Im Interview: Sandra Maischberger "Wir haben alle Fehler gemacht, die man machen konnte"

Sandra Maischberger erwartet zu ihrer tausendsten Sendung den Kanzler. Den bekommt nicht jeder. Klar, sie ist bei n-tv der Star. Und demnächst auch noch behängt mit Brillanten.

SZ: Frau Maischberger, wie geht es Ihnen?

Sandra Maischberger: Besser. Ich habe im Moment anstrengende Wochen, auch, weil wir umgezogen sind.

SZ: Noch ein ARD-Kulissenwechsel?

Maischberger: Nein, ausnahmsweise ein privater Umzug.

SZ: Der Umzug ist doch vergessen, wenn heute Gerd Schröder zu Ihrer tausendsten n-tv-Sendung maischberger kommt. Den Kanzler kriegt nicht jeder zum Jubiläum.

Maischberger: Nicht jeder schafft eine tausendste Sendung.

SZ: Sind Ihre n-tv-Quoten stabil?

Maischberger: Sie sind schlechter als am Anfang. Das liegt meiner Meinung nach daran, dass jene Menschen nicht mehr n-tv gucken, die an der Börse sehr viel Geld verloren haben. Es ist der harte Kern der Nachrichtenhungrigen geblieben. Abgesehen davon ist N 24 dazugekommen, aber wir sind innerhalb von n-tv nach wie vor der Star.

SZ: Das heißt, Sie liegen über Senderdurchschnitt?

Maischberger: Das gelingt uns immer. Die Frage ist nur, wie weit wir drüber liegen? Ich habe nie mehr Resonanz auf eine Sendung bekommen, als für diese, die auf dem kleinsten Sender zu sehen ist, für den ich jemals gearbeitet habe.

SZ: Sie haben auch für kein Format mehr Preise gewonnen. Gewinnt man Preise besser in der Nische?

Maischberger: Glaube ich nicht. Sabine Christiansen, Maybrit Illner und Günther Jauch wurden auch ausgezeichnet.

SZ: Also, alles bleibt für die kommenden tausend Auftritte, wie es war -- auch Ihr Dekor, die Bernsteinkette?

Maischberger: Ich habe gerade eine Zweitkette bekommen. Die hat einen Brillanten und ist für den großen Abend.

SZ: Für den ARD-Dienstagabend?

Maischberger: Eher für Abendkleider, und die ziehe ich weder bei n-tv noch in der ARD an.

SZ: Sind Sie nach mehr als fünf Jahren politischer Tagesgespräche politischer geworden?

Maischberger: Ich war schon immer sehr politisch, habe das aber anfänglich nicht ausgelebt als Journalistin. Heute bin ich eine aktuelle Journalistin. Ich spreche über das, was passiert ist, was sich neu ergeben hat.

SZ: Und je kleiner das Studio ist, desto wohler fühlen Sie sich?

Maischberger: Es gibt verschiedene Tonarten. Bei n-tv ist die Tonalität eher reduziert.

SZ: Ihre Stärken entwickeln Sie doch eher, wenn Sie die Gesprächspartner bereits riechen können.

Maischberger: Für das n-tv-Gespräch ist eine gewisse Art von Tuchfühlung sicher wichtig, und es ist einzigartig, weil ich mich in einer halben Stunde mit einem Gast oder zwei Gästen beschäftige. Es ist 17 Uhr, die Menschen sind noch im Büro, wir eben auch. Deshalb sieht das mit dem kleinen Tisch auch aus wie in einem Arbeitszimmer.

SZ: Haben Sie sich Unterhaltung so schwer vorgestellt?

Maischberger: Wir reden über Menschen bei Maischberger in der ARD?

SZ: Genau.

Maischberger: Meiner Meinung nach mache ich keine Unterhaltung.

SZ: Das könnte das Problem sein.

Maischberger: Wahrscheinlich haben wir alle Fehler gemacht, die man machen konnte. Mit der Form, in der wir uns inzwischen präsentieren, bin ich zufrieden. Johnny Carson hat mal gesagt: "Es hat zwei Jahre gedauert, bis die Menschen sich an mich gewöhnt hatten." Man betritt ja als neuer Prediger eine Kirche. In meinem Fall war die Kirche voll -- voll mit Menschen, die dem Prediger Biolek zugehört haben. Von denen haben wir erfolgreich ein paar behalten und mussten unseren eigenen Stil finden.

SZ: Sind Sie auch dafür, dass Harald Schmidt dreimal in der Woche erscheint?

Maischberger: Unbedingt. Arbeitszeitverlängerung bei vollem Lohnausgleich ist im Trend.

Interview: Christopher Keil