Im Interview: Jack Johnson:"Ich bin kein Schubidu-Typ"

SZ: Und was wurde aus der schönsten Frau der Welt?

Im Interview: Jack Johnson: Alles easy: Jack Johnson und seine Gitarre. Welch friedlicheres Bild könnte es geben?

Alles easy: Jack Johnson und seine Gitarre. Welch friedlicheres Bild könnte es geben?

(Foto: Foto: AP)

Johnson: Die habe ich geheiratet. Anfangs waren wir nur Freunde, dann ein Paar. Ich denke, das war gut, und es ist auch einer der Gründe, warum wir immer noch zusammen sind. Kim war die erste Person, abgesehen von meiner Mutter, die mich singen gehört hat. Sie war es auch, die mich permanent bestärkt hat, weiterzumachen. Gitarre spielen und das Schreiben der Songtexte fielen mir leicht, aber ich hatte unglaubliche Hemmungen, vor Leuten zu singen. Sie und unsere Kinder stehen über allem. Wenn meine Söhne in die Schule müssen, und ich sie nicht mehr einfach mit auf Tour nehmen kann, werde ich weniger auftreten.

SZ: Warum?

Johnson: Ich weiß, das klingt jetzt wieder ziemlich nach Mister Nice Guy , aber nur ein Idiot stellt seine Karriere vor die Familie. Mir tun Menschen leid, die nur ihren Job haben. Du kannst ihnen dabei zu sehen, wie sie bitter werden.

SZ: Tausende Frauen kramen gerade ihr Taschentuch raus.

Johnson: Ist aber so! Und noch was ist wahr: Hinter jedem starken Mann steht eine starke Frau. Mir fällt sofort Hillary Clinton ein.

SZ: Sie hat gerade gegen einen Mann verloren.

Johnson: Zum Glück.

SZ: Sie wählen Obama?

Johnson: Natürlich! Ich würde sogar so weit gehen und sagen, dass ich zum ersten Mal in meinem Leben einen male crush habe. Ich bin ein bisschen in Obama verknallt. Dass er auf Hawaii großgeworden ist, hat viel damit zu tun. Seine Herkunft hat ihn, genauso wie mich, total beeinflusst. Was könnte ich mir Besseres wünschen, als dass jemand mein Land führt, der mir im Denken ähnelt, dabei aber klüger ist? Nach der deprimierenden Bush-Ära wollen Amerikaner wieder an etwas glauben, und Obama bringt die Leute dazu, sich zu engagieren.

SZ: Er hat Popstar-Qualitäten, er kann wahnsinnig gut tanzen.

Johnson: Sie sagen es, er hat das, was ich nicht habe: Charisma. Auch wenn ich es auf der Bühne nie tue, tanzen kann ich auch. Ich zeig's Ihnen!

SZ: Mmh, das sind nette Hip-Hop-Moves, für die man aber keinen Swing in der Hüfte braucht. Sorry, aber der Tanzstil von Obama beeindruckt mich mehr.

Johnson: Na ja, Sie denken ja sowieso, dass ich ein ziemlicher Langweiler bin!

SZ: Sagen wir so: In Wahrheit beneide ich Sie um Ihre gelassene Art! Und ich versuche nur, ein paar Abgründe zu finden.

Johnson: Bitte, fangen Sie an!

SZ: Welches Tier haben Sie zuletzt getötet?

Johnson: Oh, das ist lange her. Müsste ein Fisch gewesen sein. Und ich bin mal in ein Rudel Hunde gefahren, das war ein traumatisches Erlebnis. Ich hatte wochenlang danach noch Albträume.

SZ: Haben Sie eine Schusswaffe in Ihrem Haus?

Johnson: Sind Sie wahnsinnig? Einen Baseballschläger. Und ein Campingmesser. Keiner meiner Kumpels hat eine Waffe zu Hause. Genauso wenig, wie ich jemanden kenne, der Bush gewählt hat.

SZ: Macht Sie denn irgendwas wild?

