Im Kino: Twelve Altklug am Thema vorbei

Nick McDonells Jugendkultroman "Twelve" wurde verfilmt - von dem 71-jährigen Joel Schumacher, der Jugendliche nicht besonders gerne mag.

Von Cornelia Fiedler

Wenn ein 17-Jähriger aus eigener Erfahrung über Upper-Class-Jugendliche in Manhattan schreibt, wenn er sie bloßstellt in ihrer oberflächlichen Beschränktheit, ihrer Geltungssucht, wenn er sie drogenvernebelt in ein Massaker stolpern lässt und das Ganze mit einem melancholisch-ironischen Kommentar unterlegt, dann ist das cool genug für einen Bestseller.

Deal auf den Dächern: Chace Crawford als White Mike und 50 Cent als Lionel in Twelve.

(Foto: dapd)

Nick McDonell war der junge Bursche, Twelve hieß sein Roman, er erschien 2002. Wenn all das nun vom 71-jährigen Joel Schumacher auf die Leinwand gebracht und dort mit der sonoren Erzählstimme des eindeutig erwachsenen Kiefer Sutherland - auf deutsch dessen 24-Synchronstimme Tobias Meister - kommentiert wird, dann ist das, vorsichtig formuliert, ein Wagnis.

Dieser Erzähler spricht aus, was die Bilder, würde man ihnen vertrauen, längst erzählt hätten: Dass die Jugendlichen der Upper Eastside wenig Sorgen haben, außer zu feiern und das erste Mal hinter sich zu bringen, dass "White" Mike, der ihnen die Drogen besorgt, ein guter Junge ist, den nur der Tod der Mutter aus der Bahn geworfen hat, dass Saufen und Kiffen zum Erwachsenwerden gehören, die Modedroge Twelve dabei eher hinderlich ist.

Schumacher inszeniert Klischeebilder, altbekannt, aber schön. So lässt er Chace Crawford, den Mädchenschwarm aus der Serie Gossip Girl, als jungen Dealer Mike durch das nächtliche New York laufen, vorbei an heruntergekommenen, feuerleiterbewehrten Fassaden. Gelbes Licht spiegelt sich in den regennassen Straßen und aus einem Rohr wabern weiße Schwaden über den Asphalt.

Einer muss durchdrehen

Das ist hübsch anzusehen, ebenso sind es die jugendlichen Darsteller. Esti Ginzburg spielt das intrigante, von allen umworbene Highschool-Sternchen Sara, Emily Meade verfällt als Jessica der neuen Droge und ist ab Tag zwei der dreitägigen Handlung am zentimeterdicken Lidstrich unter den Augen als Nachwuchsjunkie zu erkennen.

Um dem eitlen Treiben ein Ende zu setzen, taucht irgendwann Claude (Billy Magnussen) auf. Seine überforderten Eltern hatten ihn in ein Bootcamp gesteckt, nun kehrt er als wandelnde Zeitbombe heim und übernimmt die Rolle, die sonst oft Kriegsveteranen zugedacht wird - er dreht durch, auf Saras legendärer Geburtstagsparty.

Doch der Film findet keinen eigenen Umgang mit den Stereotypen dieser Welt, weder blickt er hinter die Fassade noch spielt er mit den Rollenklischees. Es gibt zudem bereits genug solcher Teenie- Dramen, und manche sind deutlich spannender - jede Generation von Zwölf- bis 16-Jährigen wird diese Geschichten wieder neu erzählen und sich neu erzählen lassen. Doch ob es ausgerechnet der Hollywoodveteran Schumacher (Acht Millimeter, Nicht auflegen!) ist, dem sie zuhören? Der mag sie nämlich nicht besonders, die Jugendlichen, gesteht ihnen nicht die Fähigkeit zu, sich zu entwickeln.

"Als Sara sterbend dalag" urteilt der Erzähler abschließend, "dachte sie: Das wird mich berühmt machen." Auch den dealenden Chorknaben Mike hat er durchschaut: "Vielleicht warst du bloß wütend, dass der Ausweg in der Liebe liegt", raunt er ihm zu. Selten wurde der Kinobesucher so gebieterisch durch das drogenvernebelte Partyleben einer Highschool-Clique auf den richtigen Pfad geleitet.

TWELVE, USA 2010 - Regie: Joel Schumacher. Buch: Jordan Melamed. Nach dem Roman von Nick McDonell. Kamera: Steven Fierberg. Mit: Chace Crawford, Rory Culkin, Esti Ginzburg, Emma Roberts, Curtis James Jackson (50 Cent). Tobis, 93 Minuten.

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