Im Kino: Sex and the City Fummel über der Wüste

Den neuen "Sex and the City"-Film kann man sich schon anschauen, man sollte es nur nicht unter feministischen Gesichtspunkten tun: 41 Outfits auf der Suche nach einer Geschichte.

Von Susan Vahabzadeh

Im Kino ist es immer ganz gut, wenn ein Film wenigstens das geworden ist, was er hat werden sollen. "Sex and the City 2" erfüllt in vielerlei Hinsicht sicher die Wünsche seiner Schöpfer. Sarah Jessica Parker alias Carrie Bradshaw zieht sich 41-mal um, und auch wenn manche ihrer Kostümierungen nicht richtig schön sind, sind sie zumindest spektakulär.

Die ganze Welt ist ein Laufsteg - auch die Wüste: Die vier Freundinnen aus New York mischen Abu Dhabi auf.

(Foto: ag.ddp)

Eine neue Wohnung hat sie auch; nach dem neo-neo-klassizistischen Pomp der ersten Bleibe, die sie sich mit Mr. Big teilte, sind die beiden nun in ein wohnlicheres Zehn-Millionen-Dollar-Apartment in Manhattan umgezogen, und der Plot des Films gibt auch noch eine Reise her in ein Tausendundeinenacht-Luxusresort. Carrie und ihre Freundinnen passend dafür auszustaffieren, war eine Herausforderung, die die Kostümbildnerin Patricia Field offenbar genossen hat. "Sex and the City 2" fühlt sich an, viel mehr als der erste Kinofilm, als würde man ein Modemagazin durchblättern. Das ist zwar die Bankrotterklärung fürs Geschichtenerzählen - das aber war wohl ein kalkuliertes Risiko.

Das bisschen Handlung, das "SATC 2" zu bieten hat, ist schnell erzählt: Carrie und Mr. Big haben ihre erste Ehekrise, weil er sich abends, müde von der Arbeit - so ein Lebensstil will ja finanziert werden - lieber aufs Sofa kuschelt als noch auszugehen. Unterdessen hat die unverwüstliche Samantha (Kim Catrall) einen neuen Kunden für ihre PR-Agentur aufgetrieben, einen Scheich, und lädt ihre Freundinnen ein, mit ihr eine Woche lang dessen Hotel in Abu Dhabi zu testen, wo eine Märchensuite, vier Butler und vier Limousinen die Damen erwarten. Samantha, nymphoman wie eh und je, gerät allerdings noch vor Ablauf der Woche in Konflikt mit den Behörden. Mit der Anpassung an die arabische Sexualmoral ist sie einfach überfordert.

Aus beiden Handlungssträngen - die nicht viel miteinander zu tun haben - hätten interessantere Geschichten werden können; Carries Ehekrise ist wenig nachvollziehbar, da hält sich das Mitleid in Grenzen, und das Aufeinandertreffen der New Yorkerinnen mit arabischer Restriktion erschöpft sich tatsächlich in der Frage danach, wie viel Sex in der Öffentlichkeit erlaubt ist. Nun gehören weder arabische Repressalien noch die beiläufig erwähnte Finanzkrise so richtig in diesen Film, aber vielleicht wäre es besser gewesen, hätte Regisseur und Autor Michael Patrick King Themen, mit denen er sich nicht befassen will, einfach ganz weggelassen.

Die Schrullen alter Freunde

Was dabei herauskommt, kann man sich schon anschauen, man sollte es nur nicht unter feministischen Gesichtspunkten tun, davon bekommt man doch nur schlechte Laune. Das Frauenbild, das Carrie Bradshaw transportiert, war immer schon eine giftige Mischung aus freizügiger Moderne und alten Klischees, wie sie Schopenhauer gefallen hätten: kindisch, putzsüchtig, oberflächlich.

Als Ehefrau hat Carrie die Klischee-Schraube noch einmal angezogen: Um ihr selbstsüchtiges Genörgel auszuhalten, bräuchte es vielleicht wirklich einen vom Geschlechtstrieb umnebelten männlichen Intellekt. Und wenn sich die beiden Mütter im Team, Miranda (Cynthia Nixon) und Charlotte (Kristin Davis) darüber austauschen, wie andere Leute ohne Vollzeit-Kindermädchen überleben, wirkt das, mit Verlaub, ein wenig zynisch.

Vielleicht konnten sich die Fans von "Sex and the City" tatsächlich, ganz am Anfang mal, mit diesen Figuren identifizieren - inzwischen sind sie, in ihrer Überdrehtheit, jeder Identifikation entwachsen und man lässt ihnen ihre Schrullen, wie alten Freunden, die einem ans Herz gewachsen sind, obwohl man sie längst nicht mehr versteht. Man muss ja gar nicht irritiert darüber nachdenken, ob eine Frau, die in einem arabischen Suk eine Kondom-Debatte vom Zaun bricht, nicht ein ziemlich dummes Huhn ist, da reicht schon der permanente Kleiderwechsel. Der wäre viel zu ermüdend; und eine grüne Robe mit Schleppe, wie sie andere Leute zur Oscarverleihung tragen, als Hauskleid - na ja, wenigstens muss man da nie wieder den Fußboden wischen.

Nichts gegen Mode, und schon gar nicht gegen Mode im Kino - Kleider sind Teil des Ausdrucks einer Persönlichkeit. Aber diese Kleider rufen oft nur sehr laut, wie viel sie gekostet haben. Michael Patrick King, der auch den ersten "Sex and the City"-Film inszeniert hat, zitiert gern alte Filme, aber er nimmt sie sich nicht zu Herzen: Wie man elegant ein Dutzend Kleider in ein paar Minuten absolviert, ohne eine Szene ins Absurde zu verbiegen - das hätte er sich bei Vincente Minnelli abschauen können.

Um Realismus ging es bei "Sex and the City" noch nie, schon die Serie war ein Bilderbuch der Träume, und über die kann man nicht streiten, mögen sie noch so hanebüchen sein. Ins Reich der schönen Phantasien gehören vielleicht nicht nur Schuhe, auf denen man nicht laufen kann, und ein Liebesleben, an dem man in Wirklichkeit vor Erschöpfung stürbe. Dahin gehört auch der Traum von der Freiheit, einen so kindischen, nervigen Egoismus zu zelebrieren, wie ihn Carrie an den Tag legt, und dafür auch noch geliebt zu werden.

Das gehört zu den vielen Dingen, die das Kino kann: Es lässt Dinge auf der Leinwand funkeln, die hier unten auf der Erde zu Staub zerfallen.

SEX AND THE CITY 2, USA 2010 - Regie und Buch: Michael Patrick King. Kamera: John Thomas. Mit: Sarah Jessica Parker, Kim Catrall, Kristin Davis, Cynthia Nixon, Chris Noth, John Corbett. Warner, 146 Minuten.