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Im Kino: "Krabat":Die Kraft der reinen Liebe

Marco Kreuzpaintner, der den Stoff von Hans-Christian Schmid und dessen Co-Autor Michael Gutmann übernommen hat, gelingt es, die vielfältigen Töne der Geschichte zum Klingen zu bringen, die harsche Realität des immer noch mittelalterlich anmutenden Lebens, die düstere Romantik der deutschen Landschaft, die schwarze Magie des Fantasymärchens, das Echo der Schrecken des zwanzigsten Jahrhunderts.

Nachdem er sich in Filmen wie "Ganz und gar" oder "Trade" und in seinem Drehbuch zu "Die Wolke" an die greifbare Wirklichkeit der Gegenwart hielt, setzt Kreuzpaintner jetzt, in seinem ersten Ausflug in eine entfernte Vergangenheit , ganz stark auf stimmungsvolle Kostüme und Schauplätze (wobei die menschenleere, entrückte Einsamkeit der deutschen Wälder und Wiesen des 17.Jahrhunderts nur noch in den rumänischen Karpaten zu finden war), auf düstere Geheimnisse, die Otto Sander mit seiner tiefen, kratzigen Erzählerstimme beschwört.

Dynamik unter Männern

Wie bereits in seinem "Sommersturm" lotet Kreuzpainter auch in "Krabat" die Dynamik unter jungen Männern aus, die sich zwischen Rivalität und Freundschaft aneinander und an der übergeordneten Autorität reiben.

Im Vergleich zu der starken Leistung, die David Kross in Detlev Bucks "Knallhart" gezeigt hat, wirkt er als Müllerbursche unter Kollegen wie Daniel Brühl, Robert Stadlober und Christian Redl bisweilen ein bisschen überfordert, arg unschuldig und auch ein wenig blass - man möchte hoffen, dass er in der Titelrolle der Verfilmung von Bernhard Schlinks "Vorleser" wieder eine stärkere Präsenz entwickelt.

Der Alltag in der Mühle im Koselbruch ist ins Dunkel vielfältiger Geheimnisse gehüllt, die nur sparsam mit Computereffekten unterstützt werden, wenn sich die Lehrlinge beispielsweise in ihren dunklen Umhängen mit einem mysteriösen Flattern in Raben mit schweren Flügeln verwandeln und in die Tiefe der Nacht entschwinden.

Die aufschimmernden Verheißungen der schwarzen Magie offenbaren schnell eine dunkle Seite, denn die Lehrlinge müssen sich ihrem Meister mit Haut und Haar, auf Leben und Tod verschreiben. Besonders eifersüchtig wacht er über das keimende Liebesleben seiner jungen Schützlinge, denn die reine Liebe ist die einzige Kraft, der er nicht gewachsen ist.

Als Krabat eines Tages bei einem seiner Ausflüge, die er mit seinem Freund Tonda ins nahe Dorf unternimmt, die junge Kantorka erblickt (der Paula Kalenberg eine schöne Mischung aus naiver Unschuld und frühreifem Ernst verleiht), zwingt ihn diese erste Liebe zu einer Entscheidung.

Krabat, D 2008 - Regie: Marco Kreuzpaintner. Buch: Michael Gutmann, Marco Kreuzpaintner. Kamera: Daniel Gottschalk. Schnitt: Hans Jörg Weißbrich. Mit: David Kross, Daniel Brühl, Robert Stadlober, Christian Redl, Anna Thalbach, Paula Kalenberg, Hanno Koffler. Fox, 120 Minuten.