bedeckt München 31°

Im Kino: Die Morgans:Kleines Mädchen von Mitte 40

Hugh Grant und Sarah Jessica Parker geraten in "Haben Sie das von den Morgans gehört?" von der City in die Holzhütte.

S. Vahabzadeh

Eigentlich spricht Verschiedenes gegen diesen Film. Das Paar in "Haben Sie das von den Morgans gehört?" ist beispielsweise genau von jener luxuriösen New Yorker Art, von der man zu Beginn der Finanzkrise gehofft hatte, sie würde vielleicht vom Erdboden verschwinden. Und es wird auch nicht sparsam mit Klischees umgegangen: Die amerikanische Landbevölkerung beispielsweise ist so beschäftigt mit Bärenjagd und Rodeoritt, dass sie hier für Ehekrisen gar keine Zeit hat.

Grant und Parker sind zwei Schauspieler, die jeweils nur exakt eine Rolle draufhaben - und die geben sie hier.

(Foto: Foto: Filmverleih)

Der Plot kommt einem irgendwie vertraut vor: Die Morgans, gespielt von Hugh Grant und Sarah Jessica Parker, haben sich getrennt - und erst in der Not und in der Fremde wird den beiden bewusst, was sie aneinander hatten. Diese Konstellation zeigt Gebrauchsspuren, sogar der Regisseur und Autor Mark Lawrence, der für die Morgans verantwortlich zeichnet, hat sie schon benutzt - eine Arbeitswelt-Variante der Story ist sein "Chef zum Verlieben".

An seinem neuen Film ist dann aber doch etwas sehr originell : Er gehört zur aussterbenden Art der mittleren, nicht besonders teuren Filme, in denen nichts explodiert und keine Special Effects vorkommen - und in denen Menschen mitspielen, die Falten haben. Grant und Parker sind zwei Schauspieler, die jeweils nur exakt eine Rolle draufhaben - und die geben sie hier. Man sieht allerdings, dass das Alter die beiden nicht ganz gleich behandelt.

Es ist nicht fair: Die Kleinmädchenzicken der Mittvierzigerin Sarah Jessica Parker jedenfalls bewegen sich, sagen wir mal, sehr nah an der Grenze ihres Charmes. Manche Wendungen in dieser Geschichte sind dann arg vorhersehbar und konstruiert, und man würde dem Film wirklich stärkere Dialoge wünschen - aber es hat gelegentlich schon seinen Reiz, etwas anzuschauen, was nichts sein will außer anderthalb Stunden romantischer Zeitvertreib. Der Regisseur Lawrence schielt hier just nach jenem älteren Zielpublikum, dass dem Kino mit der Zeit verlorengegangen ist.

Das Alter ist nicht fair

Das mit dem Zeitvertreib klappt dann mittelprächtig: Die Morgans haben sich über die erfolglose Mühsal, ein Kind zustande zu bringen, so entnervt, dass er fremdgegangen ist und sie ihn vor die Tür gesetzt hat. Sie haben viel zuviel Geld und viel zu wenig Zeit, dafür zwei wichtigtuerische Assistenten, die im Terminkalender Zeit für ein Trennungsgespräch freischaufeln müssen. Und dann entschließen sie sich zu einem Akt nackten Wahnsinns: Sie gehen zu Fuß durch Manhattan.

Uaah! Prompt beobachten sie einen Mord und werden vom FBI via Zeugenschutzprogramm in den Mittleren Westen verschickt. Die beiden bewaffneten Holzhüttenbewohner, bei denen sie einquartiert werden, sind wirklich starker Tobak: Sie haben einen Speiseplan, der jedes Fastfood-Restaurant nach einem gesundheitsbewussten Feinschmeckertempel aussehen lässt, kein Fernsehen, aber dafür eine stattliche Sammlung von DVDs, die ausschließlich aus John-Wayne- und Clint-Eastwood-Filmen besteht, und laufen herum, als wär jeden Tag Rodeo. Sam Elliott und Mary Steenburgen, zwei große Veteranen des amerikanischen Kinos, spielen dieses seltsame Paar - und zwar mit soviel Schwung und Lust an der Klischeeklamotte, dass es wirklich Spaß macht, ihnen zuzusehen.

In dieser Umgebung ergibt sich der Slapstick dann sozusagen von selbst - die Großstadtpflanzen geraten mit wilden und zahmen Tieren aneinander und vor allem mit den Einheimischen, ihren vorsintflutlichen Gewohnheiten, ihrem eigenartigen Idiom. Was New Yorker exotisch finden? Menschen, die in Gaststätten rauchen. Aber wenigstens beginnen die Morgans, in Ermangelung spannender Alternativen, endlich mit der ehelichen Kommunikation - was, schon wegen der anderen Frau, Sarah Jessica Parker zum Schmollen bewegt und Hugh Grant ausreichend Gelegenheit zum Herumstammeln gibt. Und seien wir mal ehrlich - dafür ist er doch da.

DID YOU HEAR ABOUT THE MORGANS?, USA 2009 - Regie, Buch: Marc Lawrence. Kamera: Florian Ballhaus. Mit: Hugh Grant, Sarah Jessica Parker, Sam Elliott, Mary Steenburgen, Wilford Brimley. Sony, 100 Min.

Außerdem laufen an:

Gamer - Play or be played, von Mark Neveldine, Brian Taylor

Das Kabinett des Dr. Parnassus, von Terry Gilliam

Mitternachtszirkus - Willkommen in der Welt der Vampire, von Paul Weitz

Nord, von Rune Denstad Langlo

Die Schachspielerin, v. Caroline Bottaro

Das Zimmer im Spiegel, von Rudi Gaul

© SZ vom 7.1.2010/iko

Lesen Sie mehr zum Thema

Zur SZ-Startseite