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Zum Tod von Tony Curtis:Komödiant mit Charakter

Vor allem mit "Manche mögen's heiß" von Billy Wilder und "Die Zwei" ist er ein Star geworden - festlegen lassen wollte er sich aber nie. Nun ist Tony Curtis, der große Komödiant, im Alter von 85 Jahren in Los Angeles verstorben.

Endgültig berühmt geworden ist Tony Curtis in Rock und Stöckelschuhen. 1959 drehte er gemeinsam mit Regisseur Billy Wilder, Jack Lemmon und Marilyn Monroe die Komödie Manche mögen's heiß (Some Like It Hot). Die Geschichte zweier erfolgloser Musiker, die sich auf der Flucht vor der Mafia mit Häubchen und mit umgeschnallten Brüsten in eine Frauencombo einschleichen, machte Furore.

Den Ruhm hat sich Tony Curtis vor allem mit solchen Rollen verdient. Auch die Fernsehserie Die Zwei mit Curtis und James-Bond- Darsteller Roger Moore wurde Anfang der 70er Jahre zum Kult. In der Rolle des amerikanischen Playboys Danny Wilde machte er Schlaghose, enge Lederjacke, Handschuhe und Seidenschal salonfähig. Am Anfang seiner Karriere hatte er noch den "Curtis Cut", eine mit Pomade gebändigte Schmalzlocke, bekannt gemacht.

Festlegen lassen wollte sich der Schauspieler aber nie. Er spielte Transvestiten, Frauenmörder, Seeräuber, Hochseilartisten und Hochstapler - schon lange vor seinem großen Erfolg in Manche mögen's heiß hatte er sich als Charakterdarsteller profilieren können.

Anthony Curtis wurde am 3. Juni 1925 unter dem Namen Bernard Schwarz als Sohn jüdisch-ungarischer Einwanderer in der Bronx geboren. Sein Vater Mono war in Ungarn ein bekannter Schauspieler gewesen - in New York brachte er sich und seine Familie mangels Sprachkenntnissen als Schneider durch.

Die Verhältnisse, in denen Tony Curtis aufwuchs, waren nicht einfach. Bereits mit elf Jahren war er Mitglied einer Streetgang - doch dann holte ihn, so erzählte er es später, ein väterlicher Freund von der Straße. Im Krieg wurde er bei einem Einsatz schwer verletzt.

Die schauspielerische Karriere begann der Junge aus der Bronx am Theater. Der große deutsche Regisseur und Intendant Erwin Piscator schulte ihn. Dabei soll es vor allem sein gutes Aussehen gewesen sein, das seinen frühen Erfolg an der New Yorker Greenwichbühne begründete - und schon bald entdeckten Kino und Fernsehen den schönen Newcomer für sich.

Schwartz bekam ein Ticket nach Los Angeles, eine kleine Rolle zum Mittanzen - und dann ein Pseudonym, das man gut im Vor- und Abspann eines Films präsentieren konnte.

Tony Curtis, den der legendäre, spätere Filmmogul Lew Wassermann vertrat, entdeckte dann als einer der ersten Stars den Dreh, sich prozentual an Einnahmen des jeweiligen Films beteiligen zu lassen. So wurde er rasch Millionär und investierte sein Filmgeld gerne in Immobilien.

Seiner erfolgreichsten Phase waren die fünfziger, sechziger und siebziger Jahre. Er dreht manisch Filme, ein sympathischer Profi, dem das Leichte gut gelang. Danach wurde es ruhiger um den Schauspieler. Es sollen vor allem Probleme mit Alkohol und Drogen gewesen sein, die ihm zu schaffen machten. Immer wieder unterzog er sich Entziehungskuren - und drehte trotz allem immer wieder Filme. 1985 zum Beispiel schaffte es Tony Curtis mit dem englischen Film Insignificance noch einmal, für Aufmerksamkeit zu sorgen.

Das Privatleben des Stars bot viele Turbulenzen, Curtis war in bunten Blättern ein Dauergast. In erster Ehe war er mit der Schauspielkollegin Janet Leigh (Psycho) verheiratet. Aus dieser Ehe stammt seine Tochter Jamie Lee Curtis, die es als Schauspielerin ebenfalls zu Ruhm gebracht hat - und die an diesem Donnerstag nun den Tod ihres Vaters bestätigen musste.

Nach der Trennung von Janet Leigh heiratete Curtis 1963 die damals 18-jährige deutsche Schauspielerin Christine Kaufmann. Aus dieser Ehe stammen die Töchter Alexandra und Allegra. Die Ehe wurde im April 1968 geschieden. Christine Kaufmann arbeitet seither wieder als Schauspielerin in Deutschland - und nahm ihre Töchter mit, die Curtis später unter großem öffentlichen Aufsehen gewaltsam an sich bringen wollte.

Der Tod ihres ehemaligen Ehemannes hat Christine Kaufmann dennoch sehr getroffen: "Ich war trauriger, als ich gedacht habe", sagte sie der Zeitschrift Bunte. "Es ist, wie wenn die Zeit stirbt".

Auch Curtis dritte und vierte Ehe scheiterten - seit 1998 war Curtis schließlich in fünfter Ehe mit der 28-jährigen Reitlehrerin Jill Vandenberg verheiratet, mit der er in der Nähe von Las Vegas und auf einer Insel bei Hawaii lebte. Sie habe laut Medienberichten auch an seinem Sterbebett gesessen.

Tony Curtis hatte sich in der Zeit nach seiner großen Karriere auf eine andere Kunst verlegt - er wandte sich der Malerei zu. 1990 kaufte er die nordamerikanische Insel Forbes, um dort zu malen. Vor allem mit seinen Collagekästen Time Boxes, in denen er hinter Glas Erinnerungsstücke arrangiert, machte er sich einen Namen als bildender Künstler. 2005 nahm das New Yorker Museum of Modern Art eines seiner Bilder in die Dauerausstellung auf.

In der Nacht zu Donnerstag ist Tony Curtis im Alter von 85 Jahren in Nevada gestorben. Er ist einer schweren Krankheit erlegen.

© sueddeutsche.de/kar

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