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Im Kino: Helen Mirren:Bube, Dame, Königin

Sie verkörperte eine Menge Herrscherinnen und gilt als das Ass in Hollywood: Helen Mirren ist mit 65 Jahren auf dem Höhepunkt ihrer Karriere angelangt. Und spielt auch in "Brighton Rock" ihre jungen Kollegen an die Wand. Wie macht sie das nur?

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Brighton Rock

Quelle: Kinowelt Filmverleih

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Sie verkörperte eine Menge Herrscherinnen, wurde von der Queen zur "Dame" geadelt und gilt als das Ass in Hollywood: Helen Mirren ist mit 65 Jahren auf dem Höhepunkt ihrer Karriere angelangt. Und spielt auch in "Brighton Rock" ihre jungen Kollegen wieder an die Wand. Die Bilder.

Motorräder knattern, der Untergrund brodelt: Das Gangsterdrama Brighton Rock zeigt das englische Seebad in den sechziger Jahren. Zwei Banden bekriegen sich, und als der Kleinganove Pinkie einen Mord begeht und seine junge Geliebte Rose mit hineinzieht, wird es Zeit für jemanden, der dem Bösen die Stirn bietet. Diese Rolle übernimmt Helen Mirren. In der Romanverfilmung von Graham Greene spielt sie die toughe Gastronomin Ida, die sich nicht von Kriminellen einschüchtern lässt, sondern dafür sorgt, dass Unschuldige dem Sog aus Gewalt, Mord und Unmoral widerstehen können. Mirren hatte schon immer eine Vorliebe für starke Heldinnen....

Text und Bildauswahl: Daniela Otto/sueddeutsche.de/rus/bgr

Helen Mirren

Quelle: ASSOCIATED PRESS

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... und vor allem ein Händchen für die Darstellungen von Shakespeares Frauenfiguren: Mirren begann ihre Karriere als Theaterschauspielerin. Schon mit 19 Jahren wurde sie in die Royal Shakespeare Company aufgenommen - als eine der jüngsten Schauspielerinnen in der Geschichte des ehrwürdigen Theaters. Wie sie selber sagt, wusste sie schon im Alter von sechs Jahren, dass sie nicht nur Schauspielerin, sondern eine große Schauspielerin werden wollte, und zwar im klassischen Sinne. Nach einem kurzen Versuch, sich den Wünschen ihrer Eltern zu fügen und Lehrerin zu werden, entschied sie sich doch für ihren Lebenstraum - was schnell zum Erfolg führte: Sie spielte unter anderem Cleopatra aus Antonius und Cleopatra, Ophelia aus Hamlet, Cressida aus Croilus und Cressida, Diana aus Ende gut, alles gut, Phoebe in Wie es euch gefällt, und Lady Anne aus Richard III. Ihre erste Filmrolle war dann auch in einer Shakespeare-Verfilmung: 1968 stand sie für Sommernachtstraum vor der Kamera. Nur ein Jahr später ...

Helen Mirren

Quelle: ASSOCIATED PRESS

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... machte sie mit ihrer Darstellung als Künstlermuse in Das Mädchen vom Korallenriff international auf sich aufmerksam. Von Anfang an galt Helen Mirren als eine aufrechte Erscheinung, eine Mischung aus Natürlichkeit und Grazie, gepaart mit Stolz und Spielkraft - und sie ging unaufgeregt mit dem um, was Rollen von ihr forderten. Zu Beginn ihrer Filmkarriere zeigte sie sich freizügig, was ihren Bekanntheitsgrad weiter erhöhte.

Sergio Peris-Mencheta, Helen Mirren

Quelle: AP

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Vor allem ihre Rolle als Caesonia in dem skandalumwitterten Historienepos Caligula war unvergesslich (hier ein Szenenfoto mit Sergio Peris-Mencheta aus Love Ranch). Kritiker stritten darüber, ob der Film nun Kunst oder Pornographie sei. Der Film des italienischen Regisseurs Tinto Brass wurde vom Männermagazin Penthouse finanziert. Mirren sagte in einem Interview: "Der Film ist ein einziges Stakkato: Sex-Gewalt-Sex-Gewalt-Sex-Gewalt." Das Image der jungen Wilden wollte sie aber nie für sich beanspruchen: "Ich war einfach jünger, nicht wilder", sagte sie in einem Interview. "Ich war immer sehr bürgerlich und verklemmt. Ich war nicht sehr erfolgreich bei dem Versuch, anders zu sein."

"GOSFORD PARK"

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Mirren ist inzwischen nur noch in Superlativen zu fassen: Sie spielte in mehr als 50 Kinofilmen und in zahlreichen Fernsehproduktionen mit - nicht alle waren erfolgreich oder anspruchsvoll. Sie selbst aber war immer wandelbar. Zu ihrem umfangreichen Repertoire zählen unter anderem King George - Ein Königreich für mehr Verstand (1995), Tötet Mrs. Tingle! (1999) und Gosford Park (2002, im Bild mit Filmpartner Ryan Phillippe).

