Im Kino: Der Zoowärter Aus der Praxis des Balzverhaltens

Wölfe, Bären und Affen sind die besten Beziehungsratgeber: Frank Coracis Komödie "Der Zoowärter" klärt den Mann darüber auf, wie er die Frau seines Herzens zurückgewinnt: Einmal entschieden sein Revier markieren und vor den Augen des Weibchens Kraft demonstrieren.

Von Doris Kuhn

Es war eigentlich immer klar: Tiere können sprechen. Sie kommunizieren nicht nur durch Tiergeräusche, große Augen und putzige Gesten, wie früher die Delphine, Löwen oder Hunde, die es im Fernsehen gab. Nein, hier geht es um akzentfrei artikulierte Menschensprache, die Tieren als Ausdrucksmittel durchaus zur Verfügung steht - wenn sie denn Lust darauf haben. Meistens haben sie keine.

Hier lernt der Mensch vom Tier: Kevin James als der "Zoowärter".

(Foto: dapd)

Stattdessen hören sie dem Homo sapiens schweigend zu und sehen wenig Sinn darin, sich zu offenbaren. Denn Tiere finden Menschen blöd. Nicht ganz zu unrecht, wie der Film "Der Zoowärter" von Frank Coraci zeigt.

Coraci ist ein Regisseur der klassischen Hollywood-Erziehungskomödie: Wie wandle ich mich vom Underdog zum Gewinner? Wie nutze ich meine zweite Chance im Leben? Den Menschen predigt er gern, seine Tiere aber präsentiert er vergleichsweise nüchtern. Sie wohnen zwar im Zoo, sind aber doch noch der Wildnis verhaftet, was in diesem Fall bedeutet, dass sie sich ziemlich unsentimental benehmen.

Man erfährt das, weil sie ausnahmsweise ihren Schweige-Kodex brechen und den glücklosen Zoowärter Griffin dabei beraten, wie er seine Liebste zurückgewinnen kann. Unter anderem schlagen sie ihm vor, einmal entschieden sein Revier zu markieren, vor den Augen des Weibchens Kraft zu demonstrieren oder seinen Gefühlen klaren Ausdruck zu verleihen - in Form von Fäkalien.

Was sich in der Praxis des Balzverhaltens eben so bewährt hat bei Wölfen, Bären und Affen. Tatsächlich führt das manchmal zu unerwarteter Komik. Allerdings ist der Spaß vorbei, sobald der Zoowärter anfängt, das Verhalten der Tiere für seine Zwecke zu imitieren.

Der Unterschied liegt nicht nur im fehlenden Daumen

Wie er seinem Glück bei den Frauen hinterherläuft, das ist dann kein tierisches, aber eben auch kein menschliches Vergnügen. Seine Freundin lehnt ihn ab, weil er dick ist und keinen schicken Beruf hat, wie etwa Autoverkäufer. Dass er sich davon deprimieren lässt, ist umso verwunderlicher, als Griffin von dem Schauspieler Kevin James gespielt wird, einem Mann, der sich in der TV-Serie "King of Queens" mit solchem Unfug niemals abgegeben hat.

Sein komödiantisches Talent verschwindet hier unter Beziehungsklischees, die um ihn aufgehäuft werden - die einzigen Momente, in denen er zu bekannter Größe findet, hat er mit einem traurigen Gorilla.

So lernt man in "Der Zoowärter", dass der Unterschied zwischen Tier und Mensch nicht nur im fehlenden Daumen liegt oder darin, dass Menschen lügen und Tiere nicht. Er liegt vor allem darin, dass Tiere nicht behaupten, Humor zu haben. An diesem Film erkennt man, dass das nicht notwendigerweise ein Mangel sein muss.

ZOOKEEPER, USA 2011 - Regie: Frank Coraci. Buch: Nick Bakay, Rock Reuben. Mit Kevin James, Rosario Dawson, Leslie Bibb. Verleih: Sony, 104 Minuten

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