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Im Kino: Das A-Team:Filme für die Fanboys

Kein Bild steht so lang, dass man es begreifen könnte - sie so zu ordnen, dass man der Handlung noch folgen kann und möchte, ist eben auch eine Kunst; eine, die Joe Carnahan nicht beherrscht. The A-Team fühlt sich an wie ein endloser Trailer, tausend Fragmente, die nicht zusammenfinden.

Sie nörgeln an den Tricks

The A-Team ist ein weiterer für Hollywood typischer Tribut an die wichtigste Zielgruppe, die Fanboys, männliche Jugendliche, und solche, die für immer männliche Jugendliche bleiben wollen - die Serie aus den Achtzigern wird unermüdlich im Fernsehen wiederholt, weswegen inzwischen auch Leute einzelne Episoden auswendig können, die bei der Erstausstrahlung noch gar nicht geboren waren. Die Fanboys regieren das Kino, vor allem im Sommer.

So ist die Messe Comic-Con für Filmfirmen zu einem der wichtigsten Termine des Jahres geworden. Für die Fanboys wird alles mit teuren Special Effects aufgepeppt, ihretwegen haben selbst Filme, in die nun wirklich kein Effekt reingehört - Alice in Wonderland - einen Showdown mit Riesenmonstern.

Aber die Jungs sind eine gefährliche, anspruchsvolle Lieblingszielgruppe. Dieselben Geeks und Nerds, die hier ins Kino gelockt werden sollen, sind es, die an all den tollen Tricks im Internet herumnörgeln, die Drehbücher schon vor dem Drehstart auseinandernehmen, die aggressiv reagieren, wenn Filme den geliebten Vorlagen ihres Erachtens nach nicht gerecht werden.

"The Geek Stranglehold on Cinema" titelte der Guardian unlängst - die Fanboys halten das Kino im Würgegriff. Was dabei herauskam in diesem Sommer, war viel Lärm um nichts und große Enttäuschungen.

Männertrip, bei uns im September geplant, die neueste Komödie aus dem Hause Judd Apatow, oder die Comic-Verfilmung Jonah Hex. Biss zum Abendrot, der Film für die Fangirls, hat besser funktioniert.

Angesagt waren große Sommer-Kino-Ereignisse gleich dutzendfach - ein wirklich großes Ereignis wurde fast nichts davon. Nein, früher war nicht alles besser - wer will schon den Sommer zurück, in dem Armageddon an der Kasse einschlug. Aber früher war alles weniger. Der große Trugschluss Hollywoods ist vielleicht, man könne Ereignisse unendlich duplizieren wie computergenerierte Bilder.

Es ist nicht genug

Ereignisse leben von ihrer Einzigartigkeit, zu viele davon graben sich gegenseitig das Wasser ab. Sie würden es, besser gesagt, tun, wenn sie denn wirklich welche wären. Aber die traurige Wahrheit ist wohl, dass auch die Filmemacher, die den Sommer-Blockbuster einst groß machten, etwas Besonderes waren, ein paar Regie-Genies pro Jahrzehnt.

Am Anfang, in den Siebzigern, herrschten Steven Spielberg und George Lucas, heute sind es James Cameron und Tim Burton - und dass alle vier dieses Jahr mal gleichzeitig gearbeitet haben, hat wohl Illusionen entfacht.

Die Hoffnung, es gebe nun plötzlich eine Talentschwemme mit Spielberg-Erben in Fußballmannschaftsstärke - die ist nicht nur naiv; sie ist ignorant gegenüber den Leistungen, dem Pioniergeist und der Kreativität, die hinter den großen, den echten Blockbustern steckten, von Star Wars bis Indiana Jones. Für hundert Millionen Dollar Explosionen aneinanderschneiden - das ist einfach nicht genug.

Was man im Moment beobachten kann, ist eine Nivellierung der Einspielergebnisse. Die ganz großen Erfolge sind genauso rar wie früher, und die Mehrzahl der Filme, die uns da als Sommerblockbuster serviert werden, sind nicht nur, was den kreativen Input betrifft, sondern auch bei den Einspielergebnissen einfach bloß Mittelmaß - das A-Team hat in den USA in sechs Wochen nicht mal seine Produktionskosten eingespielt. Das Gesamtergebnis an der Kinokasse ist ganz gut, die MPAA vermeldet leichten Zuwachs, obwohl die Erwartungen an einzelne Filme sich nicht erfüllt haben.

Das Einspiel verteilt sich gleichmäßiger auf die angelaufenen Filme. Eine Balkanisierung des Kinos - vielleicht gibt es dann irgendwann gar keine Blockbuster mehr. Es sind ja auch im Fernsehen die Einschaltquoten der Siebziger nicht mehr zu wiederholen, weil es mehr Sender gibt.

Das Hollywood-Kino ist kostspielig und möchte sich dieser Entwicklung widersetzen; es wird aber immer offensichtlicher, dass es das nicht kann. Vielleicht ist die Zeit tatsächlich reif für viele kleine Filme, und die große teure Action überlässt man, einmal jeden Sommer, den paar Leuten, die sie beherrschen. Um das A-Team wäre es nicht so schade.

"The A-Team", USA 2010 - Regie: Joe Carnahan. Buch: J. Carnahan, Brian Bloom, Skip Woods. Kamera: Mauro Fiore. Mit: Liam Neeson, Bradley Cooper, Jessica Biel. Fox, 117 Minuten.

© SZ vom 11.08.2010/feko/rus

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