Im Kino: "Sanctum 3D" Unterirdisch

James Cameron macht wieder in 3-D: In "Sanctum" geraten Höhlenforscher in unendlichen Weiten in Not, was an sich schon spektakuläre Bilder wären. Leider taucht auch der Film ab - zum B-Movie-Drama mit Hang zur unfreiwilligen Komik.

Von Susan Vahabzadeh

Wäre James Cameron zweihundert Jahre früher auf die Welt gekommen, wäre er wahrscheinlich als Pionier in den Wilden Westen gezogen. Er lebt aber jetzt, also ergründet er, die noch nicht kartierten Gebiete der Gegenwart, vornehmlich die Untiefen des Meeres - siehe "Titanic", "Abyss" sowie eine Reihe von Dokumentarfilmen - und die Untiefen der digitalen Filmtechnik, Schwerpunkt 3D - da hat er mit "Avatar" den bislang geltenden Maßstab gesetzt.

Höhlen, Grotten und viel Angst: James Camerons neuer Film über eine Unterwasserexpedition verspricht ein vielsagendes Kinoerlebnis zu werden - er ist jedoch eher eine Jahrmarktsattraktion.

(Foto: Constantin)

Wenn nun also der Visionär einem neuen 3D-Film seinen Namen als Stempel aufdrückt, lässt das auf ein Spektakel hoffen - und "Sanctum", inszeniert von Alister Grierson, ist in gewisser Weise so ein Spektakel. Es geht um Höhlenforscher in Not, um eine Expedition in Papua Neuguinea in ein unterirdisches System von Höhlen und Grotten (in Australien nachgebaut), das selbst hartgesottene Taucher so nie zu Gesicht bekämen, von hartgesottenen Landratten ganz zu schweigen. Am Anfang tauchen zwei der Forscher in eine gigantische Höhle und schweben in einem riesigen Nichts aus Wasser - solche Bilder sind für sich genommen schon spektakulär.

In ein paar Jahren, träumt James Cameron, wird 3D die Kinotechnik dominieren. Die zweidimensionalen Filme würden dann, glaubt er, in 3D gedreht und sozusagen erst hinterher am Computer eingeebnet. Das sei nötig, hat er unlängst bei einer Messe erklärt, weil zwei Techniken nebeneinander zu aufwendig seien. Die Hoffnung ist groß, das Kino so zu erneuern, das Fernsehen am besten noch dazu - aber ausgerechnet Cameron hat sich sein eigenes 3D-Projekt gut ausgesucht, in "Avatar" ging es eben nicht nur um einen Varieté-Effekt, sondern auch um eine Geschichte. Die ist aber in "Sanctum" irgendwie abgetaucht. Ein Unwetter zerstört den Ausgang aus der Höhle, die Forscher müssen einen neuen Weg suchen, wobei sie sich schließlich gegenseitig zerfleischen.

Eine echte Stereotypentruppe hat sich da unten zusammengefunden - unnahbarer Wissenschaftler, wilder Forschungspunk, Egomaniac, hysterisches Weibchen. Und des Oberhöhlenforschers Sohn sucht sich auch noch diesen Moment aus, um all seine Kindheitstraumata abzuklären. In der beklemmenden Enge von langen Gängen und der erschreckenden Weite der unterirdischen Seen spielt sich ein B-Movie-Drama ab mit einem Hang zur unfreiwilligen Komik. Und eine Sternstunde der Schauspielkunst ist "Sanctum" auch nicht.

Es bleibt eine Jahrmarktsattraktion, ein Bilderstrom, der keinen Zusammenhang findet, weder durch das, was den Figuren widerfährt, noch in sich selbst, die Struktur dieses Höhlensystems macht der Film nicht begreifbar. Um gleich das ganze Kino zu revolutionieren, ist das nicht genug. Wenn die dreidimensionale Technik nichts besseres zu bieten hat, wird 3D auch in ein paar Jahren noch immer ein Sonderfall sein, nicht die herrschende Technik.

SANCTUM 3D, USA 2011 - Regie: Alister Grierson. Buch: John Garvin, Andrew Wight. Kamera: Jules O'Loughlin Mit: Richard Roxburgh, Rhys Wakefield, Alice Parkinson, Dan Wyllie. Constantin, 109 Minuten.

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