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Hertzkammer:Minimalisten

"Agents of Time" aus Bari im Bahnwärter Thiel

Von Theresa Hein

Wie eine flüssige Gesteinsmasse wickeln sich die düsteren Synthesizer Sounds um Snare und Hi-Hat. Dann der Knall bei "Obsidian", dem zweiten und letzten Track der "Magma"-EP von Agents of Time. Die Synthesizer durchbrechen das Stück wie zerspringendes Glas und ordnen sich den Beats über. Agents of Time sind ein bisschen minimal und ein bisschen größenwahnsinnig. Perfekt also für die Nacht zwischen Ostersonntag und Ostermontag, wenn sie sich als Headliner im "Bahnwärter Thiel" die Ehre geben. Hinter Agents of Time verbergen sich die drei jungen Italiener Andrea Di Ceglie, Fedele Ladisa und Luigi Tutolo. Das Trio kann aus einem bunten musikalischen Erziehungssammelsurium schöpfen. Vor nicht ganz einem Jahr erschien ihr erstes Album "Spread the Word" bei dem britischen Label "Stem Records", seitdem bespielen Agents of Time namhafte Clubs von Berlin bis Dubai.

Bei dem US-Label "Ellum" erschien am 2. Februar die neue EP "Magma". Daniel Hahn beweist mal wieder Geschick in der Auswahl seiner Acts, wenn er am Samstag nach dem Tanzverbot zum "Osterglück" und am Ostersonntag zum "Techno Transport Theater" lädt. Da bringen Agents of Time aus Bari dann mit verrauschten Synthesizern dumpfen und zugleich kreativen Minimal ins gemütliche Bahnwärter Thiel. Das Kulturareal in der Tumblingerstraße wird auch an Ostern mit lokalen und internationalen Acts bespielt. Und im März und April wird sich das Bahnwärter Thiel einmal kräftig aufbäumen, bevor es im Mai dem Volkstheater weichen muss. "Allsonntäglich saß der Bahnwärter Thiel in der Kirche zu Neu-Zittau, ausgenommen die Tage, an denen er Dienst hatte oder krank war und zu Bette lag", so beginnt die Novelle von Gerhart Hauptmann, die dem Club seinen Namen gab. Zu Bette liegen kann man dann ja nach dem Osterwochenende.

Agents of Time, Sonntag, 27. März, 23 Uhr, Bahnwärter Thiel, Tumblingerstr. 29

© SZ vom 24.03.2016
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