bedeckt München 25°

Im Kino: Katherine Heigl:Katherine, die Heikle

Fleischgewordener Männertraum oder zickige Diva auf Selbstzerstörungstrip? An Katherine Heigl scheiden sich die Geister. Auch ihr neuer Film "Kiss & Kill" hilft da nicht weiter.

9 Bilder

Leute-News: Katherine Heigl

Quelle: ddp

1 / 9

Fleischgewordener Männertraum oder zickige Diva auf Selbstzerstörungstrip? An Katherine Heigl scheiden sich die Geister. Auch ihr neuer Film Kiss & Kill hilft da nicht weiter.

Text und Bildauswahl: Ruth Schneeberger/sueddeutsche.de/jja

Katherine Heigl

Quelle: Mit Ben Stone in "Knocked Up"/AP

2 / 9

Kind, was bist du hübsch geworden, befand die Tante von Katherine Marie Heigl 1987, und schickte die damals Neunjährige zu einer Modelagentur, wo sie auch prompt ihren ersten Job bekam - in einem Werbespot für Frühstückscerealien. Später schüttelte sie ihr helles Haar für Shampoo. Was man eben so macht als pausbäckiger Wonneproppen mit Filmambitionen. Und es ging auch prompt bergauf mit der Blondine, die 1978 in Washington in eine Familie mit deutschen und irischen Wurzeln geboren und mit vier Geschwistern unter Mormonen in Connecticut aufgewachsen ist. Als sie 1997 dort ihren Highschool-Abschluss machte, hatte sie die gewünschte Filmkarriere eigentlich schon in der Tasche.

Ihr Filmdebüt gab sie 1992 an der Seite von Juliette Lewis in der melancholischen Teenager-Romanze Zauber eines Sommers - danach folgte fast jedes Jahr mindestens ein Film. Die erste Hauptrolle spielte sie als 15-Jährige in dem Kinofilm Daddy Cool. In dem US-Remake der ursprünglich französischen Teenie-Komödie (Mein Vater, der Held) gab sie die rebellische Filmtochter von Gérard Depardieu.

Es folgten typische Blondinenrollen in Action- und heiteren Horrorfilmen wie Alarmstufe - Rot 2 (1995), Chucky und seine Braut (1999) und Schrei, wenn du kannst (2001), bis sie ausgerechnet durch eine Serie zum Star wurde:

Katherine Heigl

Quelle: ap

3 / 9

Grey's Anatomy - Die jungen Ärzte war in den USA eigentlich nur als Lückenfüller für das Abendprogramm vorgesehen, entwickelte sich aber seit dem Start im Jahr 2005 zu einer der erfolgreichsten Serien aller Zeiten. Katherine Heigl spielt darin wieder die hübsche Blondine, diesmal aber etwas differenzierter: Dr. "Izzy" Stevens stammt aus ärmlichen Verhältnissen, hat sich das Medizinstudium als Dessous-Model finanziert und neigt dazu, zu enge Bindungen zu Patienten aufzubauen (im Bild mit dem Patienten Danny Duquette, gespielt von Jeffrey Dean Morgan), was ihr immer wieder Ärger mit Vorgesetzten einbringt. Die Serie wurde vielfach ausgezeichnet, Heigl selbst für die Emmies und den Golden Globe nominiert. Doch da fingen die Probleme auch schon an, ...

Actress Katherine Heigl arrives at the 80th annual Academy Awards in Hollywood

Quelle: Reuters

4 / 9

... denn den Emmy, den lehnte die Heigl erst mal ab: Sie habe "nicht das Gefühl, in dieser Staffel den Stoff zu haben, der eine Emmy-Nominierung gerechtfertigt hätte", sagte sie der L.A. Times 2008. Das sorgte nicht nur auf Produzentenseite für Überraschung, hatte man sich doch "ein Bein ausgerissen", um den Serien-Drehplan überhaupt mit Heigls Kinoprojekten in Einklang zu bringen. Als "undankbarer Schlag ins Gesicht genau der Autoren, die ihr den Emmy-Gewinn überhaupt erst ermöglicht haben" wurde dieses Nein bezeichnet. Das Zurückziehen von Nominierungen würden üblicherweise nur altgediente Schauspieler vornehmen, die Jüngeren den Vortritt lassen wollten, weil sie selbst schon unzählige Auszeichnungen haben. Heigl hatte aber erst einen Emmy gewonnen - für dieselbe Rolle, im Jahr zuvor. Hatte da jemand den Hollywood-Koller?

