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Im Kino: "Tron: Legacy":Die Software nahm ihn als Geisel

Wie die Computer sich gerächt haben, das erfährt man nun, 28 Jahre später, in der Fortsetzung "Tron: Legacy" von Joseph Kosinski. Kevin Flynn alias Jeff Bridges, der große Programmierer, hatte sich damals ein geheimes Labor eingerichtet. Dort baute er mit seinen Spezialrechnern eine ganze Parallelwelt aus Bits und Bytes, die er "The Grid" nannte. In diesem weiten virtuellen Raum ließ er seine Software von der Leine, zu Wettspielen und Gladiatorenkämpfen - und wenn er Lust darauf hatte, teleportierte er sich digital ins "Grid" hinein und spielte selbst mit.

Eines Tages aber war es so weit: Die Software nahm ihn als Geisel, entmachtete ihn und ließ ihn nicht mehr zurück in die Wirklichkeit. Ein Programm namens Clu, dem Kevin die eigenen Gesichtszüge verpasst hatte, damit es sein Statthalter im "Grid" sein sollte, wenn er in der realen Welt seinen Sohn ins Bett brachte, führte den Aufstand an. Clu versprach den Tausenden Unterprogrammen, die "Tyrannei der User" ein für allemal zu beenden. Und weil Kevin gefangen war, und es draußen niemanden gab, der den Stecker ziehen konnte oder überhaupt etwas von dem Geheimlabor wusste, waren nun die Programme die Herrscher im "Grid". Sie träumten nicht etwa von elektrischen Schafen, sondern von einem mindestens tausendjährigen faschistischen Reich, von der Vernichtung aller Software mit fremden Codesystemen und (vorerst nicht realisierbar) auch von der Vernichtung dieser notorisch unperfekten Spezies Mensch.

Das ist der Punkt, wo nun Kevins inzwischen erwachsener Sohn Sam (Garrett Hedlund) das alte, inzwischen von Spinnweben verhangene Geheimlabor entdeckt. Und, eher aus Versehen, selbst ins "Grid" portiert wird. Dort muss er nun kämpfen, mit sehr viel 3-D-Computergraphik, zu der bombastischen Musik von Daft Punk, die auf schon wieder brillante Weise absolut over the top ist. Er muss seinen Vater (einen weisen, zen-buddhistischen Jeff Bridges) retten und dessen Nemesis Clu (einen per Computer verjüngten Jeff Bridges, der immer noch Mitte dreißig ist) besiegen.

Neben einigem pseudophilosophischem Geraune stößt man dabei auf eine wirklich revolutionäre Idee - auf Software-Programme, die ganz ohne das Zutun menschlicher Programmierer entstanden sind. Das kann nur heißen, dass sie eine Art Evolution durchgemacht haben.

Ihre Codes haben sich auf leicht fehlerhafte Weise andauernd selbst repliziert und neu kombiniert, so lange, bis aus den Fehlern Sinn, aus den Mängeln neue Stabilität, aus den Mutationen brillante Fähigkeiten geworden sind. Eine solche völlig ungesteuerte Evolution digitaler Codes ist nicht nur real vorstellbar, sie hat in unseren Labors sogar schon begonnen - wenn sie auch, mit Darwin gesprochen, noch im Amöbenstadium feststeckt.

Ob daraus jemals ein wirkliches Eigenleben der Software und damit auch der Computer wird? Die nächsten 28 Jahre werden es zeigen.

TRON: LEGACY, USA 2010 - Regie: Joseph Kosinski. Buch: Edward Kitsis, Adam Horowitz. Kamera: Claudio Miranda. Musik: Daft Punk. Mit: Jeff Bridges, Garrett Hedlund, Olivia Wilde, Michael Sheen. Walt Disney, 125 Minuten.