bedeckt München

Illustrationen:Kat Menschik

Von Kathleen Hildebrand

Jedes Tier in diesem schönen Buch wäre ein fantastisches Tattoo. Es hat zwar den frühneuzeitlich anmutenden Titel "Kat Menschiks & des Diplombiologen Doctor Rerum Medicinalium Mark Beneckes illustrirtes Thierleben". Aber die Rockabilly-Ästhetik, die die Illustratorin Kat Menschik für den neuen Band ihrer selbstgestalteten Buchreihe im Kiwi-Imprint "Galiani Berlin" gewählt hat, kontrastiert exzellent mit dem Anspruch wissenschaftlicher Ehrwürdigkeit, den dieser Titel aufruft. Die Fledermaus, der Mops, der Silberfisch, die Wesen, die hier in bunten Farben porträtiert werden, sehen auf schwarzem Grund mit ihren reduzierten Details aus wie Embleme großer Coolness. Was sie natürlich auch sind. Hier kommen die Texte ins Spiel. Der Pudel etwa, so erfährt man in einem der locker geschriebenen Kurzessays des Biologen Mark Benecke, war dem Menschen nicht immer ein Schoßhund, sondern einst ein Jagdgefährte. Sein krauses Kopfhaar rafften die Jäger mit verschieden farbigen Bändern zusammen, damit ihre Hunde im Gewimmel unterscheidbar blieben. Weiterhin lernt man, dass Hunde kein Schuldempfinden haben, sondern nur so traurig gucken, um Frauchen oder Herrchen zufrieden zu stellen. Dass das Tintenfisch-WM-Orakel Paul schon kurz nach dem Turnier traurig und gelangweilt in der Ecke seines Aquariums saß - vielleicht, weil seine Fähigkeiten nicht mehr gefordert waren und das kluge Tier sich langweilte. Außerdem, dass der Astronom Tycho Brahe einen zahmen Elch hielt, der sich einmal an starkem Bier betrank. Mark Benecke ist ein renommierter Kriminalbiologe, der im Fernsehen und Radio auftritt und einen beliebten Podcast hat, in dem er unter anderem seine wissenschaftlich fundierten Tiergeschichten erzählt. Und: Benecke hat viele, wirklich sehr viele Tattoos. Vielleicht ist auch eines der wunderschönen bunten Tiere aus diesem lehrreichen, amüsanten Buch dabei. Zu wünschen wäre es ihm.

© SZ vom 24.10.2020

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