Hip-Hop Zorniges Migrantenkind

Rapperin Ebow, jüngst mit Münchens Musik-Förderpreis ausgezeichnet, stellt in der Milla ihr neues Album "Kanak For Life" vor

Von Michael Zirnstein

Der Münchner Kulturausschuss hat den mit 6000 Euro dotierten Musik-Förderpreis an Ebru Düzgün alias Ebow verliehen. Das könnte der Versuch sein, die Rapperin an die Stadt zu binden, aus der sie vor vier Jahren zum Architekturstudium nach Wien zog und über die sie längst hinausgewachsen ist. Wobei das Kulturreferat die Alevitin stets als "mehrdimensionale, feministische, queere, experimentierfreudige und mutige" Künstlerin hofiert hat, seit sie vor zehn Jahren durch Guerillaauftritte in Waschsalons und Supermärkten im Hauptbahnhofsviertel erstmals für Furore sorgte. Zuletzt hat München Düzgün und ihre (von der New York Times) hochgelobte Band Gaddafi Gals zum Pop-Branchen-Gipfeltreffen "SXSW" in Texas geschickt.

Längst reißt sich die Rap-Welt um die 29-Jährige. Zur Veröffentlichung des dritten, mit Rap-Stilen von Trap- und Cloud- über Oriental- und Tropic bis New- und Old-School-Rap spielenden und in Reizthemen von Migration bis Menstruation austeilenden Albums "K4L" rühmte sie das Zeit-Feuilleton als "Hoffnungsträgerin einer im weitesten Sinne deutschsprachigen Rap-Musik", die Welt als "erste wirklich gute politische Rapperin" des Landes. In Interviews sollte Ebow die Künstlerszenen Wiens ("starke Fuck-off-Einstellung") und Berlins vergleichen, zwischen denen sie pendelt. Ihre Heimatstadt tauchte in den Berichten, wenn überhaupt, mit ihren braven, wortspielenden Hip-Hoppern als Negativbeispiel auf. Was freilich gerade bei streitbaren Rap-Amazonen von Taiga Trece bis Lisa Holic ignorant ist. Und doch fehlt Ebow hier, wenn sie nicht gerade das Finale ihrer "Planet Kanak"-Tour im Club Milla feiert.

Ebow spiegelt die Geschichte des Hip-Hop und reichert sie mit feministischen und queeren Perspektiven an.

(Foto: Zombienanny)

Auch wenn Ebow auf dem multilingualen "Kanak For Life" bio-deutsche Hipster anmault, die ihre Einwandererkultur gerade mal schick finden. Auch wenn sie die Alpha-Männlein (des Mainstream-Rap) niedermacht mit dem Schlachtruf: "Leck mein Blut". Auch wenn sie selbst bei Liebeserklärungen an ihre queere Regenbogenwelt tänzelnd angriffslustig wirkt wie Muhammad Ali vor dem K.o.-Schlag ("Butterflies"). Selbst dann hat das Album etwas Betörendes, Verbindendes. Es feiert die Gemeinschaften, aus denen Ebow Stärke bezieht. Das sind selbstgewählte Familien hier und dort ebenso wie ihre Blutsbande, in der sie im Westend aufgewachsen ist: "Migrantenkind, in mir steckt der Zorn meiner Oma, meiner Mama, meiner Tanten drin."

Ebow, Freitag, 26. April, 20 Uhr, Milla