Im Kino: Groupies bleiben nicht zum Frühstück Ferien in Berlin

Nur ein Junge, der vor einem Mädchen steht: Popsänger Chriz und Lila, das Mädchen mit Lena-Appeal, versuchen ihre Welten in Einklang zu bringen.

Von Anke Sterneborg

Neulich im botanischen Garten. Sie will gerade für einen Freund eine seltene Pflanze klauen, er dreht einen Werbespot, beide fühlen sich irgendwie ertappt. "Wie heißt du?" fragt er. "Lila" erwidert sie - "und du?" Da stutzt der Junge, weil er sich in der Regel vor kreischenden, weiblichen Fans ihres Alters in Sicherheit bringen muss. Dass er seinen Namen nennen soll, ist schon eine ganze Weile nicht mehr vorgekommen.

Versprühen mehr Funken als so manch betuliche Romantic Comedy aus Hollywood: Roman Knizka, Anna Fischer, Kostja Ullmann, Gülcan Kamps und Regisseur Marc Rothemund bei der Premiere von "Groupies bleiben nicht zum Frühstück".

(Foto: dpa)

George Clooney hat mal bedauernd gesagt, dass es doch ein Nachteil des Ruhmes sei, dass jede Frau, die er trifft, schon ein Bild von ihm hat - dass er also nie ganz unbelastet an eine neue Begegnung herangehen könne. Entsprechend bezaubert ist nun auch die Filmfigur Chriz, der Leadsänger der hippen Teenieband Berlin Mitte von diesem Mädchen, das nach einem einjährigen Amerika-Aufenthalt den Anschluss an die schnelllebige Popkultur ihrer Heimat völlig verloren hat.

So lernen sich Lila und Chriz kennen wie zwei ganz normale, junge Menschen. Wie das passiert, erzählt der Regisseur Marc Rothemund recht charmant und frisch - was auch sehr viel mit dem natürlichen Charme von Kostja Ullman und vor allem Anna Fischer zu tun hat, die mit einem gewissen Lena- Appeal unverblümt ihr Herz auf der Zunge trägt.

Im ersten Teil bezieht Groupies bleiben nicht zum Frühstück Komik und Schwung aus dem unterschiedlichen Wissensstand der beiden, und aus dem mehr oder weniger bewussten Versteckspiel, das sie mit der Öffentlichkeit treiben. So wie einst Audrey Hepburn und Gregory Peck ihre Roman Holiday, erleben Lila und Chriz eine Art Berliner Ferienzeit, abseits vom strengen Popstarprotokoll - bis sie im zweiten Teil gezwungen sind, die beiden verschiedenen Welten gegen alle Missverständnisse und Widerstände miteinander zu versöhnen.

Dabei gelingt Marc Rothemund (Das merkwürdige Verhalten geschlechtsreifer Großstädter zur Paarungszeit , Sophie Scholl - Die letzten Tage) eine schöne Balance zwischen der Erdung des wahren Lebens und der Luftigkeit der romantischen Komödie, zwischen Familienalltag und Teeniealbereien. Dazu trägt nicht zuletzt auch ein starkes Ensemble von Nebendarstellern bei, unter anderem Inka Friedrich als Lilas Mutter, Nina Gummich als beste Freundin und Michael Keseroglu als harter Leibwächter mit Herz. So kann "Groupies bleiben nicht zum Frühstück" allemal mehr Funken versprühen als so manch betuliche Romantic Comedy aus Hollywood.