Berlinale-Eröffnung: True Grit Nur dieser eine Schuss

Die Coen-Brüder haben den John-Wayne-Klassiker "True Grit" neu verfilmt. Leicht hätte das eine beißende Satire werden können - wenn da nicht eine besonders unbeugsame junge Frau wäre.

Von Tobias Kniebe

Ein verbreiteter Irrglaube besagt, dass das Kino beginnt, wenn es im Saal dunkel wird und das erste Bild über die Leinwand flackert. So wie es an diesem Donnerstagabend wieder sein wird, bei der Eröffnungsgala der Berlinale. Oder in zehn Tagen, wenn "True Grit" in den deutschen Kinos anläuft. Tatsächlich aber beginnt ein Film schon, wenn man zum ersten Mal von seiner Idee erfährt.

Bei "True Grit" war das ein starker Auftakt: Die Coen-Brüder kündigten einen klassischen Western an. Einen Rache-Western, in dessen erster Verfilmung vor mehr als vierzig Jahren John Wayne die Hauptrolle gespielt hatte; dessen Part nun Jeff Bridges übernehmen sollte, der sanftmütigste Weise im Reich der Schauspielkunst. Bei dieser Vorstellung ging das Kino im Kopf schon los. Eine beißende Satire erschien genauso möglich wie ein filmhistorisches Spiel mit Zitaten.

Um zu beschreiben, wie diese Idee nun Gestalt angenommen hat, wie sich die Vergangenheit und die Gegenwart darin zueinander verhalten, wie sich Joel und Ethan Coen von dem Western-Routinier Henry Hathaway unterscheiden, der John Wayne 1969 inszeniert hat, springt man am besten gleich zu einem Schlüsselmoment der Geschichte. Denn dieser Geschichte aus den 1870er Jahren, die einem bemerkenswerten, lange unterschätzten und aktuell wieder auf die Bestsellerlisten katapultierten Roman von Charles Portis entstammt, folgen beide Filme relativ treu.

Es gibt also diesen Moment, wo U.S. Marshal Rooster Cogburn - der gefürchtetste Verbrecherjäger westlich des Mississippi, der Mann mit der Augenklappe und dem fauligen Mundwerk, aus dem meist nur unangenehme Wahrheiten kommen - eigentlich erledigt ist. Er hat den Bandenchef Lucky Ned Pepper angeschossen und den Rest seiner Männer erledigt. Aber Lucky Ned lebt noch, er hat eine Pistole, und Rooster Cogburn hat keine. Dreiundzwanzig Menschenleben hat Cogburn ausgelöscht im Lauf der Jahre. Aber jetzt ist er selbst dran.

Bei Hathaway hallt nun ein Schuss durch das weite Bergtal, Lucky Ned sackt vom Pferd, und Cogburn ist gerettet. Dann erst kommt der Schnitt auf den Texas Ranger LaBoeuf, der Roosters Partner ist, der vierhundert Yards entfernt auf einer Bergkuppe liegt, sein Gewehr hochreißt und sich über den Treffer freut. Vorher wusste man gar nicht, dass er überhaupt am Geschehen teilnimmt.

Kinofilme 2011

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