Hommage Löwenstark

Zieht schon lange das Land der Stadt vor: der Drehbuchautor und Regisseur Rainer Wolffhardt.

(Foto: Hedwig Griesehop)

Der Fernsehregisseur Rainer Wolffhardt wird 90

Von Josef Grübl

Der Mann, der München stets als lebens- und liebenswerte Metropole gezeigt hat, lebt schon lange nicht mehr in der Stadt. "Wir sind vor etwa 20 Jahren aufs Land gezogen", erzählt Rainer Wolffhardt am Telefon. Sein neues Zuhause liegt in einer Gemeinde südlich von Landsberg. Als Autor und Regisseur hat er so manche Münchner Geschichten erzählt, nicht ganz so ironisch-pointiert wie sein Kollege Helmut Dietl - seine Geschichten waren oft etwas melancholischer, vor allem aber waren sie durch und durch menschlich. Davon profitiert das öffentliche München-Bild noch heute; er selbst komme aber nur noch selten in die Stadt, sagt er. Viele seiner früheren Kollegen und Freunde seien ja leider verstorben.

Jörg Hube etwa oder Willy Purucker, mit denen sein wohl bekanntestes Projekt entstand: Vor 30 Jahren begannen die Dreharbeiten zur Fernsehserie "Löwengrube", die in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts spielt und auf anrührende Weise Privates mit Zeitgeschichtlichem vermischt; nebenbei zeigt sie eine Stadt, die es so schon lange nicht mehr gibt. Hube spielte den Polizisten Ludwig Grandauer (und später seinen Sohn Karl), Purucker schrieb die Drehbücher der Serie, die auf seiner Hörspielreihe "Die Grandauers und ihre Zeit" basierte. Die Serie war beim Publikum und bei der Kritik ein Erfolg, sie wurde etwa mit dem Grimme-Preis in Gold ausgezeichnet. Das änderte aber nichts daran, dass der Sender vorzeitig den Stecker zog: Nach 32 Folgen war die "Löwengrube" im Serienjahr 1954 angekommen, als der Bayerische Rundfunk ihr Ende beschloss. "Das finde ich nach wie vor sehr schade", sagt Rainer Wolffhardt. Er hätte die Geschichte gerne noch bis in die Siebzigerjahre ausgedehnt.

Aber auch Enttäuschungen gehören zu einem erfolgreichen Künstlerleben, das 1927 im hessischen Hanau begann. Er war noch ein Kind, als die Familie nach München zog, als 15-Jähriger wurde er als Flakhelfer eingezogen. "Das war 1943", erzählt er, "ich war in Pasing und Oberwiesenfeld, zum Glück musste ich nicht an die Front." Nach dem Krieg schaffte er es gleich in den ersten Jahrgang der Otto-Falckenberg-Schule, er wurde zum Schauspieler ausgebildet und erhielt ein Engagement an den Kammerspielen. Dort arbeitete er schon bald auch als Regieassistent, unter anderem für so große Namen wie Bertolt Brecht ("das war großartig") oder Fritz Kortner ("das war eher schwierig").

In den Fünfzigerjahren wechselte er zum Fernsehen, zunächst zum Süddeutschen Rundfunk, ab den Siebzigern arbeitete er hauptsächlich für den Bayerischen Rundfunk. Seine ersten, von ihm inszenierten Fernsehspiele mussten aus technischen Gründen noch live ausgestrahlt werden, schon bald galt er als Experte für zeitgeschichtliche Stoffe und Literaturverfilmungen. So adaptierte er Max Frisch, Ludwig Thoma oder Oskar Maria Graf. Über die Jahrzehnte hinweg kamen mehr als 100 Stoffe zusammen, unter anderem die oft wiederholte "Rumplhanni" (1981) mit Monika Baumgartner. Er selbst findet die 1967 entstandene Rolf Hochhuth-Adaption "Die Berliner Antigone" oder die fünf Jahre später entstandene "Jugend einer Studienrätin" als seine besten Filme.

Vor 20 Jahren zog er sich aus dem Geschäft zurück, das heutige TV-Programm findet er "flach und nicht tiefgehend", Soaps wie "Dahoam is dahoam" sogar als "unerträglich". Aber die Zeiten seien heute andere, man könne das nicht mit früher vergleichen. Und so blickt Rainer Wolffhardt halbwegs entspannt auf sein Lebenswerk zurück. An diesem Sonntag feiert er seinen 90. Geburtstag.