Ingeborg-Bachmann-Preis in Klagenfurt Was ist da los? Was ist da los?

Ein siechendes Favoriten-Sterben: Auch beim Hauptpreis des 30. Literaturwettbewerbs überzeugte - weniger die Autorin. Es überzeugte die Jury.

Von Ijoma Mangold

Das gab es so noch nie: Dass die Preisvergabe am Ende den Wettbewerb auf einen Schlag konterkariert und zur Unwirklichkeit verdreht hat. Es war, als hätte sich die Jury, als es zur Abstimmung kam, nicht mehr so recht an die eigenen Urteile der vergangenen Tage erinnert. Von Donnerstag bis Samstag treten in Klagenfurt 18 Autoren zum Wettbewerb um den Ingeborg-Bachmann-Preis an. Sie lesen ihre Texte vor, danach werden diese von der Jury diskutiert, gedeutet, erhellt und beurteilt. Am Sonntag dann, nach einer Nacht des Überdenkens, kommt es zur Abstimmung. Was bei der Spontankritik der ersten drei Tage im Eifer des Gefechts nach oben oder unten ausrutschte, wird dann in aller Regel korrigiert. Die Jury vergibt die ersten vier Preise. Außerdem wird der durch eine Internetwahl ermittelte Publikums-Preis verkündet. Im Großen und Ganzen ratifiziert die Preisvergabe das allgemeine Meinungsbild. Empörende Ungerechtigkeiten sind eher die Ausnahme.

(Foto: Foto: dpa)

Diesmal war das anders. Nachdem der erste, der wichtigste, eben der Ingeborg-Bachmann-Preis (25 000 Euro) wie erwartet und völlig zu Recht an Kathrin Passig ging, tauchten plötzlich Namen auf, die zwar respektabel waren, denen aber niemand Preise zugetraut hätte - während die Favoriten auf gespenstisch lautlose Weise unter die Räder gerieten. Was war hier passiert? Um das zu verstehen, muss man über die Jury und das Abstimmungsverfahren reden. Die Jury besteht aus neun Mitgliedern. Unter dem Vorsitz von Iris Radisch gehören ihr Karl Corino, Heinrich Detering, Martin Ebel, Ursula März, Klaus Nüchtern, Ilma Rakusa, Burkhard Spinnen und Daniela Strigl an. Alle sind genaue Leser, kluge Interpreten von erheblicher analytischer Schärfe. Diese Jury hat, darüber dürfte Einigkeit herrschen, in den letzten drei Jahren sehr professionell gearbeitet.