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Internationaler Kunstmarkt:Weniger Umsatz, mehr Frauen

Die jüngsten Zahlen zeigen, wie sich der globale Kunstmarkt entwickelt. Der Ausfall internationaler Kunstmessen durch das Corona-Virus ist dabei noch nicht berücksichtigt.

Von Astrid Mania

Zahlen sind immer auch nur relativ. Zwar vermeldet der aktuelle "Art Basel and UBS Art Market Report" für das Jahr 2019 erstmals seit zwei Jahren einen Rückgang des Volumens des globalen Kunstmarktes auf geschätzte 64,1 Milliarden US-Dollar, was einem Minus von 5 Prozent entspricht. Zugleich jedoch stieg die Summe der einzelnen Transaktionen um 2 Prozent. Besonders bemerkbar macht sich der Rückgang bei den drei Top Playern, die den internationalen Kunstmarkt unter sich aufteilen: voran die USA mit einem Anteil von 44 Prozent (minus 5 Prozent), Großbritannien mit 20 Prozent (minus 9 Prozent, wohl auch eine Folge des Brexit-Chaos) und China mit 18 Prozent, ein Minus von einem Prozent. Zum Vergleich: Der Anteil Deutschlands am weltweiten Kunstmarkt beträgt zwei Prozent, darin übrigens gleichauf mit der Schweiz.

Die Schätzungen für den Galeriesektor benennen für das Vorjahr ein Gesamtvolumen von 36,8 Milliarden US-Dollar - ein Zuwachs um 2 Prozent. Galerien mit einem Jahresumsatz zwischen 250 000 bis 500 000 US-Dollar haben die höchste Steigerung erfahren, nämlich um satte 17 Prozent. Eine erstaunliche, gute Nachricht. In diesem Segment sind die meisten deutschen Galerien angesiedelt; gleichzeitig gilt es als das ökonomisch gefährdetste, zwischen jungen Galerien mit überschaubarem Kostenapparat und jenen, die, der ökonomischen Ungleichheit geschuldet, behaglich im Hochpreissegment ihre Geschäfte abwickeln. Hier wird für 2019 ein Plus von 16 Prozent bilanziert. Wenig überraschen dürfte auch, dass innerhalb Europas Deutschland die ausgabefreudigsten Milliardäre und zugleich anteilig deren höchste Anzahl besitzt.

Frauen sind bei diesen Superreichen zwar noch immer in der Minderheit, doch haben 34 Prozent von ihnen in den letzten beiden Jahren mehr als eine Million US-Dollar für Kunst ausgegeben, gegenüber 25 Prozent der Männer. Auch im Bereich der Repräsentation von Künstlerinnen tut sich, langsam, etwas. Zwar liegt der Anteil der Künstlerinnen an den Galerieprogrammen noch immer bei etwa einem Drittel, doch im Bereich der "Emerging Artists" ist mit 48 Prozent global beinahe Parität zwischen den Geschlechtern erreicht.

Im Abwärtstrend befindet sich der Auktionsmarkt mit einem Minus von 17 Prozent. Auch der Online-Markt, einst Hoffnungsträger, will nicht wirklich boomen: Er bewegt sich mit einem neunprozentigen Anteil am weltweiten Kunstmarkt leicht nach unten. Bleibt zu hoffen, dass im nächsten Jahr durch die Auswirkungen des Corona-Virus und den Ausfall internationaler Kunstmessen - (die 2019 immerhin für 45 Prozent der Galerie-Umsätze verantwortlich waren) nicht weit dramatischere Zahlen gemeldet werden müssen. Schließlich, so der "Art Market Report", sei der Kunstmarkt Arbeitgeber für rund drei Millionen Beschäftigte weltweit, wobei weitere Hunderttausende Jobs in Branchen angesiedelt sind, die seinen Institutionen zuarbeiten.

© SZ vom 06.03.2020

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