Homosexualität im Arabischen Freudscher Verschreiber

Im Arabischen wird "schwul" schnell mit "pervers" übersetzt. Da staunte Autor Michael Luongos, als sein neues Buch erschien: "Perverse Reisen durch die Welt der Moslems."

Von Andrian Kreye

Es galt als kleine Sensation, dass mit Michael Luongos Buch "Gay Travels in the Muslim World" (Schwule Reisen durch die Welt der Moslems) das angeblich erste Buch mit homosexuellem Thema ins Arabische übersetzt wurde. Der Verlag Arab Diffusion in Beirut veröffentlichte den Sammelband mit Reisereportagen und Erfahrungsberichten. Umso befremdeter war Michael Luongo, als er von Schwulenorganisationen im Nahen Osten erfuhr, dass der Titel seines Buches im Arabischen auch "Perverse Reisen durch die Welt der Moslems" bedeuten kann.

In 93 Ländern weltweit steht Homosexualität noch heute unter Strafe.

(Foto: Foto: dpa)

Nun hat Luongos libanesischer Verlag den Titel nicht böswillig verzerrt. Für den Begriff "schwul" gibt es im Arabischen mehrere Wörter. Das Wort, das Arab Diffusion für die Übersetzung des Titels wählte, lautet "schas". Nach Angaben des Verlages ist dieses das gebräuchlichste Wort für schwul. Allerdings wird es von arabischen Medien in erster Linie verwendet, um "unnatürliche" und "unzüchtige Akte" zu benennen. Und es bedeutet eben nicht nur homosexuell, sondern auch andersartig, unnatürlich oder pervers.

Es gäbe durchaus ein politisch korrektes Wort für schwul im Arabischen, das in den letzten Jahren von Wissenschaftlern und Journalisten bevorzugt wurde. "Jinsiya mislia", und seine Kurzform "misli" bezeichnet so etwas wie eine artverwandte Liebe. Doch die meisten arabischen Bezeichnungen für Schwule, Lesben, Transsexuelle und ihr Liebesleben sind negativ besetzt.

Von Debatten um politische Korrektheit ist die moslemische Welt noch weit entfernt. Im Nahen Osten ist Homosexualität lediglich in Israel, dem Westjordanland und - seit dem Einmarsch der amerikanischen Streitkräfte - auch im Irak legalisiert. In Saudiarabien, den Vereinigten Arabischen Emiraten und dem Jemen wird Homosexualität sogar mit dem Tod bestraft. Nicht dass die staatliche Verfolgung Homosexueller auf die arabische oder moslemische Welt beschränkt wäre. In 93 Ländern steht Homosexualität noch heute unter Strafe. Unter Todesstrafe steht sie in Iran, Mauretanien, in den islamischen Bezirken Nigerias und im Sudan. Lebenslange Haftstrafen können in Barbados, Burma, Pakistan und Uganda verhängt werden. Angola, Jamaika und Nordkorea schicken Schwule ins Arbeitslager.

Im Libanon liegt die Höchststrafe bei vergleichsweise harmlosen zwölf Monaten. Dort hat sich eine starke Emanzipationsbewegung formiert, für die der Verlag letztlich Luongos Buch veröffentlichte. Luongo will sich nicht davon abhalten lassen, weiter in den Nahen Osten zu reisen und dort mit Schwulenorganisationen zusammenzuarbeiten. Doch dass die Legalisierung der Homosexualität nur ein erster Schritt sein kann, zeigt nicht nur der Lapsus bei der Übersetzung. Im Irak sind seit der Legalisierung Hunderte Homosexuelle ermordet worden. Genau dorthin wird Luongo als Nächstes reisen.

Schrille Parade, ernste Absichten

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