Hunde-Videos Tierischer Machtwechsel

Hunde haben den Katzen auf den Clickcharts im Internet den Rang abgelaufen.

(Foto: dpa)

Hunde haben Katzen als Lieblingstiere des Internets abgelöst. Wie konnte es dazu kommen?

Von Susan Vahabzadeh

Die Sauregurken-Zeit ist Geschichte, es gibt keine Phase im Sommer mehr, in der die Ungeheuer ihre langen Hälse aus dem Loch Ness ragen lassen, weil alle Regierungen im Urlaub sind und es sonst nichts zu berichten gäbe. Spätestens seit Donald Trump amerikanischer Präsident wurde, ist immer was los. So, wie sich die Dinge in den letzten Monaten entwickelt haben, ist es kein Wunder, wenn die New York Times sich, zwischen angeklagten Wahlkampfmanagern und Russlandermittlung, Handelskrieg und ausbezahlten Playboy-Models, im Live-TV durchdrehenden Anwälten und Diktatorenkuscheln einfach ein künstliches Sommerloch oben auf ihrer Website gräbt und dort der Frage nachgeht, warum Hunde den Katzen auf den Clickcharts im Internet den Rang abgelaufen haben.

Das läge daran, wurde einem im begleitenden Video erläutert, dass Katzen für Chaos stehen und solches auch gern verursachen, während Hunde immer schön machen, was man ihnen sagt. Der wichtigste Grund wird wohl das Internet selbst sein: Es wurde professionalisiert. Als das Netz noch jung war, haben sich Menschen in ihren schlecht ausgeleuchteten Wohnzimmern gefilmt, wenn sie schlecht sangen, und manchmal gingen solche Clips um die Welt. Heute sitzen perfekt geschminkte Profis im semiprofessionellen Heim-Studio und preisen die Produkte ihrer Sponsoren an. Früher fegten freche Kätzchen in der Küche das Geschirr von der Anrichte; heute wirken Tierfilme oft inszeniert, die Tiere gestylt, der Inhalt geplant. So etwas lassen Katzen nicht mit sich machen.

Es gibt Fernseh-Hunde und Kinohunde, "Lassie", "Beethoven", "Benji", "Marley & Me". Hunde sind Unterhaltungsprofis. Die derzeitige Click-Königin ist die Hündin Bonnie, die sich eine Kamera geschnappt hat und auf der Flucht sozusagen selbst filmt. Vielleicht von allein, vielleicht auch nicht - sie ist nicht einmal der erste Hund, der das tut, ihr Vorgänger hieß Walter. Hunde werden dressiert. Die wichtigsten Kino-Katzen sind die "Aristocats" und "Garfield" - Trickfilmtiere. Der Zeichenstift und die Computeranimation sind die einzigen Mittel, mit denen man eine Katze dazu bringt, Regieanweisungen zu befolgen.

Weil Hunde und Katzen tatsächlich so unterschiedlich sind, ist aber vielleicht doch was dran an der einen oder anderen Theorie, die den tierischen Machtwechsel erklären sollen. Dass er wirklich stattgefunden hat, will die BBC mit knallharten Recherchen nachgewiesen haben. Aber woran liegt es? Demografische Veränderung? Sind Hunde nett und witzig, während Katzen meist etwas übellaunig wirken? Ist es die Sehnsucht nach Ordnung in einer chaotischen Welt, oder macht sich gar Duckmäusertum breit und Angst vor freiem Willen? Guter Hund! Gute Katze sagt keiner.

Einer der Ansätze führt dann doch wieder zurück zu Donald Trump, auf Salon.com - der Hundetrend soll kurz vor seinem Wahlsieg begonnen haben, und seither sei die Menschheit von Angst getrieben und brauche den Zuspruch zuverlässiger, netter, berechenbarer Hunde. Hunde sind des Menschen bester Freund. Und Donald Trump benehme sich im Grunde genommen wie eine Katze. Das wird vielen Katzenfreunden nicht gefallen, aber mal ehrlich: Ein bisschen Ähnlichkeit mit dem selbstsüchtigen, verfressenen, manchmal etwas verschlagenen orangefarbenen Garfield hat er vielleicht wirklich. Ein wesentlicher Unterschied zwischen Hunden und Katzen wird dabei aber außer Acht gelassen: Schlimmstenfalls hat man nach einer Auseinandersetzung mit einer Katze ein paar Kratzer. Hunde sind viel gefährlicher.

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