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Hilfe für Drehbuchautoren:Hollywood auf der Couch

Drehbuchlehrerin Laurie Hutzler kennt die Ängste der Leinwandhelden: Indiana Jones graust es vor dem Heiraten und 007 vor dem Verlassenwerden.

Über ihre aktuelle Arbeit darf sie nicht sprechen, da gibt es strikte Verträge. Man kann nur spekulieren, wie ihre Erkenntnisse zum Beispiel den oscargekrönten Writer-Director Paul Haggis prägen, und welchen Einfluss sie damit auch auf den Gefühlshaushalt von James Bond hat, in seiner neuesten Inkarnation von "Ein Quantum Trost".

bond kino drehbuch

Angst vor dem Verlust: Bond und Bond-Girl.

(Foto: Foto: Sony Pictures)

Die amerikanische Drehbuchlehrerin und Scriptberaterin Laurie Hutzler hat sich auf die Emotionen von Film- und Fernsehhelden spezialisiert. Sie gibt Seminare auf der ganzen Welt, und auch auf ihrer Website emotionaltoolbox.com gewährt sie Einblick in ihre Methoden.

Letzte Woche war sie auf Schloss Elmau zu Gast, um eine Handvoll europäische Nachwuchsautoren beim "Équinoxe Germany Screenwriters' Workshop" zu unterrichten - eine seltene Gelegenheit zu sehen, wie Hollywood aus der Insiderperspektive auf die Couch gelegt wird.

Hutzlers Urteile, das unterscheidet sie von 99 Prozent der Kollegen, die sich sonst so Drehbuchberater nennen, sind glasklar, eindeutig und oft schmerzhaft für die Klienten.

Haarsträubende Fehler

Tom Cruise als "Last Samurai" zum Beispiel hätte am Ende des Films sterben müssen, erklärt sie - anders funktioniere der idealistische Typus des Helden, den er hier verkörpert, einfach nicht, ein König Leonidas könne schließlich auch nicht mit 300 Spartanern gegen die Perser ziehen und dann selbst davonkommen.

Ein andere Fehler, bei dem sie sich die Haare raufen könnte, ist die Entscheidung im letzten "Indiana Jones", den ergrauten Archäologen heiraten zu lassen. Der emotionale Kern dieses Heldentyps sei die ständige Suche nach Aufregung und neuen Thrills, zugleich sei er der Entfesselungskünstler des Kinos schlechthin - und die Ehe so ziemlich das allerletzte, was man ihm zumuten dürfe.

Man merkt es schnell: Mit konventionellen Hollywood-Vorstellungen, wann eine Figur "sympathisch" und "erfolgreich" sei, hat diese Art der Analyse wenig zu tun, im Gegenteil - gegen solch engstirniges Denken kämpft Hutzler einen leidenschaftlichen Kampf, der sich mit den Mythen der Vergangenheit genauso munitioniert wie mit der neuesten Popkultur.

Ihre Beschwörungsformel, stets nach der größten Angst einer Figur zu fragen und darin die Antriebsfeder zu suchen, klingt an, wenn James Bond in seinem neuesten Abenteuer völlig außer Fassung gerät: Seine größte Angst stammt aus dem Vorgängerfilm, sie hat mit dem Tod seiner Geliebten Vesper Lynd zu tun und mit der Vorstellung, dass ihm so etwas noch einmal passieren könnte.

In den wenigen emotionalen Momenten, die dem hektischen Kino der Gegenwart bleiben, so etwas wie die Wahrheit des menschlichen Fühlens anklingen zu lassen, ist Laurie Hutzlers Mission - und oft klingt sie dabei selbst ein wenig wie ein Psychiater.

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