Hessischer Rundfunk Qualitätssicherung

Fröhder zufolge forderte Theisen ihn in einem Gespräch mit zwei weiteren HR-Mitarbeitern auf, sein Recherchematerial offenzulegen. "Dann hätte ich die Sachen gleich in der Staatskanzlei abgeben können", sagt heute Fröhder, der sich damals weigerte. Der Beitrag wurde dann doch gesendet - nach Angaben Fröhders jedoch erst nach seiner Ankündigung, er werde den Inhalt des Gesprächs öffentlich machen. Theisen will sich zu dem Thema nicht äußern - ebenso wenig wie zur gesamten Thematik. Zu der will auch Reitze nichts sagen.

Auch andere Mitarbeiter berichten, dass regelmäßig von oben ihr Recherchestand zu politischen Beiträgen abgefragt werde - wobei sich auch hier wieder nicht festmachen lässt, ob das schlicht der Qualitätssicherung dient oder nicht. Ähnlich sieht es bei dem Erlebnis aus, das der damalige HR-Fernsehunterhaltungschef Bernd Küsters vor einigen Jahren hatte: Er wollte aus dem damals geplanten öffentlichen Apfelweinanstich eine Art kleineres Pendant zum Münchner Starkbieranstich machen und versuchte dementsprechend, einige Kabarettisten anzuwerben.

Wie in München, sollten sie sich die anwesende Politprominenz vorknöpfen. Seiner Schilderung nach wurde Küsters dann während der Vorbereitungen in die Staatskanzlei bestellt. "Ich wurde gefragt, ob das denn alles so scharfes Kabarett sein müsse, oder ob es nicht allgemeinverträglicher geht", sagt er heute. Er habe daraufhin sein "Befremden" geäußert, "dass so etwas in einer Staatskanzlei diskutiert wird". Das Gespräch mit dem Beamten sei zwar "undramatisch" verlaufen, doch habe er es als "eindeutigen Versuch empfunden, Einfluss auf das Programm zu nehmen".

Unliebsame Scherze

Regierungssprecher Metz hingegen kann sich "nicht vorstellen", dass es darum ging, unliebsame Scherze zu verhindern - und ist "sicher, dass es lediglich darum ging, eine bunte Mischung im Programm zu haben". Im Übrigen sei der Apfelweinverband beteiligt gewesen und habe sicherlich keine Kabarettveranstaltung haben wollen. Küsters hingegen sagt, von Seiten des an dem Gespräch beteiligten Verbands habe es keine entsprechende Äußerung gegeben. Im Übrigen ist, ganz unabhängig vom Inhalt des Gesprächs, womöglich viel bezeichnender, dass es überhaupt in der Staatskanzlei stattgefunden hat - und dass dort über das Programm gesprochen wurde.

Ganz offiziell geschieht das in den Gremien ständig - ohne dass sich die Vertreter der Parteien hier in punkto Schärfe und Häufigkeit ihrer Kritik am Programm sonderlich viel nehmen. Allzu oft ist die politische Ausrichtung der Mitglieder entscheidender als tiefere Sachkenntnis. Nachdem etwa Anfang November die vier SPD-Landtagsabgeordneten Metzger, Everts, Tesch und Walter erklärt hatten, Andrea Ypsilanti nicht zur Ministerpräsidentin zu wählen, wurde in einem Zeitungsartikel die angeblich tendenziöse Berichterstattung des HR beanstandet. So habe eine Reporterin die vier als "Verräter" bezeichnet, worüber dann wenige Wochen später im Rundfunkrat lebhaft diskutiert wurde - bis sich schließlich doch die Forderung durchsetzte, die entsprechende Sequenz vielleicht einmal anzuschauen.

Heraus kam, dass die Reporterin nur die Stimmung in der SPD wiedergegeben und mustergültig deutlich gemacht hatte, dass es sich nicht um ihre eigene Meinung handelte. Ganz gemäß Leitsatz 3 des unter Intendant Reitze eingeführten Leitbilds: "Wir berichten unabhängig, fair und unvoreingenommen."