Katherine Heigl

Quelle: AP

5 / 9

Kaum jedenfalls, dass das Publikum Katherine Heigl entdeckt, aus der Masse der imerschönen Hollywood-Blondinen emporgehoben und in die Nähe von Marilyn Monroe gerückt hatte, sägten auch schon Kritiker an ihrem Karriere-Ast:

The Ugly Truth - European Film Premiere Outside Arrivals

Quelle: Getty Images

6 / 9

Plötzlich tauchten Gerüchte auf, sie sei die neueste Zicke Hollywoods, würde mit ihrem Umfeld nur im Befehlston reden, ihre hochschwangere Assistentin wegen einer "Coke Zero" traktieren und färbe sich die Haare zwischen den Drehpausen nur deswegen braun, damit sie am Set für ihren neuesten Film wieder frisch blondiert werden müsse. Das Netz füllte sich zusehends mit Heigl-Hassern. Selbst ernstzunehmende Medien ließen sich über ihre Frisuren aus, die sie "zehn Jahre älter" erscheinen ließen, und beschwerten sich über die angeblichen Allüren der Schauspielerin, die astronomische Gagen verlange und nicht pünktlich zu Drehterminen erscheine. Von ehemals lobenden Äußerungen über ihre "atemberaubende Anatomie", die angenehm rauchige Stimme und ihr komisches Talent war nun kaum mehr die Rede. 

Was war geschehen?

Katherine Heigl

Quelle: AP

7 / 9

Wir können nur spekulieren: Da gab es einen Auftritt bei David Letterman, wo Katherine Heigl so gar nicht das süße Blondchen spielte, das man vor ihr erwartete. Sie beschwerte sich über zu lange Drehtage und sexistische Drehbücher. An anderer Stelle ließ sie sich über Männer aus, die nicht auf Liebe, sondern auf Sex aus seien: "Jungs sind viel offensichtlicher als sie selbst glauben. Ich weiß nicht, warum Frauen das nicht wissen, aber ich glaube, das ist nur deshalb so, weil wir es nicht wahrhaben wollen." Demnächst wird sie aus der Serie aussteigen, die sie berühmt gemacht hat. Inzwischen ist die begehrte Hollywood-Schönheit mit dem Sänger Josh Kelley (im Bild) verheiratet und hat ein koreanisches Kind adoptiert. Und dann ist da natürlich noch die Sache mit ...

Katherine Heigl

Quelle: afp

8 / 9

... der Haarfarbe. Tatsächlich ist die Heigl inzwischen nur noch auf der Leinwand ein helles Köpfchen. Ob sie sich damit gegen ihr Blondinen-Image wehren will, oder andersrum das Publikum sie in Braun nicht mehr sehen mag, Fakt ist:

Katherine Heigl, Ashton Kutcher

Quelle: SZ

9 / 9

Ihr neuester Film mit Ashton Kutcher, die Agentenkomödie Kiss & Kill, wurde in den USA mit Verve verrissen: "So lustig wie ein Kopfschuss" oder "hirntötend" waren noch die harmloseren Attribute. Die New York Times schrieb: "Wenn Sie nicht gerade in einem Flugzeug gefangen sind oder im geschlossenen Vollzug dem Kinoabend beiwohnen, gibt es keine Ausrede, diesen Film zu gucken."

Da hätten wir also einen ursprünglich vielversprechenden Filmstar, der in Ungnade gefallen ist. Von einem ehemaligen Kindermodel will Hollywood eben keine Belehrungen hören. Vielleicht würde es helfen, wenn die große Katherine (sie misst immerhin 1,78 Meter) ihre Rollenauswahl noch mal überdenken würde. Bis dahin lassen wir auch diesen Film, der am Donnerstag in den deutschen Kinos anläuft, an uns vorüberziehen - in dem Katherine Heigl selbst übrigens sehr viel glänzender sein soll als das Drehbuch und ihr Ko-Star zusammen.

© sueddeutsche.de/rus

Lesen Sie mehr zum Thema

Zur SZ-Startseite