Hollywood Her mit den Heldinnen!

Nur ein Drittel aller Filme hat eine weibliche Heldin wie Disneys "Vaiana".

(Foto: dpa)

Filme mit weiblichen Hauptrollen spielen im Kino mehr Geld ein, hat eine Studie herausgefunden. Werden Schauspielerinnen jetzt endlich besser bezahlt?

Von Susan Vahabzadeh

David O. Selznick war einer der größten Hollywood-Produzenten aller Zeiten, schon bevor er "Vom Winde verweht" drehte - und es gehörte zu seinen Macken, dass er seine Regisseure zwang, sich um weibliche Zuschauer zu bemühen. Immerhin machen sie die Hälfte des Publikums aus. Selznick starb 1965, und seine Weisheiten über die Vorlieben und die Zusammensetzung des Publikums müssen die Hollywood-Produzenten irgendwie verdrängt haben - seit Jahrzehnten zielen sie mehr auf Männer ab und halten das für profitabler.

Anfang des Jahres haben nun die Schauspieler-Agentur CAA und die Beraterfirma Shift 7 eine Studie begonnen, Anlass waren die Debatten darüber, dass sich nach "Me Too" das Kino ändern soll. Die Ergebnisse wurden jetzt veröffentlicht und umfassen die vergangenen vier Jahre - und sie sind bemerkenswert: Filme, in denen Frauen die Hauptrolle spielen, erzielen im Schnitt höhere Einspielergebnisse als solche, in denen Männer im Mittelpunkt stehen.

Das ist ein ziemlicher Knüller. Wir erinnern uns: Die geringeren Gagen für weibliche Stars wurden damit gerechtfertigt, die männlichen Kollegen seien nun einmal die Hauptattraktion, Frauen stellten ein höheres finanzielles Risiko dar. Darum entbrannte 2014 eine heftige Debatte, als herauskam, dass Sony der Oscar-Preisträgerin Jennifer Lawrence weniger bezahlte als Jeremy Renner.

Die Studie besagt nun: Wenn Männer die Hauptrolle spielen, wird ihnen vielleicht mehr bezahlt - aber sie bringen weniger ein. Als Filme mit weiblicher Hauptrolle galten solche, in denen eine Frau tatsächlich zuerst in Vor- oder Abspann genannt ist, untersucht wurden die 350 weltweit einträglichsten Kinofilme aus den Jahren 2014 bis 2017. Alle Filme wurden nach der Höhe ihres Budgets in fünf Gruppen sortiert, von unter zehn Millionen Dollar bis zu mehr als hundert Millionen Dollar. In allen Gruppen haben die Filme, die eine Hauptdarstellerin hatten, im Schnitt mehr eingespielt als jene, bei denen ein Mann zuerst genannt wurde. Insgesamt waren das 105, im Vergleich zu 245 männlich dominierten Stories. Ein knappes Angebot, das womöglich eine höhere Nachfrage schafft. Vielleicht würde sich bei gleichmäßiger Verteilung der Hauptrollen auch die Zuschauergunst gleichmäßig verteilen.

Aber auch bei den kleinen Produktionen, bei denen die männlichen und weiblichen Hauptrollen sich fast ausgleichen, hatten die Filme mit weiblichen Hauptrollen mehr Zuschauer. Teure Filme wie Disneys "Vaiana" oder "Wonder Woman" mit einer weiblichen Hauptfigur sind immer noch selten, 51 der 105 Frauen-Filme haben weniger als dreißig Millionen Dollar gekostet.

Zusätzlich wurden alle Filme dem Bechdel-Test unterzogen. Das bedeutet, dass es eine weitere Untersuchung gab, wie viele Filme im Untersuchungszeitraum insgesamt zwei weibliche Figuren vorzuweisen hatten, die sich miteinander unterhalten, und zwar nicht über Männer. Noch ein bemerkenswertes Ergebnis: Diesen Test haben 40 Prozent der untersuchten Filme nicht bestanden. Aber kein einziger aus der erfolgreichsten Gruppe, mit einem Einspielergebnis von mehr als einer Milliarde Dollar, ist durchgefallen.

Man sollte vielleicht einmal umgekehrt bechdeln - und untersuchen, ob in den Frauenfilmen, immer noch meist von Männern inszeniert, die männlichen Nebenrollen auch nur Stichwortgeber sind. Eher nicht. Deswegen erreichen sie auch mehr Publikum.