Im Gespräch: Mark Wahlberg:"Ich war nicht gern im Gefängnis"

Lesezeit: 10 min

Die wilde Jugend ist passé: Mark Wahlberg betet heute regelmäßig mit seinen Kindern. Als echter Kerl ballert er aber trotzdem noch gerne rum - im Film.

Willi Winkler

Ein bisschen trüb ist der Tag, leichter Niesel hat eingesetzt, genau das richtige Wetter zum Golfspielen, meint Mark Wahlberg. Er sitzt aufrecht auf dem Sofa, schaut manchmal aus dem Fenster hinaus auf den Rhein, wo auf der anderen Seite irgendwo der Kölner Dom stehen muss. Er trägt dunkle Sachen. Dies soll ein Arbeitsgespräch werden.

Mark Wahlberg

Mark Wahlberg ist dem jugendlichen Draufgänger Marky Mark entwachsen.

(Foto: Foto: Reuters)

SZ: Mr.Wahlberg, singen Sie Ihren Kindern manchmal vor?

Mark Wahlberg: Ja, zum Einschlafen. Wenn wir nicht zusammen etwas lesen.

SZ: Und damit schlafen sie ein?

Wahlberg: Sie haben sich daran gewöhnt und wollen es so. Aber ich kann Sie beruhigen, es sind keine Marky-Mark-Songs.

SZ: Billy Joel erzählte mal, dass seine Kinder ihn peinlich finden, wenn er singt.

Wahlberg: Wirklich? Vielleicht liegt es bei mir daran, dass meine Kinder noch klein sind. Mit meiner fünfjährigen Tochter tanze ich manchmal sogar ein bisschen, aber nur zu Hause. In der Öffentlichkeit wäre es ihr auch peinlich. Abends kuscheln wir noch, ehe wir beten.

SZ: Sie beten mit Ihren Kindern?

Wahlberg: Jeden Abend.

SZ: Dann stimmt es, dass Sie Katholik sind?

Wahlberg: Ich bin gläubiger Katholik.

SZ: Das heißt?

Wahlberg: Ich gehe zur Kirche, bete und danke Gott für alles, was ich erreicht habe.

SZ: Spüren Sie manchmal etwas von der Aggressivität, die Sie als Killer Max Payne in Ihrem neuen Film ausstrahlen?

Wahlberg: Sie ist mir nicht fremd, vor allem, wenn ich an früher denke. Mein Glaube fordert uns auf zu vergeben. Aber wer weiß, was geschehen würde, wenn meiner Familie etwas passieren würde. Doch das Tolle am katholischen Glauben ist, dass ich auch nach einem Rachefeldzug, wie ihn Max Payne unternimmt, um die Vergebung meiner Sünden bitten kann.

SZ: Sie müssen bereuen und beichten.

Wahlberg: Ich habe in meinem Leben manches falsch gemacht, aber in meinem Inneren weiß ich, dass mir vergeben wird.

SZ: Der Glaube hilft?

Wahlberg: Ich habe Glück gehabt, ich habe Erfolg, ich habe Geld, aber es ist mir mehr denn je bewusst, dass es ein Kamel leichter durch ein Nadelöhr schafft als ein Reicher in den Himmel. Dass ich eines Tages vergessen könnte, wo ich herkomme und nichts als Ausgleich dafür tue, wäre wahrscheinlich die größte Sünde, die ich begehen könnte. Deshalb möchte ich die Tür für andere öffnen, die in einer ähnlichen Situation aufwachsen müssen.

SZ: In Deutschland steht gerade jemand vor Gericht, der einem berühmten Sportler die Frau totgefahren hat. Es ist natürlich bloß eine theoretische Frage, aber wie würden Sie auf den Mann reagieren, der Ihre Frau auf dem Gewissen hat?

Wahlberg: Bei Max Payne ist der Fall ja noch schlimmer, weil ihm Frau und Kind brutal ermordet wurden. Ich könnte in einer ähnlichen Situation nicht mehr funktionieren, sondern würde durchdrehen.

SZ: Sie würden nicht die andere Wange hinhalten, wie es Jesus fordert?

Wahlberg: Das fiele mir sehr schwer.

SZ: Max Payne ist zum Glück nicht real.

Wahlberg: Ich mag Filme, in denen nur geballert wird, Rachefilme, Actionfilme, wo sie einfach bloß schießen. Ich habe meine Figur trotzdem halbwegs realistisch angelegt. Wenn ich mir vorstelle, was ich ohnehin fürchte, reicht das, damit ich Max Payne spielen kann.

SZ: Sie haben keine Angst, als Schauspieler in den Spezialeffekten unterzugehen?

Wahlberg: Wenn Sie das Computerspiel kennen, wissen Sie, dass es sehr spannend ist, immer voll Stoff Action: Max Payne läuft, schießt, nimmt Drogen. Der Schluss ist dann das, was die "Stirb langsam"-Fans sehen wollen. Der Film ist aber auch eine Charakterstudie. Er zeigt, wie jemand zum Killer wird. Ich schaue mir solche Ballerfilme selber gern an: Ich bin schließlich auch bloß ein Kerl.

SZ: Sie sind Co-Produzent der Fernsehserie "Entourage". Stimmt es, dass sie auf Ihrer Lebensgeschichte beruht?

Wahlberg: Sie ist von meiner Biographie und dem Leben einiger anderer inspiriert. Vor allem zeichnet "Entourage" ein ziemlich realistisches Bild von Hollywood.

SZ: Würden Sie wollen, dass Ihre Kinder in dieses Milieu hineinwachsen?

Wahlberg: Nein. Nein!

SZ: Madonna ist nach England gezogen, um die ihren unter Einsatz von Kabbala-Wasser davor zu bewahren.

Wahlberg: Was immer das Zeug soll, seltsam.

SZ: Aber es wird schwer für Sie werden.

Wahlberg: Kann schon sein, aber mein Leben ist anders als das von Leuten, die es ohne Scheinwerferlicht nicht aushalten. Es ist selbst in Los Angeles möglich, jenseits der Arbeit ein einigermaßen ruhiges Privatleben zu führen. Ich gehe nicht zu Partys, auf denen Paparazzi lauern.

Lesen Sie auf Seite 2, welchen Einfluss ein Gefängnisaufenthalt in Jugendjahren auf das weitere Leben von Mark Wahlberg hatte.

Zur SZ-Startseite
Süddeutsche Zeitung
  • Twitter-Seite der SZ
  • Facebook-Seite der SZ
  • Instagram-Seite der SZ
  • Mediadaten
  • Newsletter
  • Eilmeldungen
  • RSS
  • Apps
  • Jobs
  • Datenschutz
  • Abo kündigen
  • Kontakt und Impressum
  • AGB