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Hollywood:Filmproduzent Scott Rudin zieht sich zurück

Produzent Scott Rudin.

(Foto: Matt Sayles/A)

Gegen den Hollywood-Produzenten gab es Vorwürfe, er habe seine Mitarbeiter misshandelt. Nun will er eine Auszeit nehmen.

Von Susan Vahabzadeh

Die Maßstäbe in Hollywood ändern sich. Louis B. Mayer beispielsweise, der Gründer von MGM und der Oscar Academy, war für seine Wutanfälle berühmt und hätte, würde er sich heute so verhalten wie damals, vermutlich mehrere Vergewaltigungsvorwürfe am Hals. Als er 1951 sein eigenes Studio verlassen musste, spielte das keine Rolle. Heutzutage wiegt Machtmissbrauch deutlich schwerer.

Scott Rudin ist zwar keine Weltberühmtheit. Aber die von ihm produzierten Filme - beispielsweise "The Social Network" und "No Country For Old Men" - haben zusammen 151 Oscarnominierungen erhalten. Als Mann hinter vielen Broadway-Produktionen, "To Kill a Mockingbird" etwa, ist er ebenfalls legendär. Vor zwei Wochen erschien im Hollywood Reporter nun eine Titelgeschichte über seine Verfehlungen.

Rudin hat 2012 einen Laptop nach einem Mitarbeiter geworfen, der ihm keinen Sitz auf einem ausgebuchten Flug besorgen konnte, und ihn dabei an der Hand verletzt; und wegen eines ungebetenen Gastes vor der Tür hat er einen weiteren Assistenten mit einer gebackenen Kartoffel beworfen, nicht getroffen und dann eine neue verlangt; er hat versucht, den Wechsel einer Assistentin zu Harvey Weinstein zu verhindern, der inzwischen wegen Vergewaltigung einsitzt. In der Folge machte der Bruder eines Assistenten, der 2009 für Rudin gearbeitet hatte und im vergangenen Jahr starb, Rudin für dessen Depressionen verantwortlich.

Rudin will nun eine freiwillige Auszeit einlegen, obwohl noch einige fast fertige Projekte auf dem Weg sind - "The Tragedy of Macbeth" mit Frances McDormand und Denzel Washington etwa ist bereits in der Postproduktion. Hugh Jackman, der das Broadway-Musical "Music Man" vorbereitet, hat sich von Rudin distanziert. Reagiert haben auf die Vorwürfe gegen Rudin bislang nur wenige Hollywood-Größen, obwohl viele mit ihm gearbeitet haben. Der Fall Harvey Weinstein, gegen den nach seiner Verurteilung in New York nun auch in Los Angeles Anklage erhoben wurde, wiegt wohl doch schwerer.

© SZ
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