Hörenswert Tropisch gute Laune

Paulo Morello und Lula Galvão und ihr Album "Sambop"

Von Claus Lochbihler

Gute Musik verzaubert: Die Hörer, die Musiker und erst recht die Musik selbst. Auf "Sambop" verwandeln die beiden Gitarristen Paulo Morello und Lula Galvão Jazzmaterial in Brasilianisches. Und improvisieren über Musik aus Brasilien - Choro, Samba und Bossa Nova -, als wäre es Jazzmaterial. So wird aus Duke Ellingtons "I'm Just A Lucky So-And-So" ein Baião und aus einem Cole-Porter-Standard eine Samba. Brasilianisches deuten sie jazzig aus - Lula Galvão, ein gefragter Meister der brasilianischen Musik, auf der akustischen, Paulo Morello auf der Jazz-Gitarre. Und für den Samba-Drive auf dem Album "Sambop" (In + Out Records) sorgen Dudu Penz am Bass und Mauro Martins am Schlagzeug.

Paulo Morello heißt eigentlich Cornelius Paul Schmidkunz und kommt aus der Oberpfalz.

(Foto: Jan Scheffner)

Choro, dieses wuselige, betörend schöne, immer noch zu Unrecht im Schatten bekannterer Stilistiken stehende Genre brasilianischer Musik, nimmt Morello als Vorlage, um darüber boppig zu improvisieren. So flüssig und gewandt, als wäre ein Song wie "Ao Nosso Amigo Esmé" nur eine Welle. Und ein Jazz-Solo die Gelegenheit, sehr, sehr lässig darüber zu surfen.

Das Album macht beim Hören tropisch gute Laune, lässt einen durch die Wohnung tänzeln oder versetzt einen in jene wohlig-melancholische Sehnsucht, für die die Brasilianer das Wort Saudade erfunden haben. Erfunden hat sich auch Paulo Morello. Der Jazzmusiker ist in der brasilianischen Musik, die er seit bald 25 Jahren spielt, studiert und an der Hochschule für Musik in Nürnberg auch unterrichtet, nicht weniger zu Hause als im Jazz. Und weil Brasilianer, mit denen er so oft musiziert, den Geburtsnamen Cornelius Paul Schmidkunz nicht wirklich aussprechen können, lag es irgendwann nahe, den bürgerlichen Namen aus der Oberpfalz durch einen brasilianisch klingenden Künstlernamen zu ersetzen. Live stellen Morello und Galvão das Album in den nächsten Tagen gleich zweimal vor: Am Mittwoch in der Unterfahrt als Quartett, mit Erivelton Silva als Stargast, dem wohl besten Samba-Schlagzeuger Brasiliens. Und als Gitarrenduo, das der Saudade, dem Choro und der Kunst des Jazz-Duetts frönt, vier Tage später bei "Jazz im Schloss" in Murnau. Ein Muss für Gitarrenfans und alle, die sich beim Musikhören gern in Brasilianer verwandeln.

Paulo Morello/Lula Galvão: Sambop, liva am Mi., 20. März, 21 Uhr, Unterfahrt, Einsteinstr. 42; So., 24. März, 20 Uhr, Schlossmuseum Murnau