Helen Mirren

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Mirren zählt zu den wenigen Schauspielerinnen jenseits der 40, die international gut im Geschäft sind. Was auch daran liegen mag, dass sie sich selbst optisch nicht wesentlich verjüngt. Mit 65 Jahren wirkt sie frohgemuter, lässiger, attraktiver und begehrter denn je. Dass sie kein Problem mit der Vereinbarkeit von Sexyness und Alter hat, zeigte sie 2003 in ihrem Film Kalender Girls: Um die Verkaufszahlen eines Charity-Kalenders in die Höhe zu treiben, beschließt eine Gruppe älterer Damen die Hüllen fallen zu lassen - und hat Erfolg dabei. Ein Wow-Effekt ...

Helen Mirren

Quelle: AP

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... ging durch England, als Paparazzi sie 2008 im Urlaub im Bikini ablichteten: Mirren war über 60 und sah phantastisch aus. Dabei gibt sie sich in Interviews bescheiden: "Es war das pure Glück, dass der Fotograf aus einem vorteilhaften Winkel schoss. So sehe ich nämlich gar nicht aus. Außerdem ist es sexistisch und diskriminierend, wenn irgendwelche Typen sagen: Wie toll, dass eine 63-Jährige noch so aussehen kann."

Englische Monarchen im Kino

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Die bisher wichtigste Rolle ihres Lebens spielte sie 2006 im Film des britischen Regisseurs Stephen Frears Die Queen. Als britische Monarchin Elisabeth II. überzeugte sie alle Kritiker. Sie gewann einen Oscar, einen BAFTA-Award, einen Golden Globe und die Coppa Volpi der internationalen Filmfestspiele in Venedig.

Publicity photo from the Oscar nominated film 'The Queen'

Quelle: Reuters

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Ganz nebenbei verhalf sie der britischen Königin zu mehr Beliebtheit, wie sie in einem Interview sagte: "Plötzlich fanden die Queen alle nett. Kurz bevor der Film herauskam, gab es diese Anti-Monarchie-Welle in Großbritannien, wegen der Sache mit Camilla und Dianas Tod. Der Film hat die Queen wieder populär gemacht."

National Portrait Gallery Canberra

Quelle: dpa

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2003 wurde sie von der Queen geadelt und erhielt den Titel "Dame". Obwohl sie auf der Leinwand oft die Monarchin gab, will sie nicht auf diese Rolle reduziert werden: "Ich bin Schauspielerin und jede Schauspielerin hat eine Menge Königinnen gespielt", sagte sie in einem Interview.

Helen Mirren

Quelle: AP

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Nach ihrer Bravourleistung in Die Queen spielte Mirren in einigen Hollywood-Blockbustern mit, darunter Tintenherz und Das Vermächtnis des geheimen Buches. Sie genoss ihre neue Freiheit und die vielen Rollenangebote: "Nach dem Oscar für Die Queen war ich zumindest für Hollywood wie neu geboren. Ich ploppte regelrecht zurück ins Geschäft." Mirren wurde zum Inbegriff der eleganten Britishness - obwohl sie eigentlich zur Hälfte Russin ist.

Helen Mirren Taylor Hackford

Quelle: AP

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Helen Mirren befindet sich nun auf dem Höhepunkt ihrer Karriere - und kann mit ihrer Vergangenheit offen umgehen: In ihrer Autobiographie gesteht sie ihren Kokainkonsum in den achtziger Jahren. In einem Interview sagte sie: "Es ist mein Buch, und ich habe selbst entschieden, was da drinstehen soll. Und Sie können mir glauben, ich habe aus dem Buch sehr viel herausgelassen." Seit 1997 ist sie mit dem amerikanischen Regisseur Taylor Hackford (im Bild) verheiratet, mit dem sie sich oft auf dem roten Teppich zeigt. Die Ehefrau ...

Christopher Plummer, Helen Mirren

Quelle: AP

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... des russischen Schriftstellers Leo Tolstoi spielte sie 2009 in dem Film Ein russischer Sommer - eine Familienangelegenheit, in gewisser Weise: Mirren, deren Vater aus einer russischen Militärsfamilie stammte, wurde als Ilyena Vasilievna Mironov in London geboren. Erst nach dem Tod des dominanten Großvaters änderte ihr Vater ihren Namen. Als Sofia Tolstoi konnte sie ihren Wurzeln auf den Grund gehen, wie sie in einem Interview sagte: "Obwohl ich nur für einige Wochen in Russland war, bin ich wohl mehr russisch als britisch."

Helen Mirren

Quelle: AP

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In R.E.D. - Älter. Härter. Besser zeigte sie an der Seite von Bruce Willis, dass sie zwar rein altersmäßig schon zum alten Eisen gehört, das aber nicht bedeuten muss, dass sie mit Schießeisen nicht gut umgehen könnte. Im Film können vier pensionierte CIA-Agenten nicht die Finger von ihrem ehemaligen actionreichen Job lassen und mischen die Killerszene noch mal gehörig auf. Ähnlich wie Helen Mirren selbst: Alter schützt eben vor Großartigkeit nicht - manchmal ist gerade das Gegenteil der Fall.

© sueddeutsche.de/dato/rus

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