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"Hollywood Vampires":Heroes

Hollywood Vampires 2018

Eine, nun ja, junge Band: Seit drei Jahren treten Johnny Depp, Alice Cooper und Joe Perry (von links) als „Hollywood Vampires“ auf – nun auch auf dem Toolwood in München.

(Foto: Stefan M. Prager)

Sie sind die teuerste Coverband der Welt: Johnny Depp, Alice Cooper und Joe Perry eröffnen das Jubiläums-Tollwood - und haben dabei auch selbst viel Spaß

Und dann hat Johnny Depp das Tollwood eröffnet. Nicht das Filmfest, sondern das Tollwood. Nicht Hans Söllner, Hans-Jürgen Buchner oder ein anderer wohlverdienter Stammgast der Zeltstadt-Sause im Olympiapark, nein, es war der Hollywood-Star, Charakter-Beau, Golden-Globe-Gewinner und Schlagzeilenmagnet, der in der Musikarena die Münchner auf diese besondere Festivalsaison zum 30-jährigen Tollwood-Bestehen einstimmte. Dass das Gekreische und die flirrende Stimmung dank der Superstaraura im Vorfeld des Konzerts nicht noch größer war, lag womöglich daran, dass einigen nicht klar war, wer sich hinter den Hollywood Vampires verbirgt, die auf den Plakaten seit Monaten angekündigt waren. Eine, nun ja, junge Band, es gibt sie erst seit drei Jahren; eine, nun ja, uralte Band, die drei Hauptakteure sind zusammen fast 200.

Diese Supergroup aus dem Freizeitgitarristen Johnny Depp, 55, dem Rocksänger Alice Cooper, 70, und dem Aerosmith-Gitarrengenie Joe Perry, 67, hat also München beehrt. Und eines gleich vorweg: Der um vier exzellente Tourmusiker aufgemotzten Hardrock-Band ist ein kleines Wunder gelungen. Sie hat den Abend der größten deutschen Fußball-Pleite zum Freudenfest gemacht. Zum Rockereignis, das lange nachhallt, nicht nur der Ohrwurm zur Zugabe, Coopers "School's Out", in das geschmeidig Pink Floyds "Another Brick In The Wall" einfloss.

Genau darauf konzentrieren sich die nach einem Trinkerklub in Los Angeles benannten Hollywood Vampires, seit sie sich 2015 gegründet, bislang ein Album aufgenommen haben (ein zweites soll in Kürze erscheinen) und derzeit ausgiebig touren: auf die Siebzigerjahre, ein bisschen auch auf die Sechzigerjahre. Nun könnte man sagen, so sehen sie auch aus. Genau damit spielen sie. Alice Cooper ist bleich geschminkt, die Augen schwarz, wie eben erst der Gruft entstiegen. Dazu passt Perry, dessen grau-schwarze Haarflusen wie ein Spinnennetz-Kokon auf ihm thronen. So zelebrieren sie nicht den Tod, sondern die Auferstehung des Rock. Der Männerklub würdigt seine (teilweise toten) Helden, spielt Stücke von The Doors, The Who und AC/DC, von Motörhead, Alice Cooper und Aerosmith. Dazu gibt es eigene Nummern, die "Raise The Dead" heißen, "As Bad As I Am" oder "My Dead Drunk Friends".

Beim knackigen, durchgehend aufregenden München-Gig (in der Länge eines, sorry, Fußballspiels) wurde die Rollenverteilung in dieser teuersten Coverband der Welt recht gut klar. Der 70-jährige Cooper gab den souveränen Zeremonienmeister, Stab-schwingend und ab und an mit Zylinder, sein Gesang noch immer eindringlicher als jede Zalando-Reaktion (und viel melodischer). Perry zeigte in hübschen Soli und Rhythmus-Flächen, warum ihm das Gitarrespielen niemals langweilig werden wird. Ach, und dann natürlich Depp. Anders, als zu erwarten war, gab der 55-Jährige, über den zuletzt wieder heftig getratscht wurde (zu mager, zu verschuldet, zu geschieden), seinen Fans in dem ausverkauften Riesenzelt erstaunlich viel. War präsent und gestenreich. Er schrubbte lässig diverse Gitarren, dezenter freilich als seine Kollegen, flirtete mit dem Publikum. Mit Ketten behangen, schwer beringt, anfangs sonnenbebrillt, gab er mal den taumelnden Jack Sparrow, mal den konzentrierten Begleitmusiker. Er warf Plektren in die Menge, zwischendurch rauchte er, es schien, als hätte er Spaß.

Seinen magischen Moment hatte er auch. Ein paar Mal übernahm Johnny Depp den Gesang, und als er gegen Ende "Heroes" von David Bowie interpretierte, da schwappte ihm die wohl größte Begeisterungswelle des Abends entgegen. Zurecht. Schon komisch, die Helden an diesem späten WM-Junitag waren rockende Vampire. Und nicht Jogis Fußballer.