Im Interview: Elke Heidenreich "Zu Sex und Liebe gehört Intelligenz dazu - und zwar in hohem Maße"

Bekannt wurde sie als Ruhrpott-Quasselstrippe Else Stratmann. Seit drei Jahren moderiert sie die ZDF-Literatursendung "Lesen!". Höchste Zeit, mit Elke Heidenreich über Geschmack zu reden.

Ein Interview geführt von Harald Hordych

Elke Heidenreich, 1943 in Korbach geboren, wurde in den 70ern als Ruhrpott-Quasselstrippe Else Stratmann bekannt. Seit 1984 war sie Moderatorin diverser TV-Talkshows. Ihre Erzählbände wie "Kolonien der Liebe" (1992) lobte die Literaturkritik. Seit drei Jahren moderiert sie die ZDF-Literatursendung "Lesen!". Anlässlich der Dalí-Ausstellung im Kölner Museum Ludwig wird dort am 20.März die Oper "Gala, Gala" uraufgeführt, für die sie das Libretto geschrieben hat. Elke Heidenreich lebt in Köln.

Natürlich geht es nur nach meinem Geschmack. Nach was denn sonst?

(Foto: Foto: AP)

Frau Heidenreich, sind Sie eine Geschmacksdiktatorin?

Wenn das, was ich bei "Lesen!" mache, etwas Diktatorisches haben sollte, dann muss ich damit leben. Schließlich steht hinter dem Lesen ein Ausrufezeichen. Diktatur ist allerdings immer ein Zwang. Das heißt: du musst! Bei mir muss ja keiner.

Geschmacksbildend trifft eher, was Sie in Ihrer Sendung machen.

Das würde ich auch sagen. Ich werde oft gefragt, ob es nur nach meinem Geschmack geht, bei den Büchern, die ich vorstelle. Natürlich geht es nur nach meinem Geschmack. Nach was denn sonst?

Nun, es geht nach dem Geschmack eines einzelnen Menschen. In der populärsten Fernsehsendung über Bücher!

Ich sage nicht, mein Geschmack ist der einzig richtige. Aber das ZDF hat mir diese Sendung übertragen, und darum geht es nach meinen Richtlinien. Und nicht nach denen von Rudi Carrell. Wenn ich ein Buch lese, und das wird Ihnen auch so gehen, habe ich ein Gefühl dafür, ob ich es mag oder nicht - und das ist der Geschmack.