Rechte Spenden für das Berliner Stadtschloss:Wer hat's bezahlt?

Lesezeit: 2 min

19.07.2021,Berlin,Deutschland,GER,Pressetag zur Eröffnung des Humboldt Forums im Berliner Schloss.Am 20.07.2021 wird das

Unter den Großspendern ist auch die Rudolf-August-Oetker-Stiftung. Die Plakette am Schloss zeigt das Profil von Rudolf-August Oetker.

(Foto: STEFAN ZEITZ via www.imago-image/imago images/Stefan Zeitz)

Auf der Spendenliste für das Humboldt-Forum tauchen weitere Namen aus der rechten Szene auf.

Von Jörg Häntzschel

19.07.2021,Berlin,Deutschland,GER,Pressetag zur Eröffnung des Humboldt Forums im Berliner Schloss.Am 20.07.2021 wird das

Spender-Medaillons im Berliner Stadtschloss.

(Foto: Stefan Zeitz/imago images)

Wer mindestens 500 000 Euro für die Fassade gespendet hat, der wird im wiederaufgebauten Berliner Stadtschloss mit einer Plakette samt Porträt geehrt. So bis vor Kurzem auch der Bankier Ehrhardt Bödecker. Anfang November wies der Architekturkritiker und ehemalige Leiter der Stiftung Bauhaus Dessau, Philipp Oswalt, auf eine ganze Serie von antisemitischen und rassistischen Äußerungen Bödeckers in den Jahren vor seinem Tod 2016 hin. Bödeckers Sohn bat das Humboldt-Forum daraufhin, die Plakette abzuhängen. Eilends hatte sich zuvor das Humboldt-Forum von den Äußerungen des Großspenders distanziert. Andere problematische Spender seien aber nicht bekannt.

Vielleicht liegt das auch daran, dass man nicht so genau hingesehen hat. Denn die Liste der nicht-anonymen Spender enthält noch weitere Figuren vom rechten Rand, wenn auch nicht immer namentlich. Eine davon ist der Stuttgarter Orthopäde Karl-Klaus Dittel, so berichtete das 3sat-Magazin "Kulturzeit" am Mittwochabend. Dittel gehört nicht nur dem "Förderkreis Baden-Württemberg im Förderverein Berliner Schloss" an, der Spenden für die Skulpturen "Clio" und "Liebe" des Portals V im Schlüterhof sammelte. Er gehörte auch zu den Gründern des "Vereins zur Erhaltung der Rechtsstaatlichkeit und bürgerlichen Freiheit", der die AfD mit Großplakaten und Gratiszeitungen in Wahlkämpfen im Wert von mehreren Millionen Euro unterstützte. Der Verein diente anonymen AfD-Spendern, die in der Schweiz von der Gaol AG koordiniert wurden, als Fassade für illegale Parteispenden.

Philipp Oswalt ist in der Spenderliste ebenfalls auf weitere Namen aus der rechten Szene gestoßen. Etwa Thomas Sambuc, der als Spender von mindestens 100 000 Euro im Portal II geehrt wird. Er trat bei den Stuttgarter Gemeinderatswahlen 2019 für die AfD an. Auch die "Gesellschaft Berliner Schloss", die ebenfalls über 100 000 Euro gespendet hat, wird dort genannt. Der Verein hat drei Vorstände, von denen einer der Berliner AfD-Politiker Daniel Krüger ist, ein anderer der Architekturhistoriker Guido Hinterkeuser, der die "Gemeinsame Erklärung 2018" unterzeichnet hat, eine Petition von führenden Köpfen der neurechten Szene gegen Einwanderung.

Auch der "Preußenabend München" hat für das Schloss gespendet, eine Organisation, bei der, so der Bayerische Rundfunk, "rechtskonservative Akademiker, Vertriebenenfunktionäre, AfD-Politiker und Neonazis" auftreten. Einer von ihnen war der Bundeswehr-Oberleutnant Franco A., der inzwischen wegen Terrorverdacht vor Gericht steht.

Muss das Humboldt-Forum an prominentem Ort wirklich Rudolf-August Oetker zeigen, einen Mann, der Mitglied bei der Waffen-SS war?

Ein weiterer Spender ist Claus Wolfschlag, ein Autor der Jungen Freiheit. Auch die Junge Freiheit selbst hat gespendet, für das Schmuckelement "Sima mit Löwenköpfen". Das war der Stiftung offenbar so unangenehm, dass sie kürzlich den Förderverein bat, die Spende zurückzuzahlen, was Fördervereinschef Wilhelm von Boddien aus rechtlichen Gründen aber ablehnte. Der Eintrag "Junge Freiheit" ist in der Spendenliste dennoch gelöscht worden.

Es geht indes nicht nur um neue, sondern auch um alte Rechte: Unter den Großspendern etwa ist die Rudolf-August-Oetker-Stiftung. Die Stiftung unterstützt honorige Projekte. Aber muss das weltoffene Humboldt-Forum an prominentem Ort wirklich Rudolf-August Oetker zeigen, einen Mann, der, bevor er einer der großen Industriellen der Bundesrepublik wurde, Mitglied der Waffen-SS war? Eine Studie, die nach dem Tod Oetkers 2007 von dessen Familie in Auftrag gegeben wurde, kam zu dem Schluss, Oetker und seine Familie seien "Stützen der NS-Gesellschaft" gewesen. "Sie suchten die Nähe des Regimes und profitierten von dessen Politik."

In einem Interview bemerkte der Generalintendant des Humboldt-Forums, Hartmut Dorgerloh, kürzlich kleinlaut: "Mehr Transparenz bei Großspenden wäre gut", machte aber wenig Hoffnung: Die Spender, die anonym bleiben wollten, würden dies wohl auch bleiben - aus "Datenschutzgründen". Möglicherweise wird man also nie erfahren, wie viel Geld von Antidemokraten, Revanchisten und Rechtsradikalen in diesem öffentlichen Bauwerk steckt und welche Teile nur deshalb gebaut werden konnten, weil sie es gaben.

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