bedeckt München
vgwortpixel

Hörenswert:Der Groove der Zukunft

"Organ Explosion" stellt im Strom sein neues Album "La Bomba" vor

Wer je das Rhodes E-Piano von Hansi Enzensperger bespielen durfte, der konnte eine Zeitreise machen: So muss es sich in den Siebzigerjahren angefühlt haben, wenn man ein fabrikneues Rhodes unter den Fingern hatte. Eine ungewohnte Erfahrung: Inzwischen wird das wegen seines unverwechselbaren Glockenklangs wieder extrem begehrte Instrument ja seit 35 Jahren nicht mehr gebaut, was man den übrig gebliebenen Exemplaren normalerweise auch anmerkt. Genau wie den Hammond Orgeln, die alle ebenfalls mindestens 40 Jahre alt sind, aber neuerdings auch wieder ganz hoch im Kurs stehen. Der A 100 von Enzensperger sieht man freilich auf den ersten Blick an, dass sie kein Kellerrelikt ist: Eine Plexiglasscheibe legt das Innenleben und einige Tuning-Eingriffe - Enzensperger hat mal Automechaniker gelernt - frei.

Was eine Metapher für das Konzept von Enzensperger und seinem Trio Organ Explosion mit dem Bassisten Ludwig Klöckner und dem Schlagzeuger Manfred Mildenberger sein könnte: Mit kultisch verehrten Vintage-Instrumenten - was auch das Ludwig-Schlagzeug, Fender-Bass oder den Moog-Synthesizer einschließt - sowie aus den alten Soul- und Jazz-Schemata improvisierend Musik für die Zukunft zu machen. "Vintage-Krassomaten" und "Retro-Futuristen" werden die drei dementsprechend in den Medien gerne genannt. So ist jetzt auch ihr viertes Album "La Bomba" ein groove-gesättigtes, augenzwinkerndes Meisterwerk für alle, die das Jahr 1970 nach 2030 gebeamt erleben wollen. Satte Grooves, wabernde Bässe, Latin-Rhythmen, Psychedelic-Funk überwältigen einen förmlich, immer schön mundgerecht und augenzwinkernd über unerwartete Melodien wie den Western-Klassiker "Apache" gelegt. Und immer schön offen für Improvisationen aller Art, weswegen das live im Strom noch mehr Spaß machen dürfte.

Organ Explosion: La Bomba (Enja); Samstag, 26. Oktober, 20 Uhr, Strom, Lindwurmstr. 88