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Im Kino: "Date Night":Meine Sprite und ich

Ein Kleinstadt-Ehepaar in der Unterwelt von Manhattan: Tina Fey und Steve Carell sind die lustigsten Amerikaner des Jahrzehnts, nur leider ist Date Night kein besonders lustiger Film.

Tina Fey und Steve Carell sind die lustigsten Amerikaner seit dem Beginn des neuen Jahrtausends - und im Grunde hat man nur darauf gewartet, die beiden endlich gemeinsam vor der Kamera zu sehen. Deswegen ist es verwunderlich, dass Date Night kein besonders lustiger Film geworden ist. Also muss man hier doch mal die Frage stellen, warum so viele brillante Fernsehkomiker in Hollywood in mittelmäßigen Filmen landen.

Nun hat Date Night durchaus auch seine Stärken - und es gibt gute Gründe dafür, dass die Komödie in der vergangenen Woche die amerikanischen Kinocharts angeführt hat. Das liegt vor allem an den beiden Hauptdarstellern und ihrem Gespür für die kleinen Unsicherheiten und Ängste ihres Publikums. Im Falle von Date Night ist die Zielgruppe groß - der Film bespielt die gelegentliche Verzweiflung, die sich bei jedem einstellt, der Kinder großzieht. Fey und Carell spielen die durchschnittsbürgerlichen Fosters meisterhaft. Erst wenn sie im zweiten Akt in ein Mafiakomplott geraten, läuft der Film aus dem Ruder.

Tina Fey ist viel zu gut

Es gibt gleich mehrere Szenen, die das elterliche Lebensgefühl wunderbar auf den Punkt bringen. Im traditionellen Ruhepunkt des zweiten Aktes, der das nahende Finale ankündigt, wirft Vater Foster der Mutter Foster zum Beispiel heimliche Sexphantasien vor, worauf sie ihn wütend zurechtstutzt. "Weißt du, welche Phantasie ich heimlich habe? Dass ich ganz alleine in einem Hotelzimmer sitze und ganz alleine zu Mittag esse, und niemand redet mit mir und keiner will was von mir, und dann sitze ich ganz alleine da und trinke eine Diet Sprite!"

Da merkt man, dass Tina Fey zu den besten Comedy-Schreibern ihrer Generation gehört. Und da beginnt auch schon das Problem. Sie ist viel zu gut für diesen Film. Gleiches gilt für Carell. Das führen die "Bloopers" vor Augen, jene missratenen Szenen, die Komödienregisseure gerne als eine Art Bonus in den Abspann schneiden. Da bringen sich Fey und Carell mit ihren improvisierten Dialogen gegenseitig zum Gackern, hinter der Kamera explodiert röhrendes Team-Gelächter - und man merkt, wie viele Pointen da den Schneideraum nicht überlebten, weil eben nicht genug Raum ist für so viel Witz auf einmal. Genau deswegen ist Date Night ein Musterbeispiel dafür, warum die meisten Komiker am Medium Film scheitern.

Sprinter und Marathonläufer

Zunächst einmal ist das ein handwerkliches Problem. Die meisten Comedians beginnen ihre Laufbahn auf der Bühne der Standup Comedy Clubs, machen sich in einer der großen Sketch-Sendungen einen Namen, um dann Star einer eigenen Fernsehserie zu werden. Dabei lernen sie sukzessive, ihre Spannungsbögen von den wenigen Sekunden eines Witzes über die Minuten eines Sketches auf die Folge einer Sitcom auszubauen. Doch selbst in einer Serie haben diese Spannungsbögen ein klares Ziel. Sie führen von der Exposition zur Pointe, was dem klassischen Einakter entspricht, während Kinofilme fast immer den strengen Gesetzen des Dreiakters mit seinen festgelegten Wendepunkten folgen. Der Unterschied in den handwerklichen Anforderungen ist dabei wirklich so enorm wie zwischen einem Sprinter und einem Marathonläufer.

Komiker liefern in Kinofilmen dann oft eine Abfolge von Sketchen ab, die sich nur widerwillig der Geschichte unterordnen. Das Ergebnis ist dann einerseits ein stotternder Erzählfluss, weil die Komiker ihre Szene mit ihrem Witz zu sehr dominieren, andererseits eine gebremste Komik, weil die Stars im Handlungsfluss ihre eigentliche Fähigkeit, ein Publikum aus dem Ruhezustand innerhalb von Sekunden in den Zustand hysterischen Gelächters zu versetzen, nicht voll ausspielen können. Große Komiker brauchen im Kino deswegen einen starken Regisseur und einen versierten Drehbuchschreiber, die es schaffen, sie einerseits herunterzubremsen, andererseits ihre humoristische Kraft auf das Format eines abendfüllenden Films zu übertragen.

Bei Date Night wird schnell klar, dass der Routineregisseur Shawn Levy seinen Stars zu wenig Autorität entgegensetzt. Immerhin ist Tina Fey mit ihrer Comedy-Serie 30 Rock in den letzten Monaten auf den Titelblättern von Vanity Fair und Vogue gelandet, was einer Art Seligsprechung entspricht. Und Steve Carell hat als amerikanisches Pendant zu Ricky Gervais und dem deutschen Stromberg in der Serie The Office die wahrscheinlich meistzitierte Comedy-Ikone seit "Seinfeld" geschaffen. Feys Kinoerfahrung beschränkt sich auf ein paar matte Komödien (Mean Girls und Baby Mama). Carell hat immerhin in Judd Apatows Jungfrau (40) männlich sucht und mit Nebenrollen in Bruce Allmächtig und Little Miss Sunshine Filmtalent bewiesen.

Durch die New Yorker Nacht

Drehbuchautor Josh Klausner thematisierte das Problem vor Drehbeginn sogar ganz offensiv: Er habe keine Komödie schreiben wollen, in der sich die Handlung nur von einer Pointe zur nächsten hangelt. So hat er in Anlehnung an Hitchcocks Der unsichtbare Dritte eine Verwechslungskomödie geschrieben, welche die beiden biederen Hauptfiguren aus dem Kokon ihrer Suburbia-Existenzen in den Mahlstrom der Unterwelt von Manhattan katapultiert.

Die Geschichte erinnert an klassischen Komödienstoff. Um ihr Eheleben in Schwung zu bringen, machen sich Phil und Claire Foster auf den Weg von New Jersey nach Manhattan, um ihre allwöchentliche Date Night in einem versnobten In-Lokal zu begehen. Der Mâitre d'hôtel schickt sie an die Bar, wo sie vergeblich auf einen Tisch warten, bis Phil sich auf den Namen fremder Gäste meldet, die nicht erscheinen. Die aber werden von gedungenen Mördern gesucht - und so beginnt eine wilde Verfolgungsjagd durch die New Yorker Nacht.

Gegen Ende hat die Handlung zwar so viele Löcher wie Claire Fosters Cocktailkleid, doch das Eheglück ist gerettet. Das hätte eine gelungene Screwball Comedy werden können - doch es ist genau eine solche Aneinanderreihung wunderbarer Sketchszenen herausgekommen, die Levy und Klausner vermeiden wollten. Das ist bei Komikern vom Kaliber Fey und Carell nicht das Schlechteste. Das Fundament einer glorreichen Kinokarriere ist es allerdings auch nicht.

DATE NIGHT, USA 2010 - Regie: Shawn Levy. Buch: Josh Klausner. Kamera: Dean Semler. Mit Steve Carell, Tina Fey, Mark Wahlberg, Taraji P. Henson. Verleih: Fox, 88 Minuten.

© SZ vom 14.04.2010/nvm
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