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Bund beschließt Millionenzuschuss für Jazzkulturzentrum in Berlin:Angekommen im kulturellen Kanon

Bund finanziert House of Jazz mit 13,2 Millionen Euro

Von Andrian Kreye

13,2 Millionen Euro Zuschuss soll das "House of Jazz" aus dem Bundeshaushalt bekommen. Das wurde am Donnerstag bei einer Sitzung des Haushaltsausschusses beschlossen. Ein dreistelliger Millionenbetrag wird demnach in die Berliner Kultur und Wissenschaft fließen. Das geplante Jazzkulturzentrum in der Alten Münze in Berlin Mitte soll 2026 eröffnen. Die Summe wird zunächst einmal den Umbau finanzieren, nachdem das Land Berlin den Rohumbau bezahlt hat. Auch an den Programm- und Betriebskosten wird sich der Bund dann wohl beteiligen.

Fast vier Jahre lang dauerten die Verhandlungen. Die Idee hatte der Trompeter Till Brönner. Sehr viele Vereine, Interessensgruppen und Politiker hatten sehr viele Einwände. Im Januar dieses Jahres hatten sich dann die Jazzunion, die Bundeskonferenz Jazz, die Deutsche Jazzföderation, die IG Jazz Berlin, das Jazzinstitut Darmstadt und Till Brönner auf ein Betriebskonzept geeinigt. Die lange Liste zeigt auch, dass der Jazz in Deutschland schon länger eine kulturpolitische Rolle spielt. Es soll jedenfalls einen Konzertsaal, einen Probesaal, Übungsräume, Konzert- und Bildungsprogramme geben. Ein großes Ensemble soll internationale Strahlkraft entwickeln.

Vom Geld, der Politik und dem jahrelangen Streit mal abgesehen, ist der Vollzug im Haushaltsausschuss vor allem eine letztgültige politische Anerkennung des Jazz als förderwürdiges Kulturgut in Deutschland. In anderen Ländern gibt es ähnliche Häuser und Projekte. Wynton Marsalis' Jazz at Lincoln Center in New York gehört zu den bekanntesten. Dort gibt es eine eigene Big Band, einen Saal, einen Club, Bildungsprogramme und eine prächtige Aussicht auf den Central Park. In Frankreich gibt es ein Nationalorchester für Jazz. In Oslo wurde in einem alten Kino eine nationale Jazzbühne eingerichtet.

All diese Projekte haben für die Musiker und das Genre in den jeweiligen Ländern eine Ankerfunktion. Mit dem House of Jazz in allerbester Kulturhauptstadtlage wird diese Musik endgültig im Kanon der Bundesrepublik angekommen sein. Damit es aber nicht alles in Würde erstarrt, will sich das House of Jazz von Anfang an auch öffnen. Der improvisierten Musik und dem experimentellen Pop. Weil eine Musik, die auf dem Prinzip der Freiheit basiert, keine lang geplanten Grenzen braucht.

© SZ/crab
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