Johnson: Sorry, aber ich werde nicht oft sauer. Warum auch? Die Sachen lassen sich besser klären, wenn sich alle wieder beruhigt haben. Ich war der Nachzügler und immer um Frieden bemüht. Meine Brüder sind neun und elf Jahre älter als ich, und sie haben mir als Kind den Spitznamen "Gandhi" gegeben.

SZ: Wie kommen Ihre Brüder denn mit dem Erfolg von "Gandhi" klar?

Johnson: Bestens. Der eine ist Zimmermann und baut Häuser, der andere vertreibt Surfklamotten. Trent hat auf der neuen Platte bei dem Song "Go on" Gitarre gespielt.

SZ: Sehr schön. Dann sind Sie also auch noch der perfekte Bruder?

Johnson: Nein, bin ich nicht. Außerdem bin ich auch nicht perfekt. Mir wachsen Haare aus den Ohren. Und seit meinem Surfunfall habe ich eine Narbe auf der Stirn und einen falschen Schneidezahn. Ein Korallenriff hat mir das Gesicht so aufgeschlitzt, dass ich mit halb abgetrennter Unterlippe im Vorgarten meiner Eltern aufgekreuzt bin. Ich sah Monate später noch aus wie der Elefantenmensch.

SZ: Der Rolling Stone hat Sie lange mit Missachtung gestraft und nun doch aufs Cover gehoben. Erleichtert?

Johnson: Normalerweise lese ich gar nicht, was über mich geschrieben wird. Diese Ausgabe habe ich mir aber am Flughafen in Honolulu gekauft und, weil ich schon mal dabei war, noch ein paar dieser People-Magazine. Wer macht gerade was im Musikbusiness? Wer schläft mit wem? Wer hat sich gerade wo ein Haus gekauft? Als wir landeten, fühlte ich mich, als hätte ich eine Tüte Marshmallows gegessen.

SZ: Wurde Ihnen schlecht?

Johnson: Entsetzlich schlecht. Genauso wie Marshmallows nichts anderes als leere Kalorien sind, sind diese Klatschmagazine einfach nur: hohl. Ich hätte meine Zeit besser nutzen und National Geographic oder The Economist lesen sollen.

SZ: Fassen wir zusammen: Sie sind schön weit gekommen mit Ihrer korrekten Schubidu-Art.

Johnson: Also, noch mal, ich bin kein Schubidu-Typ! Ich bin keiner, der Mülltrennung predigt und sich dabei verträumt mit der Gitarre durchs Leben zupft.

SZ: Nein?

Johnson: Ich wäre doch viel zu schüchtern, um andere zu belehren. Deshalb bin ich auch alles andere als der geborene Entertainer. Früher habe ich am Lagerfeuer im Halbdunklen Gitarre gespielt. Jetzt muss ich vor Tausenden Menschen singen. Manchmal spreche ich gar nicht mit dem Publikum, weil ich einfach nichts zu sagen habe. Aber selbst wenn ich eine dieser komischen Shows gebe, kommen die Leute beim nächsten Mal wieder.

Jack Johnson, 33, Hawaiianer, drehte nach der Uni erst mal Surf-Filme ("Ticker than water") und mischte unter die Soundtracks seine eigenen Songs. Dann nahm der bekannte Musiker G.Love mit dem Hobbygitarristen Johnson den Song "Rodeo Clowns" auf, und Johnson avancierte über Nacht zum kalifornischen Lokalmatador. Seit dem Erscheinen seines ersten Albums "Brushfire Fairytales" (2001), hat Johnson mehr als 15 Millionen Alben verkauft. Sein aktuelles Album "Sleep through the Static" schaffte es auf Platz 1 der US-Billbordcharts. Mit seiner Familie lebt er auf Hawaii.

Jack Johnson gastiert am 11.Juli in München, am 12.7. auf der Loreley und am 15.Juli in Berlin.

© SZ vom 05.07.2008/mst
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