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Hip-Hop-Pionier erliegt Krebsleiden:Beastie-Boys-Mitglied Adam Yauch ist tot

Vor zwei Wochen wurden die Beastie Boys in die Rock and Roll Hall of Fame aufgenommen, nun ist ihr Gründungsmitglied Adam Yauch verstorben. Im Alter von 47 Jahren verlor er den Kampf gegen den Krebs.

Andrian Kreye

Am Freitag ist Adam Yauch gestorben, einer der Beastie Boys. Die Band war eine der am längsten existierenden Formationen in der Geschichte des Hip-Hop. Als die Beastie Boys im Sommer 1985 im Vorprogramm des frisch gekürten Superstars Madonna ihre ersten großen Auftritte in den Hallen und Stadien des Landes hatten, waren sie etwas unerhört Neues. Drei jüdische Bürgerkinder, die Hip-Hop mit der Attitüde von Lower Eastside Punks aufführten. Damals war Hip-Hop selbst noch etwas Neues. Es war erst sechs Jahre her, dass mit "Rapper's Delight" die erste Rap-Platte veröffentlicht wurde. L.L. Cool J und Run DMC hatten gerade erst begonnen, das neue Genre aus den Nischen der New Yorker Ghettos in die Randgebiete des Pop zu holen.

'Beastie-Boys'-Mitglied Adam Yauch ist tot

Hip-Hop in Punk-Attitüde: Adam Yauch bei einem Auftritt in Berlin.

(Foto: dapd)

Als junger Kritiker schämte man sich bald, dass man den Auftritt der drei im Madison Square Garden mit ein paar lakonischen Sätzen abgefertigt hatte. Mag sein, dass die Halle zu groß, der Kontrast zwischen dem Downtown Punk Rap der Beasties zum Bubble Gum Pop von Madonna zu groß gewesen war. Nur ein Jahr später stürmten die Beastie Boys mit ihrer Debütplatte "License To Ill" als erster Hip Hop Act auf Platz eins der Billboard Album Charts. Und auf dieser Platte fand sich auch der Song, der bis heute ihr Leitmotiv geblieben ist: "(You Gotta) Fight For Your Right (To Party)!"

Der Song war ein ungehobeltes Stück Rock-Rap. So platt ironisch war der Titel gar nicht gemeint. Im Downtown New York der achtziger Jahre vermischten sich Clubwelt, Intellektuelle und linke Politszene zu einer Gegenkultur, denen die Yippies der Youth International Party, Andy Warhol und die Proto-Punks des CBGB's-Clubs gleichermaßen Pate standen.

Der Aufstieg der Beastie Boys zu Weltstars begann dann direkt im Anschluss an die Veröffentlichung auf der "Raising Hell Tour". Auf der Tour zeigten die Beastie Boys auch, dass sie es schafften, die Rassengrenzen des Pop in umgekehrter Richtung einzureißen. Zwischen den Hardrock-geprägten Headlinern Run DMC, dem Verfechter des Ghetto-Lokalpatriotismus L.L.Cool J und den radikalen Politrappern Public Enemy wirkten die Beastie Boys mit ihrer Punk-Färbung keineswegs als Fremdkörper. Hier waren die Straßen von New York auf Welttournee. Schande, wer da aus dem positiven Rassismus der Linken heraus Ghetto-Authentizität einforderte.

Beginn als klassische Punkband

Die Punk-Attitüde der Beasties kam nicht von ungefähr. Die drei hatten 1978 als klassische Punkband begonnen. Adam Yauch spielte Bass, Michael Diamond sang und spielte später Schlagzeug. Zwei Mitglieder stiegen aus, dafür kam Gitarrist Adam Horovitz dazu. Als sie auf Hip-Hop umschwenkten, gaben sie sich entsprechende Pseudonyme. Aus Adam Yauch wurde MCA, aus Diamond Mike D, aus Horovitz Ad-Rock. Beastie stand der Legende nach für "Beings Entering Anarchistic States Towards Internal Excellence".

Es half dem Erfolg, dass die drei so markant verschieden waren, das Erfolgsrezept des Pop seit den Beatles. Adam Yauch verkörperte dabei so etwas wie den George Harrison der Beasties - er war der Ruhige, oft zurückhaltende, der später sein Heil in fernöstlicher Spiritualität und Menschenrechtsaktivismus suchte.

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