Hörbuch Tom Pauls und die Dichterin Lene Voigt

(Foto: Aufbau Verlag)

Von Cornelius Pollmer

Über ihr Volk, die Sachsen, verfasste die Mundartdichterin Lene Voigt einst unsterbliche Zeilen, sie lauten im Originalton Ost wie folgt: "Was Sachsen sin von echtem Schlaach, die sin nich dod zu griechn. Drifft die ooch Gummer Daach fier Daach, ihr froher Mut wird siechen." Voigt, 1891 in Leipzig geboren, musste es nun wirklich wissen, denn großer Gummer war auch Gast in ihrem Leben, immer wieder. Die Nazis verboten ihre Bücher, weil ihnen das Sächsische generell zu "unheldisch" klang. Voigt verlor ein Kind, ihre Ehe, vieles andere mehr. Sie floh aus Sachsen noch vor dem Kriege, später kehrte sie zurück und fand den Tod zu Beginn der Sechziger in einem Bezirkskrankenhaus für Psychiatrie, in dem sie trotz weitgehender Genesung gleich geblieben war. Wo hätte sie auch hingehen sollen? Draußen hatte man die Schriftstellerin und Dichterin Voigt ja längst vergessen und man sollte sie noch mehr als ein Jahrzehnt lang nicht wiederentdecken.

Bei aller Einsicht darin, dass große Kunst oft ihren Ursprung in äußerlichem oder innerlichem Elend hat: Es ist noch heute kaum zu glauben, wie die große Künstlerin Lene Voigt es vermochte, einem teils sehr elendigen Leben so viel liebliche Heiterkeit abzuringen und so viele zarte Melodien. Deswegen ist es ein nicht geringes Glück, dass der Name Voigt heute zumindest in Sachsen wieder mehr Menschen ein Begriff ist. Zu tun hat das wesentlich mit dem Kabarettisten Tom Pauls, der einer Figur von Voigt die Inspiration zu wiederum seiner bekanntesten Bühnenfigur verdankt - der resoluten Witwe Ilse Bähnert, die nicht nur ihre Handtasche sehr fest im Griff hat. Mit dem Journalisten Peter Ufer zusammen hat Pauls vor einer Weile die biografische Liebeserklärung "Meine Lene" verfasst. Soeben ist diese in einer Hörfassung erschienen und das ist schon deswegen von Vorteil, weil so eine Fassung auch Dialektfremden eine vorsichtige Annäherung ans Sächsische ermöglicht. Am besten vermutlich zunächst da, wo Lene Voigt Bekanntes nachvollziehbar neu fasst wie im "Zauwerlährling". Also, Auftritt alter Besen: "Gugge doch, schon duhdor flitzen / Wie ä Wiesel hin un här..." So flitzt er, "dor alde Bäsen" und er kehrt bei Lene Voigt wirklich so schwungvoll wie lange nicht.