Indie-Rock Neu verpackt

Matija Kovac hat mit seiner Band ein Album aufgenommen

Von Martin Pfnür

Als das Gespräch im "Hearthouse" am Lenbachplatz direkt mit der verfänglichsten Frage beginnt, muss Matija Kovac erst mal inne halten. Gibt es doch leichtere Aufgaben, als zu erklären, warum seine 2011 am Schwabinger Maxgymnasium gegründete Band The Capitols, die sich per Blues-Einschlag und filigranen Blockflöten-Kaskaden als Münchner Indie-Rock-Hoffnung etablierte, einerseits Geschichte ist, andererseits jedoch weiterhin existiert. Nur eben unter seinem eigenen Namen.

Entsprechend vorsichtig macht sich der 21-Jährige an die Erklärung, berichtet von einer "organischen Entwicklung", von einer "Verpackung", die einfach mehr Sinn ergebe, und betont, dass es sich hier keinesfalls um einen Akt des Narzissmus handle. "Wir haben die Entscheidung im Einklang getroffen, weil es sich richtig angefühlt hat", sagt er. Es ist dies nicht die einzige Veränderung im musikalischen Kosmos des Sängers, Gitarristen und klassisch ausgebildeten Flötisten. Sein erstes, im Laufe dieses Jahres erscheinendes Soloalbum ist bereits im Kasten, und das, was Kovac von den Aufnahmen erzählt, macht definitiv Lust auf das halb akustische Konzert, mit dem er und seine Band die neuen Stücke nun präsentieren. Entstanden sind letztere nämlich in Zusammenarbeit mit Johann Scheerer, der als Produzent, und Chef des Hamburger Labels "Clouds Hill Records" etwa Pete Dohertys neues Solo-Album verantwortet.

Im Mai vergangenen Jahres schlägt das Münchner Quartett erstmals in Scheerers Clouds-Hill-Studio an der Elbe auf, um Demos aufzunehmen. Der zeigt sich angetan von den Songs, und doch bricht er den Indie-Rock der vier Musiker sogleich auf, indem er ihnen vor allem den Einsatz des Synthesizers schmackhaft macht. Was anfangs eher überrumpelnd wirkt, stellt sich für Kovac bald als gewaltiger Inspirationsmoment heraus. Ein "Kreativmotor" sei da bei ihm gestartet, was dazu führt, dass er gleich im Studio noch fünf weitere Songs schreibt, an denen man den Sommer über feilt, um sie dann im Herbst zusammen mit den älteren Stücken im Clouds-Hill-Studio zu finalisieren. "Poppiger und geschliffener" klänge das neue Material, sagt Kovac, der das Album auch als Analyse des digitalen Zeitalters versteht, in der man kaum mehr Gelegenheit habe, wirklich in sich selbst hineinzuhören, geschweige denn ein Gefühl für die ernsthafte Gefährdung der Umwelt unseres Planeten zu entwickeln.

"Wir leben heute so schnell, dass wir uns die ganze Zeit selbst überholen. Also versuchen wir das zu kompensieren, indem wir uns auf unseren Smartphones und Social-Media-Kanälen eine Welt schaffen, in der wir dieses unglaubliche Tempo scheinbar kontrollieren. Alles scheint geordnet, aber eigentlich stolpern wir permanent selbst über unsere eigenen Beine, und kaum jemand weiß mehr so recht, was er eigentlich will." Fertig, ja verrückt mache ihn all das, sagt Matija Kovac, dem bewusst ist, dass auch er nichts an diesem Zeitgeist ändern kann. Doch der Drang, davon zu singen und seinen Standpunkt zu vertreten, der ist weiterhin da. Und Kovac folgt ihm.

Matija, Sonntag, 22. Januar, 18 Uhr, Lost Weekend, Schellingstraße 3