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Nachruf:Schauspieler Ian Holm gestorben

Schauspieler Ian Holm

Ian Holm war Gründungsmitglied der Royal Shakespeare Company - bis ein Anfall von Bühnenangst ihn zu einer Filmkarriere führte.

(Foto: Daniel Deme/dpa)

Er war einer der begehrtesten Theater-Akteure in England, dann wechselte er aus Lampenfieber zum Film. Ian Holm war Bilbo Baggins in "Der Herr der Ringe" und ein Androide in "Alien".

Von Tobias Kniebe

Im Moment dieser Nachricht hat man gleich ein Bild vor sich: Ein verschmitzter älterer Herr, mit sich und der Welt zufrieden, der gemütlich vor seiner Hobbithöhle in der Sonne sitzt und Pfeife raucht, die Hände über einem Genießerbäuchlein gefaltet. Ian Holm war Bilbo Baggins in Peter Jacksons monumentalen Tolkien-Verfilmungen, aber die Version für die späteren Jahre, als die wilden Abenteuer aus dem "Hobbit" schon hinter ihm lagen - das lebende Beispiel dafür, dass man die größten Gefahren überstehen und die Macht des Rings besitzen kann, ohne darüber den Verstand zu verlieren.

Aber wie die Wendungen eines Künstlerlebens so sind - man würde den 1931 in Essex geborenen Holm wohl kaum in dieser berühmten Rolle kennen, wenn er nicht im Jahr 1976, mitten in einer Aufführung der Royal Shakespeare Company, einen heftigen Anfall von Lampenfieber, ja von Bühnen-Todesangst erlitten hätte. Das Trauma danach war so tief, dass der Theaterstar und gefeierte "Henry V"-Darsteller, den auch Harold Pinter zu seinen bevorzugten Interpreten zählte, den weltbedeutenden Brettern den Rücken kehren musste. Das aber eröffnete ihm die Möglichkeit, seine Filmkarriere voranzutreiben.

Als Androide Ash in "Alien" von Ridley Scott wurde er international bekannt

Die Rolle des Androiden Ash in Ridley Scotts Weltraum-Horrorfilm "Alien" verschaffte ihm größere internationale Aufmerksamkeit, und für den Part des Underdog-Trainers im olympischen Läuferdrama "Chariots of Fire" erhielt er im Jahr 1982 eine Oscar-Nominierung. Es folgten denkwürdige Auftritte in kleineren Parts, als Napoleon in Terry Gilliams "Time Bandits" etwa oder als Priester in Luc Bessons "Das fünfte Element".

Wirklich zentral aber war Ian Holm in dem Film "The Sweet Hereafter" von Atom Egoyan (1997). Dort spielt er einen Anwalt jener zweifelhaften Sorte, die nach Unfällen für die Hinterbliebenen klagen und einen Teil des Schmerzensgelds als Erfolgshonorar kassieren. Er macht daraus aber eine stille, selbst von Trauer gezeichnete Figur, die eine große Überzeugungs- und Beschwörungskraft entfaltet.

Im Jahr 1999 ging es dann los mit "Herr der Ringe", wo Holm als 111-jähriger aber noch sehr fitter Hobbit den zaubermächtigen Ring und all die damit verbundenen Probleme seinem Neffen Frodo überlässt. In der ebenfalls dreiteiligen Vorgeschichte "The Hobbit" wirkt er auch mit, überlässt das Feld diesmal aber seinem jüngeren, abenteuerlustigen Ich, gespielt von Martin Freeman. Wie sein Agent mitteilte, starb Ian Holm am Freitagmorgen in London an den Folgen einer Parkinson-Erkrankung. Er wurde 88 Jahre alt.

© SZ vom 20.06.2020/khil
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