Hitzacker (dpa/lni) - Die 77. Sommerlichen Musiktage Hitzacker stehen vom 30. Juli bis 7. August unter dem Motto „Zeit.Räume“. „In Zeiten, in denen sich das Kulturleben neu aufstellt - ja aufstellen muss -, sich hinterfragt und den viel zitierten Neustart probt, fühlen wir uns ganz beheimatet: Unser Festival ist darin geübt, seit jeher ein Ort des Aufbruchs und der Erfindung zu sein“, sagte Intendant Oliver Wille am Mittwoch bei einer Pressekonferenz im Wendland.
Der Gesamtetat des Trägervereins beläuft sich 2022 auf etwa 430.000 Euro, wovon rund 140.000 Euro aus Ticketeinnahmen erwirtschaftet werden. 35.000 Euro sind der Zuschuss des Landes. In den vergangenen beiden Jahren habe man es mit guter Zuschauerauslastung geschafft, ohne Corona-Hilfen aus Berlin klarzukommen, unterstrich Christian Strehk, Vorstandsvorsitzender des Festival-Trägervereins.
„Es ist nicht nur das älteste Kammermusikfestival in Deutschland, sondern auch qualitativ und künstlerisch das beste und innovativste“, betonte Kulturminister Björn Thümler. „Es wird ein echtes Highlight“, sagte der CDU-Politiker. Wegen der großen Einschränkungen in der Corona-Pandemie „brauchen wir dieses Erleben wieder“.
Wille erläuterte, dass die schwere Zeit ein Nachdenken über Routinen und ihre Gefahr gefördert habe: „Ich glaube, dass uns die letzte Zeit gezeigt hat, dass wir Kultur brauchen, aber wir können auch nachdenken, etwas anders zu machen.“ Man sollte nicht die alten Werke vergessen, aber aus der Routine und den traditionell strukturierten Programmen auch ausbrechen und andere Wege gehen.
Die Eröffnungsproduktion „Kokon“ mit Bas Böttcher (Slam Poetry), Yui Kawaguchi und Ruben Reniers (Tanz), Johannes Fischer (Schlagzeug, Komposition) sowie dem Kuss Quartett will Wortkunst, Performance, Musik und Imagination zusammenbringen und Zeitläufe verschmelzen lassen. Der Pianist Pierre-Laurent Aimard setzt gemeinsam mit dem Kuss Quartett die Musik Elliott Carters zu Mozart in Beziehung. Und die Sopranistin Ania Vegry führt Poulencs Monodrama „Die menschliche Stimme“ auf, eine Oper über äußere und innere Distanz. In einem Sonnenaufgangskonzert erklingt Musik von Frederic Mompou.
Auch in 2022 wird es mehrere Uraufführungen geben, darunter ein Werk des Komponisten Mark Andre. Hinzu kommt die Erstaufführung eines Gemeinschaftswerkes von Enno Poppe und Rebecca Saunders.
© dpa-infocom, dpa:220216-99-155969/2
