Im TV: Kerner trifft Schumacher Der Anti-Boris-Becker

Zum 40. Geburtstag: Johannes B. Kerner besucht Michael Schumacher auf der Ranch seiner Frau, reitet, schleudert und spricht mit ihm über Corinna.

Von Christopher Keil

Es ist nicht sehr wagemutig anzunehmen, dass der Rennfahrer Michael Schumacher, wäre er nicht sieben Mal Weltmeister in der Formel 1 und damit sehr reich geworden, eine Kartbahn in Kerpen betreiben und dort möglicherweise genauso glücklich sein würde, wie er das offenbar auf seinen Besitztümern in der Schweiz ist.

Die Herren erscheinen im feinen Zwirn, beim Tier ist die Haarfarbe entscheidend.

(Foto: Foto: dpa)

Schumacher hat, sagt er, keine Träume. Er habe das Glück gehabt, seine Frau Corinna kennenzulernen, mit ihr eine Familie zu gründen, eine Handvoll Freunde zu kennen. 2008 war er sogar mit einem Wal tauchen, einem Walhai, eskortiert von einem Tauchlehrer - und natürlich Corinna.

Woher man das weiß? Von Johannes B. Kerner, der Schumacher für Kerner auf dessen Ranch - die streng genommen die Ranch von Schumachers Frau ist - bei Genf besuchte, dort ein Studio in einem Pferdestall einrichten ließ und eine Stunde lang aushorchte. Der 40. Geburtstag des Mannes, der noch immer gerne Schumi heißt, weil er Schumi als sympathischen Namen begreift, schenkte ihm den Anlass.

Bevor es sich beide im Landhausdekor und in cognacfarbenen Sesseln bequem machen, reiten sie das Grundstück ab. Anfänglich mit einem Mini-Traktor, den Schumacher gekonnt, Kerner wenigstens unfallfrei zum Schleudern bringt, anschließend hoch zu Roß. Wobei Kerner auf einen Fuchs steigen soll, "deiner Haarfarbe entsprechend", wie Schumacher erklärt.

Der Unauffällige

Von allen, die als Sportler in der Bundesrepublik so viel erreicht haben, dass sie auch international anerkannt, also Stars wurden, ist Schumacher der am wenigsten Auffällige. Die Geburtstagstalkshow machte zweierlei deutlich: Zum einen kann man sich dem Klatsch sehr wohl entziehen, wenn man konsequent aufs Private und nicht auf private PR setzt. Zum anderen wurde Michael Schumacher von der von Helmut Kohl regierten Achtziger-Jahre-BRD fürs Leben geprägt: Familie, Ordnung, Gottgläubigkeit ohne Kirchgang.

Das Geld wird gut angelegt, weshalb eine Finanzkrise nur zu Verlusten in "einem vernünftigen Sinne" führt. Testamente werden gemacht, weil man keine Probleme hinterlässt, und morgens, mittags, abends essen Eltern und Kinder gemeinsam. Im Fall der Schumachers wird um sieben Uhr aufgestanden, beim Lunch darf auch mal der Fernseher laufen.

Michael Schumacher ist der Gegenentwurf zu beispielsweise Boris Becker. Er ist kontrolliert, mag nicht in die Zukunft blicken, weiß, was er will und ruht in sich. Deshalb klingt bei ihm eine Unfallschilderung auch nicht wie eine Sensation, sondern wie ein Telemetriecheck.

In Silverstone, wo er 1999 mit 106 km/h in eine Mauer raste und sich das Bein brach, habe sein Herz für Momente aufgehört zu schlagen: "Na ja", habe er gedacht, "das ist wahrscheinlich das, was man fühlt, wenn man auf dem Weg nach oben ist." Nach oben kam er, ganz auf Erden.

Kerner, ZDF, 22.45 Uhr