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"Hustlers" im Kino:Hat die Wall Street Geld, tragen die Stripperinnen Pelz

Kinostart - 'Hustlers'

Bilder des Geldes: Jennifer Lopez als Stripperin Ramona Vega im Film "Hustlers".

(Foto: dpa)

Der Film "Hustlers" mit Jennifer Lopez erzählt die Finanzkrise 2008 aus der Sicht von vier New Yorker Tänzerinnen - und dreht die Opferrolle im Sexbusiness angenehm um.

Sexbusiness und Konjunktur hängen zusammen, ganz direkt. Davon erzählt die Regisseurin Lorene Scafaria in ihrem Film "Hustlers": Haben die Börsenhändler von der Wall Street Geld, tragen die Stripperinnen in den umliegenden Bars Pelzmäntel. Der Verdienst der Ladies, die im Nachtleben arbeiten, ist ein Gradmesser für den Erfolg ihrer Kunden.

Ihr Verdienst im Sexbusiness ist der ehrlichere, das wird in diesem Film betont. Der porträtiert zwar auch das Leben nach der Finanzkrise 2008, aber über weite Stecken zeigt er das Jahr 2007, als die Fondsmanager das Geld in Plastiktüten mit sich herumtragen mussten, so groß waren die Summen, die sie tagsüber ohne jeden Skrupel den Gutgläubigen aus der Tasche zogen. Nachts trugen sie diese Tüten dann in Stripclubs, um dort nackte Frauen mit Scheinen zu bewerfen - so beginnt "Hustlers", mit Bildern des Geldes. Das Geld ist der Treibstoff, der alle in Bewegung bringt, Verkäuferinnen und Käufer.

Vorerst wird ausgestellt, wie glamourös die Sexclub-Szene in den Nullerjahren war, schön sauber allerdings, ohne einen Spritzer Dreck. Jennifer Lopez spielt die Hauptfigur Ramona mit bewährtem Selbstbewusstsein, und wenn Ramona in ihrem Club an die Stange geht, um zu tanzen, sind nicht nur die Gäste sprachlos. Die Kraft der Tänzerin; die Spannung, die sie mit jedem Zentimeter aufbaut, den sie weiter an die Zuschauer heranrückt; das Spiel von Nähe und Distanz - Ramonas Auftritte machen auch ihren Kolleginnen klar, dass sie diejenige ist, die nicht nur weiß, was Männer sexy finden, sondern auch, wie man es am besten inszeniert.

Die Geschichte mag sich wie Fiktion anhören, aber der Film entstand nach einer Reportage der Journalistin Jessica Pressler

Als Ergebnis wird sie vom Publikum mit Scheinen überschüttet, das finden wiederum die Frauen gut, wesentlich mehr als körperliche Zuwendung. Natürlich hat "Hustlers" einen feministischen Ansatz. Also wird ausführlich illustriert, wie Frauen die geschäftliche Transaktion perfektionieren. Sie verkaufen den Männern nicht bloß den Blick auf oder den Griff an ihre Körper, sondern die Illusion von Macht.

Während das betrunkene, selbstgefällige Publikum jede Bewegung der Tänzerinnen auf die eigene Person bezieht, sehen die nur den Schwung der Handgelenke, mit dem die Scheine auf die Bühne geschnippt werden. Das ist keine neue Erkenntnis, wird aber von Regisseurin Lorene Scafaria so ausdrucksstark in Szene gesetzt, dass nirgends der Gedanke aufkommt, die Frauen könnten Opfer sein. Diese Rolle liegt durchgängig bei den Männern.

Dafür darf man die Frauen bei Lapdance-Proben sehen, bei denen sie viel Spaß haben, oder man hört den Gesprächen in der Garderobe zu, während sie über ihren Alltag jenseits des Clubs lästern. Da bedauern sie ihre Freunde, die zu Hause weder Sex noch sexy Anblicke bekommen, denn davon haben die Tänzerinnen nach jeder Schicht die Nase voll. Gleichzeitig zeigt "Hustlers", wie großzügig die Frauen in ihren Freundschaften miteinander sind, welche Solidarität das Sexbusiness bei ihnen evoziert. Das mag sich wie Fiktion anhören, aber Tatsache ist, dass der Film nach einer Reportage der Journalistin Jessica Pressler entstand, die Interviews mit einer Gruppe New Yorker Ex-Stripperinnen führte und 2015 veröffentlichte.

Das Alleinstellungsmerkmal dieser Stripperinnen war ihr Erfindergeist. Sie fanden nach dem goldenen Jahr 2007 eine eigene Antwort auf den Börsencrash, indem sie ein Geschäftsmodell entwickelten, mit dem sie ähnlich viel Geld verdienen konnten wie davor, obwohl es weniger zahlende Kundschaft gab: Sie wurden kriminell. Das zeigt der Film als Antwort auf finanzielle Not, meistens charmant genug, dass man Ramona und ihre Freundinnen eher versteht als verachtet. Sie arbeiten weiter im Sexbusiness, da kennen sie sich aus, sie verändern den Job allerdings so weit, dass sie sehr reich und unabhängig werden - durch Trickbetrugsmanöver mit K.-o.-Tropfen und Kreditkarten.

Man gönnt ihnen den Heldinnenstatus, den der Film ihnen schenkt. Sie haben eine Methode gefunden, reiche Männer auszunehmen, ohne dass mehr als deren Konto darunter leidet. Warum sollte sie das in ein schlechteres Licht setzen als jede Bande von Männern, die im Action-Genre für gewaltsamere Verbrechen wohlwollend bewundert wird? Solche Männer, so viel ist klar, würden das Geschäft dieser Hustlers sofort auch ausüben. Wenn sie es könnten. Denn hier sieht man zur Abwechslung Kriminalität, die ausschließlich Frauen vorbehalten ist.

Hustlers, USA 2019 - Regie, Buch: Lorene Scafaria. Mit Jennifer Lopez, Constance Wu, Keke Palmer, Lili Reinhard. Universum. 110 Minuten.

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