Im Kino: The Company Men Operation am offenen Herzen

Investitionen ins Nichts und Arbeiter mit schütterem Haar: Tommy Lee Jones und Ben Affleck spielen zwei Männer, die bei derselben Firma den Job verlieren - der eine durch seine Geliebte, der andere einfach so. Ein Film über die Abwesenheit von Wertschöpfung.

Von Susan Vahabzadeh

Einer der bittersten Gags in "The Company Men" ist das Büro, in dem sich Bobby (Ben Affleck) und Phil (Chris Cooper) wiederbegegnen. Als Bobby den ehemaligen Kollegen sieht, steht er aus seinem kleinen Verschlag im Großraumbüro auf und beglückwünscht Phil zu seinem eigenen Kämmerchen, sogar mit Fenster: "Dafür hat die Firma viel bezahlt." Die Firma hat da eine Investition ins Nichts getätigt. Das schmucke Büro ist sozusagen draußen vor der Tür, in einem Zentrum, das gefeuerten Mitarbeitern Hilfestellung bei der Suche nach einem neuen Job leisten soll. Phil ist Ende Fünfzig, und er sieht auch so aus. Niemand wird ihm noch einmal eine Arbeit geben. Aber für den Anfang zumindest ist das Büro trotzdem ganz praktisch, denn er hat seiner Frau nicht erzählt, dass er entlassen wurde.

Unbeugsam und uramerikanisch - nicht nur Tommy Lee Jones (l.) verliert aufgrund seiner Sturheit den Job, auch Kollege Ben Affleck ist in dem Drama "The Company Men" betroffen.

(Foto: AP)

Dieses Zentrum, dass die Firma GTX anmietet für die "Company Men", die sie nicht mehr braucht, ist ein schönes Sinnbild für das ganze Unternehmen. Denn der Konzern, der einst in Boston Schiffe baute, stellt nichts mehr her, das Spekulieren hat sich als wesentlich lukrativer erwiesen als die lästige, personalintensive Produktion, und Bobby und Phil gehörten zu den letzten Relikten dieser Vergangenheit. McClary (Tommy Lee Jones), der zweite Mann bei GTX und Mitbegründer der Firma, hat nicht verhindern können, dass ihre Abteilung aufgelöst wird. Er würde lieber den funkelnden Wolkenkratzer verscherbeln, in den er einziehen soll, und in dem er wie ein Fremdkörper wirkt.

"The Company Men" folgt diesen drei Männern aus unterschiedlichen Generationen und unterschiedlichen Gehaltsklassen - hoch, sehr hoch und exorbitant. In der Anfangssequenz des Films fährt die Kamera an den Dingen entlang, die ihr Leben ausmachen: McClarys Anwesen, die Villen von Phil und Bobby, Bobbys Porsche. Nur bei McLary ist das mehr als Luxus auf Pump. Bobby ist Ende Dreißig und bekommt wenigstens noch Vorstellungstermine, nachdem er gefeuert wurde. Etwa 200.000 Dollar hat er verdient, wird da einmal beiläufig erwähnt, aber schon nach ein paar Wochen muss er mit Frau und Kindern wieder bei seinen Eltern einziehen - es wurde immer alles so groß und teuer angeschafft, wie es der Kreditrahmen zugelassen hatte.

Finanzkrise und Rezession sind derzeit im amerikanischen Kino ein Dauerthema. Was wir zur Zeit sehen, sind die Verfilmungen der Drehbücher, die auf dem Höhepunkt der Depression geschrieben wurden. "The Company Men" ist trotzdem außergewöhnlich, weil sich der Regisseur und Autor John Wells den Luxus erlaubt, nicht zu polarisieren. Man kann ja inzwischen bei jedem Thema nur noch dafür oder dagegen sein, muss sich zwischen entgegengesetzten Ideologien entscheiden, und die Finanzkrisen-Filme, die bislang in Hollywood entstanden sind - "Margin Call" mit Kevin Spacey oder Oliver Stones "Wall-Street"-Fortsetzung, beispielsweise - singen das immergleiche Lied von der Gier als Motor aller Dinge.

John Wells erzählt seine Geschichte ganz anders: Er macht seine drei Protagonisten, zumindest zum Teil, haftbar für ihre eigene Misere und für die Gesellschaft, die sie mitgestaltet haben. Bobby ist kein Opfer der Umstände - seine Frau arbeitet im Krankenhaus und liebt ihn auch ohne Geld, sein Sohn bringt, als sich die finanzielle Situation zuspitzt, ungefragt seine X-Box zurück ins Geschäft. Nur Bobby selbst macht sein Selbstwertgefühl an seinem Kontostand fest.

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