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Im Kino: Das A-Team:Früher war alles einfach

Der Film "The A-Team" ist Hollywoods typischer Tribut an die wichtigste Zielgruppe des Sommers, die Fanboys: männliche Jugendliche, Geeks und Nerds. Ein gefährliches Publikum für einen Film voll atemloser Action.

Das A-Team hat Generationen von Jungs begeistert. Dermaßen überkandidelte Stunts hatte die Welt noch nicht gesehen, als die erste A-Team-Serie 1983 gesendet wurde. Da flogen Trucks durch die Luft, man kletterte aus Hubschraubern, schoss mit dem Auto aus einem Lastwagen heraus, hangelte sich in Flugzeuge hinein, die längst abgehoben hatten.

Quinton Jackson, Bradley Cooper

Atemlose Action, Fragmente, die nicht zusammenhalten - und eine Truppe, die man schnell wieder vergisst: The A-Team war mal eine erfolgreiche Serie und ist nun ein banaler Kinofilm.

Das A-Team war ein Ideal, cool, selbstironisch, gerecht - und wurde mit jeder physischen Herausforderung fertig, trotzte der Schwerkraft. Nun kommt der A -Team-Film Baujahr 2010 ins Kino - und es ist viel schwieriger geworden, sich etwas einfallen zu lassen, was die Welt noch nicht gesehen hat.

Wie eine schwer bewaffnete Robin-Hood-Truppe

Das A-Team war nur eine Art Action-Sitcom, und wahrscheinlich wären die einzelnen Folgen, würde man sie heute aufdröseln, ein ziemlicher Unfug. Das Team besteht aus zu Unrecht verfolgten Vietnamveteranen, einer ist schön, einer irre, einer hat Angst vor Fliegen und einer, Hannibal, ist der Boss. Die vier leben im Untergrund, weil man ihnen Kriegsverbrechen vorwirft, die sie nicht begangen haben, eine Art schwer bewaffnete Robin-Hood-Truppe.

George Peppard war damals Hannibal, so überkandidelt wie die Stunts - charmant, dass die Zeit es endlich zuließ, einen komischen Vietnamveteranen zu zeichnen. Vielleicht ist der erste Fehler der Verfilmung von Joe Carnahan schon, dass er Irakveteranen daraus gemacht hat - irgendwie blieb dabei der Humor auf der Strecke.

Eine umstrittene Besonderheit dieser Serie hat der Film übrigens auch über Bord geworfen: Es gab nie Tote im guten alten A-Team, auch bei den unglaublichsten Stunts sah man hinterher die Stuntmen aus den Autos krabbeln; was, je nach Sichtweise, kinderschonend ist oder einfach Beschönigung von Gewalt.

Dafür hat der Film ein paar Tricks drauf, die vor zwanzig Jahren unmöglich zu bewerkstelligen und sowieso zu teuer gewesen wären fürs Fernsehen: einen Panzerflug beispielsweise, der dank Fallschirm glimpflich endet, und ein wahrhaft spektakuläres Fracht-Container-Mikado, das allerdings so lang ausgewalzt wird, bis dieser Gag völlig verpufft.

Und die neue Truppe ist so forgettable, dass man sie sich, Liam Neeson in der Hannibal-Rolle zum Trotz, nur anhand der alten merken kann - Mr. T, der goldkettenbehangene Kleiderschrank mit dem Irokesenschnitt, war wohl unersetzlich. Daran mag's liegen, dass dem A-Team, wie so vielen der großen Sommerfilme, in den USA nach dem Kinostart schnell die Luft ausging.

Was die vier da durchmachen - sie jagen einen Bösewicht, der sie für immer in den Bau zu schicken versucht und lösen dabei ein gefährliches Komplott auf -, ist Nebensache. Vielleicht ist der Plot ja auf dem Boden des Schneideraums verendet, oder im Orbit für gelöschte Digits - The A-Team ist ein Paradebeispiel für atemlose Action.

Lesen Sie weiter auf Seite 2, was den Film von einem echten Blockbuster unterscheidet.

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