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Immobilienwirtschaft und Denkmalpflege:Großzügige Anwesen

Die Vorbereitungen für das 700. Jubiläum dieses Ereignisses im nächsten Jahr laufen auf Hochtouren. Es soll einen Geschichtspfad geben. Das alte Dorfbachquartier hätte da, ergänzend zu dem bereits prächtig herausgeputzten, musealisierten Haus Bethlehem in der Ortsmitte, mit dem Schwyz in seinen Tourismusprospekten kräftig wirbt, eine beeindruckende Etappe bilden können. Das hatte nur niemand erkannt. Die neuen Forschungsergebnisse kamen zu spät. Eine einmal erteilte Abbruchgenehmigung wird nicht zurückgezogen. Der Bauforscherin Ulrike Gollnick blieb nur noch im Auftrag der kantonalen Denkmalpflege, sich neben den Abrissbagger zu stellen und die ältesten Bauteile für die Wissenschaft zu retten.

Inzwischen sind die geborgenen Holzwände wie Kulissen in einem ehemaligen Munitionslager aufgestellt. Außenrum lagern Balken und Bohlen der ältesten bisher datierten Holzbohlendecke. Kein Wurm hat sich je durch die Kernbretter gebohrt, kein Schwamm je zerstörerische Myzelien gebildet. Wer durch die Türen der Kulissenwände steigt, merkt schnell, dass die spätmittelalterlichen Schwyzer Holzblockbauten keine bescheidenen Hütten, sondern großzügige Anwesen waren.

Blick in die Stube eines der abgerissenen Häuser. In jedem steckte ein mittelalterlicher Kern, doch man übersah ihn bei der Inventarisierung.

(Foto: Georg Sidler)

Die nach Süden gelegene Wohnstube maß immerhin 20 Quadratmeter. Jenseits des breiten Hausgangs lag mittig die Küche mit offener Feuerstelle. Da der Raum keine Geschossdecken hatte, konnte der Rauch direkt übers Dach abziehen. Einen Kamin kannte man noch nicht. Gewöhnungsbedürftig für uns: Statt aufrechten Fenstern gab es zunächst nur schmale, liegende Luken. Viel Licht kann es in den Räumen nicht gegeben haben. Dafür aber waren Kältebrücken auf ein Minimum reduziert.

Sparsamkeit war eine Selbstverständlichkeit

Heute erfreuen sich Holzblockbauten wieder neuer Beliebtheit. Wer ökologisch, nachhaltig und biogesund bauen möchte, der schwört auf Holz - möglichst mondgeschlagenes. Doch das, was in Schwyz um 1300 Standard war, könnte sich heute niemand mehr leisten: Für die dicken Balken der Blockwände und für die Bohlen der Decken und Böden verwendeten die Zimmerer ausschließlich Kernholz, um jede Verwerfung zu vermeiden. Wofür wurde das Äußere der Stämme verwendet? Die Forschung steht vor einem Rätsel. Abfall wird es jedenfalls keinen gegeben haben. Sparsamkeit, die wir heute wieder lernen sollen, war eine Selbstverständlichkeit.

Wer sich die Wände der Abrisshäuser genau anschaut, sieht an den aufgesägten Stellen, dass die Balken nicht plan aufeinanderlagen. Die Zimmerer hatten die Auflageseiten leicht gekehlt. In die Hohlkehle wurden Moose für die Wärmedämmung und Dichtung gelegt. Der Balken der Blockwand stehen durch die Kehlung nur auf ihren Außenkanten aufeinander. Das gesamte Gewicht der Holzwand lastet nur auf schmalen Stegen, so dass sich die Fugen winddicht schließen.

Gollnick zeigt ein dürres graugrünes Geflecht: Jahrhunderte altes, getrocknetes Moos. Als Nächstes zieht die Bauforscherin einen etwa 35 Zentimeter langen Hartholzdübel hervor, der die Balken gegen mögliches Ausscheren und Verdrehen sicherte. Der Dübel sieht aus, als sei er gerade frisch gebeilt worden. Nie war er mit Luft und Feuchtigkeit in Berührung gekommen. Nur die Außenseiten der Balken sind hier und da verwittert.

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