Internationales Filmfestival von Locarno Leoparden für die Jungen

Die Jury des Filmfestivals von Locarno hat vor allem den Nachwuchs mit Preisen bedacht - den Goldenen Leoparden erhält eine Kino-Debütantin. Deutsche Erwartungen wurden enttäuscht.

Mit einer Überraschung ist das Filmfestival im Schweizerischen Locarno zu Ende gegangen. Weitgehend unerwartet wurde die argentinisch-schweizerische Koproduktion "Abrir puertas y ventaras" ("Back to stay") am Samstag mit dem Goldenen Leoparden für den besten Film ausgezeichnet.

Gewinnerfilm: Regisseurin Milagros Mumenthaler erzählt von drei Schwestern, die nach dem Tod der Großmutter ihren Alltag alleine meistern müssen.

(Foto: AFP)

Das Spielfilm-Debüt der jungen Regisseurin Milagros Mumenthaler um drei Schwestern, die nach dem Tod ihrer Großmutter ganz auf sich gestellt sind, sei der "gelungenste und umfassendste Film" des Wettbewerbs, erklärte der Jury-Vorsitzende, der portugiesische Produzent Paulo Branco. Für ihre Rolle als eine der Schwestern erhielt Maria Canale den Silbernen Leoparden als beste Darstellerin.

Der Rumäne Adrian Sitaru gehört ebenfalls zum Nachwuchs. Für seinen erst zweiten Spielfilm "Din dragoste cu cele mai bune intentii" ("Beste Absichten") erhielt er den Silbernen Leoparden als bester Regisseur. Hauptdarsteller Bogdan Dumitrache wurde zudem als bester Schauspieler ausgezeichnet. Die rumänisch-ungarische Koproduktion spiegelt soziale Probleme in Rumänien.

Auch den Spezialpreis der Jury, einen Silbernen Leoparden für einen herausragenden Film, bekam mit dem Israeli Nadav Lapid ein Debütant. Sein Gesellschaftsdrama "Hashoter" ("Policemen") beeindruckte mit facettenreichen Bildern aus dem komplizierten Alltag von Israelis und Palästinensern.

Der "Goldene Leopard als Spezialpreis der Jury" ging an den Japaner Shinji Aoyama für seinen Film "Tokyo Koen" sowie für sein "bemerkenswertes Filmschaffen". Die französisch-deutsche Liebesgeschichte "Un amour de Jeunesse" (Eine Jugendliebe) der Regisseurin Mia Hansen-Løve bekam von der Jury eine "besondere Erwähnung".

Die deutschen Erwartungen blieben am Lago Maggiore unerfüllt. Etlichen mit deutscher Beteiligung gedrehten Filme waren Chancen eingeräumt worden, doch es gab lediglich einen "Pardino d'oro", einen "Kleinen Leoparden in Gold". Er wurde dem 26-minütigen Kurzfilm "Rauschgift" des deutschen Regisseurs und Produzenten Peter Baranowski verliehen. Der von der Hochschule für Fernsehen und Film in München produzierte Film lief in der Studenten und Anfängern vorbehaltenen Festivalsektion "Pardi di domani", "Leoparden von morgen".

Zum 64. Filmfestival von Locarno hatten sich zahlreiche Stars eingefunden, darunter Harrison Ford, Claudia Cardinale, Daniel Craig, Gérard Depardieu und Isabelle Huppert. Der Jury gehörten auch die deutsche Schauspielerin Sandra Müller und der französische Regisseur Louis Garrel an.