jennifer Connelly als Dahlia Williams in 'Dark Water - Dunkle Wasser', dem neuen Horrofilm von Walter Salles.

Jennifer Connelly als Dahlia Williams in 'Dark Water - Dunkle Wasser', dem neuen Horrofilm von Walter Salles.

(Foto: Foto: DDP)

SZ: Mrs. Connelly, glauben Sie an das Übernatürliche?

Jennifer Connelly: Unbedingt. Ich glaube an Geister, und vermutlich gibt es eine Menge Menschen, die von Phänomenen jenseits unserer Vorstellungskraft heimgesucht werden. Wenn man an einem Horrorfilm wie "Dark Water" arbeitet, achtet man natürlich besonders auf solche Dinge, und die passierten dann tatsächlich. Das Wasser zum Beispiel, als ein Element, aus dem das Verdrängte und Unbewusste heraufsteigt. Als Walter Salles einmal zu mir kam, um über die Rolle zu sprechen, war mein Haus wenig später überflutet. Und nicht nur einmal, sondern zweimal.

SZ: Die dunklen, rätselhaften und zerstörerischen Seiten der Existenz scheinen Sie ja nicht zu fürchten, wenn man die Wahl Ihrer Rollen betrachtet ...

Connelly: Das Einzige, was ich fürchte, ist zu sehr in diese Ecke gedrängt zu werden. Insofern würde mir eine erfolgreiche Komödie mal ganz gut tun. Aber Sie haben Recht: Von den unzähligen Drehbüchern, die ich lese, faszinieren mich dann eben doch wieder Geschichten wie "Haus aus Sand und Nebel" oder "Requiem for a Dream", die Menschen in Extremsituationen zeigen, die keine einfache Trennung zwischen positiven und negativen Charakteren erlauben, wo man auch als Schauspieler noch wirklich neue Erfahrungen machen kann. Wenn es dann wieder heißt, ich sei die Expertin für die dunklen Geschichten und für die Frauen am Rande des Nervenzusammenbruchs, dann muss ich damit halt leben.

SZ: Aber die Hölle aus Drogensucht und Prostitution, durch die Ihre Figur in "Requiem" gehen muss - da hätten sich nicht viele Ihrer Kolleginnen in Hollywood hineingewagt.

Connelly: Vielleicht. Für mich war es immer eine große Rolle und eine phantastische Gelegenheit. Ich habe vorher sehr viel Zeit mit Drogensüchtigen verbracht, und ich habe bei diesem Film sehr viel genauer verstanden, was Sucht bedeutet. Sicherlich, meine Figur wurde ausgebeutet und zum Objekt gemacht, aber das heißt ja nicht, dass mit mir als Schauspielerin dasselbe passiert wäre.

SZ: Seit Sie für "A Beautiful Mind" den Oscar bekamen, scheinen Sie ernstere Rollen zu bevorzugen. Sind Ihre sexy Verführerinnen nun Vergangenheit?

Connelly: Es gibt da einen definitiven Umbruch, aber er hat nicht direkt mit dem Oscar zu tun. Ich arbeite ja seit meiner Kindheit, und weil es nie die bewusste Entscheidung gab, Schauspielerin zu werden, hatte ich immer das Gefühl, mich nur an das Kino auszuleihen. Ich war diszipliniert, aber letztlich tat ich einfach, was andere von mir wollten. Bis ich mir irgendwann gesagt habe, da muss noch mehr sein, ich möchte mit größerer Leidenschaft an die Dinge herangehen und mich für meine Rollen verantwortlich fühlen. Das war schon ein paar Jahre vor dem Oscar. Aber er ist, möglicherweise, eine Folge dieser Entscheidung.

SZ: Als Kinderstar scheinen Sie auch schon recht mutig gewesen zu sein. Wie sonst hätten Sie mit 14 Jahren den Horrorschocker "Phenomena" drehen können, mit dem irren Dario Argento?

Connelly: Das war so ein Film, ob Sie es glauben oder nicht, wo ich ausnahmsweise mit Leib und Seele dabei war. Meine Eltern wollten die Rolle ablehnen, aber ich war tödlich beleidigt und habe so lange Ärger gemacht, bis sie einwilligten. Ich hatte Argento getroffen, ich mochte ihn sofort, und ich wollte nach Italien, denn dort wurde gedreht.

SZ: Aber dass der Mann etwas bizarr ist, muss Ihnen doch aufgefallen sein?

Connelly: Nun ja, er sieht aus wie ein Skelett, und er hat diesen seltsam missratenen Mönchs-Haarschnitt, und damals fand ich es schon etwas merkwürdig, dass seine eigene Tochter das Mädchen spielte, das als Erstes auf grausame Weise umkommt, indem nämlich ihr Kopf abgeschlagen wird... Aber glauben Sie mir, der Mann ist auch seltsam liebenswert, und am Set sieht man ja dann wirklich ganz genau, dass der abgeschlagene Kopf nur aus Gummi ist. Mich störte das alles damals überhaupt nicht.

SZ: Und die Szene, wo Sie in eine Grube voll verwesender Leichen fallen?

Connelly: Da sagte mir der Mann für die Spezialeffekte voller Stolz, dass alles in dieser Grube essbar sei. Er hatte unheimlich viel Pasta verkocht, und erzählte mir genau, um was für Zutaten es sich handelte. Also sprang ich in eine Grube mit Essen, das war zwar ein bisschen eklig, aber für einen Teenager ist das doch auch sehr lustig. Heute interessiert mich diese Art von Horror weniger - es muss schon etwas subtiler, psychologischer und glaubwürdiger sein. Ungefähr so wie in "Dark Water".

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