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Hörenswert:Nackte Klangsachen

Ein schönes Debüt des Münchner Duos "Zwinkelman"

Postrock. Ist das nicht dieses Auftürmen von Soundwänden, dieser ab- und anschwellende Bocksgesang aus Riffs und Feedback, wo sich ein kleiner Flügelschlag auf der Gitarrensaite in einen Orkan verwandeln kann? Ja und nein. Denn dass man die Rockmusik postmortal auch ganz ohne infernalische Wallungen in Richtung Jazz, Dub, Krautrock oder Avantgarde-Folk treiben kann, das haben Postrock-Bands wie Tortoise, The Sea And Cake oder Gastr del Sol bereits in den Neunzigerjahren bewiesen. Auch das Münchner Duo Zwinkelman zeigt auf seinem beim Label Echokammer erscheinenden Debütalbum, dass es anders geht. Kammer-Postrock nennen Josip Pavlov und Dominik Lutter ihren Sound, den sie mit kaum mehr als zwei offen gestimmten, akustischen Gitarren erzeugen. An diesem Donnerstag stellen sie das namenlose Album live im Kap 37 in der Isarvorstadt vor.

Sieben Instrumentalstücke sind es, die Pavlov und Lutter zusammen mit Tobias Lämmert als Produzent im Proberaum der Weltmusik-Legende Embryo eingespielt haben. Als Gast ist auf zwei Songs zusätzlich Simon Ackermann (Zwirbeldirn, Forastero, Gitanes Blond) am Kontrabass und Wurlitzer-Piano zu hören. Aber nur dezent im Hintergrund, so wie auch sonst die Zeichen stark auf Reduktion stehen. Gezupfte Akkorde und Gitarrenläufe gehen hier organisch ineinander über oder kontrapunktisch gegeneinander vor. Und auch wenn es wie etwa im "Zeitgeber Blues" komplexere Taktwechsel oder Akkordverschiebungen gibt oder in "Bieg ab" eine disharmonische Experimental-Einlage: Auf ausgestelltes Virtuosentum wird bewusst verzichtet. Stattdessen geht es um Stimmungen, um Atmosphären, die aus dem Hier und Jetzt der klingenden Saiten entstehen.

Als eine Art "Back to the roots", "ohne Hilfsmittel, ohne Industrie, ganz nackt" beschreibt Josip Pavlov das Grundkonzept des Duos Zwinkelman, das 2015 indirekt aus seinem Solo-Projekt Ippio Payo heraus entstand. Denn Pavlov, der seit mehr als 20 Jahren Musik macht, lange Zeit Gitarrist bei der Postrock-Band Majmoon war und bei den Bands Das Weiße Pferd und Grexits aktiv ist, hatte damals Lutters Experimental-Folk-Projekt Domhans gehört. Und weil es ihm "super" gefiel, lud er Lutter für einen Ippio-Payo-Song als Gastmusiker ein. Statt nur eines Songs entstand dann Zwinkelman, sowie das Ritual, sich einmal die Woche zum Proben in Pavlovs Küche zu treffen. Für große Soundwände wäre dort wohl auch kein Platz. Aber für subtile und meditative Klangerzählungen, wie man sie auf dem schönen Debütalbum von Zwinkelman findet.

Zwinkelman: Debütalbum (Echokammer), live am Do., 16. Jan., 20 Uhr, Kap 37, Kapuzinerstraße 37

© SZ vom 16.01.2020
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